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Visual Noise: Schreie von Nashörnern

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Agata Schubert zeichnete mit einem Phosphorstift, während Michael Hauck gleichzeitig Klänge und Rhythmen auf der Gitarre spielt. Foto: Kisters
Das Duo Agata Schubert und Michael Hauck leitet seit kurzem den Kunstraum Visual Noise. Musik und Kunst verschmelzen darin zu einem einzigartigen Happening.  Von
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Sülz

Neue Kunsträume ziehen die Aufmerksamkeit des Publikums gleich in doppelter Hinsicht auf sich. Die Neugier auf Künstler erscheint unerschöpflich in Köln. Die Aussicht, möglicherweise ganz neue künstlerische Ansätze zu erleben, schwingt immer mit. Und außerdem ist da diese gleichfalls nicht zu unterschätzende Neugier, bislang unbekannte Orte kennenzulernen. Visual-Noise lautet der Name für Kölns jüngsten Kunstraum, eröffnet mit einer Kunst- und Musikveranstaltung, die gleich mehrere der oben genannten Kriterien erfüllte.

Die Künstlerin Agata Schubert und der Musiker Michael Hauck, Betreiber des Ateliers in einem Hinterhaus an der Sülzburgstraße 122, sind zwar längst bekannte Gestalten aus der Kölner Kulturlandschaft. Doch der Ort mit der klassischen künstlerischen Hinterhofatmosphäre war ebenso ein Ausflug ins Unbekannte wie das Programm des Abends.

Zunächst boten der Saxophonist Mathias Schubert und der Gitarrist Scott Fields im Duo freie Jazzmusik vom Feinsten für Menschen, die sich durch schrille Klänge jenseits musikalischer Harmonie nicht in die Flucht schlagen lassen. Und im Anschluss, als es bereits dunkel war, zeigten Schubert und Hauck ihr einzigartiges Performance-Konzept der Gleichzeitigkeit von Live-Musik und Live-Zeichnung.

Performance aus Musik und Malerei

Das Duo Schubert-Fields machte gleich zu Beginn klar, was Kunst überhaupt bedeutet – im musikalischen ebenso wie im bildnerischen Bereich. Man muss sich einlassen können. Das ist bekanntlich bei freien Klängen, die jenseits des gewohnten Unterhaltungswohlklangs auf die Ohren treffen, besonders schwierig. Man musste jedem einzelnen Ton folgen, ächzenden und wilden Saxophonkaskaden, schreienden und kratzenden Gitarrenlauten. Die akustisch ausgelösten Assoziationen purzelten wie vom Wind getriebene Sandkörner durch den Kopf, machten die Schreie von Nashörnern, das Ächzen der Erschöpfung und glucksende Glücksgefühle hörbar. Die explosive Kraft des Berliner Saxophonisten Matthias Schubert und die feinfühlige Ruhe des US-Gitarristen Scott Fields ergänzten einander vortrefflich.

Foto: Kisters

Besonders beeindruckten die Bewegungen des Saxophonisten in seinem Spiel. Jeder Ton mit einer Windung seines Körpers heraus gepresst, als hätten alle Klänge einen Ort ganz tief im Innern des menschliches Leibes.

Auch das Künstlerpaar Schubert-Hauck beeindruckte unter seinem Duonamen Visual Noise akustisch und visuell. Während Michael Hauck mit seinem Gitarrenspiel einen dynamischen Rhythmus vorgab, ließ Agata Schubert im schwarzen Raum mit orange gefärbten Phosphorstiften mit schellen, sicheren Strichen eine Zeichnung auf einer großen Leinwand entstehen. Bezaubernd konnten die zahlreichen Besucher den zeichnerischen Wachstumsprozess verfolgen. Das Konzept von Visual Noise ist ein unauflösbaren Wechselspiel von Klangkunst und Zeichenkunst.

Ein Kunstraum für offene Fantasie

Haucks Gitarrenspiel beflügelte unaufhörlich Schuberts Zeichnen und umgekehrt. So ließ sich im Moment der Performance nicht sagen, was zuerst war, die Klänge oder die Striche. Auch wenn Schuberts Striche manchmal innehielten, während Haucks Gitarre keine Pause kannte. Ins Offene der Fantasie hinein entfaltete Visual Noise seine Kunst. Und das ist auch das Konzept des neuen Kunstraums.

Wie es dort genau weitergeht, haben Schubert und Hauck noch nicht festgelegt. Workshops Temporäre Ausstellungen sind ebenso vorstellbar wie Lesungen und Gesprächsrunden über künstlerische Themen, die auf den Nägeln brennen oder als Themen erst noch erfunden werden wollen. Auch Zeichen-Kurse sind angedacht, vor allem im „dynamischen Zeichnen“. Denn Agata Schubert ist eine meisterliche Zeichnerin, solide ausgebildet an der Kunsthochschule im Polnischen Tarnow und an der Kunstakademie in Düsseldorf. Und um solche künstlerischen Fähigkeiten auch mit der entsprechenden Grundstimmung weiterzugeben zu können, braucht es genau solche Orte wie das Visual-Noise-Atelier.

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