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Alle Informationen zum Literaturfestival, Rezensionen und zu den Autoren der 14. lit.Cologne vom 12. bis 22. März 2014.

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Lesung mit Juli Zeh: Ins Abgründige abgetaucht

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Juli Zeh stellte auf dem Literaturschiff ihren neuen Roman "Nullzeit" vor. Foto: stefan worring
Autorin Juli Zeh kam mit der Bahn eine Dreiviertelstunde zu spät in Köln an - und doch begrüßte sie ihr Publikum mit einem Lächeln. Auf dem Literaturschiff ging es dann, wie passend, ums Tauchen - dem Hauptthema von Zehs neuem Roman „Nullzeit“.  Von
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Köln

Eine Geschichte bekommen die Zuschauer auf der lit.Cologne ja oft erzählt. Die Geschichte, die Veranstalter Rainer Osnowski am Mittwochabend den Zuschauern von Juli Zehs Lesung an Bord des Literaturschiffs erzählte, stehe allerdings symbolisch für die dreizehnte lit.Cologne: die Geschichte einer Bahnfahrt von Berlin nach Köln, die wegen eines Eisblocks auf den Schienen erst einmal in Hannover endete. Die Bahnfahrt von Juli Zeh, weshalb die junge Autorin auch erst eine dreiviertel Stunde später in Köln ankam.

Überraschend gut gelaunt, mit einem Lächeln auf den Lippen und einer Sushibox in der Hand begrüßte Juli Zeh dann um Punkt 21:45 Uhr ihr Publikum. Ein paar lockere Sprüche hier, zwei, drei Witze da – Moderatorin Randi Crott wusste die Stimmung gekonnt aufzulockern und führte durch die Lesung. Sie war es auch, die mit Osnowski die knapp 45 Minuten Wartezeit zuvor überbrückte.

Eine passende Brücke fand die Moderatorin dann auch zu dem Thema, um das es an dem Abend eigentlich gehen sollte: dem Tauchen. Oder besser, dem Roman „Nullzeit“ von Juli Zeh. Ein Psychothriller um die Begegnung zweier Paare. Von Spiegel Online gelobt, von Zeit Online eher kritisch bedacht. Auf jeden Fall bewusst metaphorisch, wie die Autorin betätigte.

Mit einem ihrer Lieblingskapitel stellt Zeh dem gespannt lauschenden Publikum die Hauptpersonen ihres Romans vor. Sven, ein ehemaliger Jurist, der auf Lanzarote eine Tauchschule eröffnet hat, und dessen sonstiges Leben sich nur um eines dreht: das Raushalten. Zu dieser Passivhaltung hat sich auch seine blonde Assistentin Antje gesellt. Assistenten sind die beiden nicht nur im Beruf, sondern auch beim Sex.

Der ist bei Jola und Theo, die auf die Insel stoßen, höchst sadomasochistisch. Jola ist Schauspielerin in einer Seifenoper. Nun soll ihr endlich der große Durchbruch gelingen, mit der Rolle der „Lotte Haas“ im Spielfilm „Das Mädchen auf dem Meeresgrund“. Dazu möchte Jola von Sven das Tauchen lernen. Ihren Freund Theo, ein verkrachter Schriftsteller, nennt sie nur „den alten Mann“.  Und auch sonst ist die Beziehung der beiden eher weniger herzlich.

„Zu einem Psychothriller wird das ganze erst zunehmen. Dann nämlich, wenn die Fassade beginnt zu bröckeln und die eingestreuten Tagebucheinträge von Jola den Erzählungen von Sven widersprechen“, so Juli Zeh. Einen Schlüsselmoment stelle auch die nächste Szene dar, in die sie ihre Zuhörer mitnimmt. Ein Dinner-Abend, an dem Theo Jola ihr eigenes Versagen vor Augen führt, und Jola Sven spürbar anzieht.

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Auf die Idee mit dem Tauchen, erzählt Zeh, sei sie durch ihren Bruder gekommen. Von Haus aus, habe der das Spielen im Freien nämlich verabscheut und sich auch sonst recht wenig bewegt. Das Tauchen sei deshalb der perfekte Sport für ihn gewesen. „Man bewegt sich schier in Zeitlupe und muss dabei nicht mal sein eigenes Körpergewicht in der Gänze tragen“, erzählt Zeh, die selbst bereits seit drei Jahren taucht. „Tauchen hat auch etwas mit Trägheit zu tun. Man kann dabei nicht sprechen. Das ist für Männer oft eine Erleichterung – für Frauen eher weniger“, sagte Zeh.

Beim Tauchen lerne man als aller erstes das Verhalten bei Problemen. „Egal was ist, man versucht das unter Wasser zu regeln. Denn würde man zu schnell wieder auftauchen, hat der Körper Probleme, den Druck auszugleichen“, erklärt die Autorin. Die Nullzeit sei eben die Zeitspanne, in der das schnelle Auftauchen noch nicht lebensgefährlich ist. Trotzdem, so Zeh, müsse man nach jedem Tauchgang erst fünf bis sechs Meter unter der Wasseroberfläche verharren, bevor man wieder ganz nach oben taucht. Und diesen Moment, so die Autorin, habe sie für ihren Psychothriller als Leitmotiv vor Augen gehabt.

Ob die Figur der „Jola“ eine bewusste Ähnlichkeit mit der Autorin habe, hakte Randi Crott nach. Dabei spielte sie auf die Vornamen der beiden an. Juli Zeh lenkte ein: Jola sei unheimlich manipulativ, sie benutze das inszenierte Spiel, was es unmöglich mache ihr zu trauen. Und ja, vielleicht, so die Autorin, lebe sie selbst auf diese Weise ihre dunkle Seite aus.

„Nullzeit“, von Juli Zeh: erschienen bei Schöffling & Co. Gebundene Ausgabe für 19,95 Euro

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