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Heitere Lesung: Senta Berger, die „Unblamierbare“

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Senta Berger war am Samstagabend der Star der lit.Cologne-Lesung "Bis auf die Knochen." Foto: stefan worring
Ein Abend über die schönsten Blamagen der Weltliteratur - kann man den als Vorleserin überstehen, ohne sich selbst blamieren? Ja, Senta Berger kann das. Die Schauspielerin überstrahlte bei ihrer lit.Cologne-Lesung selbst peinlichste Textpassagen.  Von
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Köln

Eine unpassende Tischnachbarin kann das komplette Essen verderben. Sie sollte nicht zu viel reden und nicht zu wenig, auf keinen Fall dummes Zeug. Ihre Haarfarbe darf sich nicht mit der des Nebensitzers beißen, die politische Gesinnung auch nicht. Und allzu reizend sollte sie nicht aussehen – das würde nur vom Essen ablenken. Ist sie gar nicht ansehnlich, drückt sie wiederum auf den Magen.

Alfred Polgar sieht in der  Tischnachbarin das penetranteste Problem einer Tischordnung. Senta Berger las die kleine Geschichte des österreichischen Schriftstellers am Samstagabend in den Balloni-Hallen in Ehrenfeld. Die Geschichte endet mit den Worten: „Gar nicht eingeladen zu werden ist das Beste.“ Gerade beim Essen gibt es unzählige Fettnäpfchen und Peinlichkeiten.

Senta Berger, Bjarne Mädel („Stromberg“) und Moderator Jörg Thadeusz machten sich unter dem Titel „Bis auf die Knochen“ auf die Suche nach den schönsten Blamagen der Weltliteratur. Da ist Anton Tschechows Finanzbeamter, der während einer Theateraufführung dem General, der vor ihm im ersten Parkett sitzt, auf die Glatze niest. Das ist ihm so peinlich, dass er dem General tagelang auf den Geist geht, um sich zu erklären und zu entschuldigen. Doch er hätte es dabei belassen sollen, dass der General sich schimpfend die feuchte Glatze abwischt und nicht darüber reden will. Denn am Ende stirbt der arme Finanzbeamte vor lauter Schmach.

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Jörg Thadeusz stellte Senta Berger als „Die Unblamierbare“ vor und behielt Recht. Sie stellte den Kunstfurzer Joseph Pujol vor und sagte so oft „Furzen“, dass sich im Publikum rasch ein gewisser Gewöhnungseffekt einstellte, der so gar nicht peinlich war. Was aber vor allem daran lag, dass die Schauspielerin vom Schließmuskel sprechen kann, ohne rot zu werden. Mehr noch: Sie spricht so beiläufig elegant über Darmwinde, als würde sie bei einem feinen Essen über das Neueste vom Tage plaudern.

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