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Katzen verschwunden: Sind in Lohmar Tierfänger unterwegs?

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Katzen haben einen großen Freiheitsdrang – und der kann ihnen auch schon mal zum Verhängnis werden.  Foto: dpa
Im Raum Lohmar sollen in der letzten Zeiten ungewöhnlich viele Katzen verschwunden sein. Anwohner fürchten nun, dass Tierfänger ihr Unwesen treiben. Tatsächlichen finden sich im Internet zahlreiche Seiten mit Warnhinweisen zum Haustierklau.  Von
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Gisela Dornbusch aus Breidt ist sich sicher: Sie hat die Täter gesehen. „Es waren zwei Männer mit Lieferwagen. Ich habe gesehen, wie sie etwas vom einen Fahrzeug ins andere geladen haben.“ Was genau die verdächtige Fracht war, konnte Gisela Dornbusch nicht erkennen. Doch die Breidterin ist überzeugt: Sie hat Katzenfänger bei der „Arbeit“ beobachtet. Sie meldete sich nun mit ihrer Vermutung beim „Rhein-Sieg-Anzeiger“.

En Masse sollen die Stubentiger im November aus dem Lohmarer Ortsteil verschwunden sein. Anwohnerin Tanja Glassen hat einen besonders herben Verlust zu beklagen: Gleich drei ihrer pelzigen Hausgenossen sind zu ungefähr demselben Zeitpunkt im letzten Jahr verschwunden: Zwei am 16. November, eine am 23. Am 25. November fehlte plötzlich jede Spur vom Tier einer Nachbarin. Dahinter stecken Katzenfänger, ist auch Glassen überzeugt. „Vorher wusste ich gar nichts von dem Thema, aber ich habe mich im Internet informiert“, berichtet sie.

Tatsächlich finden sich im World Wide Web Hunderte von Seiten mit Warnhinweisen vor skrupellosem Haustierklau. Angeprangert werden Männer, die mit Lieferwagen – meist mit ausländischen Kennzeichen – unterwegs sein sollen, getarnt als Altkleiderdienste. Mit Duftstoffen oder Futter, so der Verdacht, würden die Samtpfoten angelockt und verschleppt. Was steckt dahinter?

Laut der von einem Privatmann betriebenen Internetseite „www.haustierdiebstahl-in-deutschland.de“ gehen Katzenfänger in diesen Wochen verstärkt in Königswinter und Siegburg, in Eitorf, Lohmar und Niederkassel auf Raubzug. Bei der Polizei im Rhein-Sieg-Kreis wurden in den letzten Monaten indes keine einschlägigen Anzeigen erstattet, berichtet Sprecherin Renate Braun.

Laut Andrea Thümmel, Sprecherin des Haustiersuchdienstes Tasso, konnte die Existenz organisierter Fängerbanden bislang weder bewiesen noch widerlegt werden. Erwischt oder gar verurteilt wurden Verdächtige noch nie, obschon sie höchst aktiv sein sollen. Ein möglicher Grund könnte sein, dass Zeugen bislang nie Anzeige erstattet, Fotos gemacht oder die Kennzeichen der verdächtigen Fahrzeuge notiert haben.

Auch Gisela Dornbusch aus Breidt sagt rückblickend: „Ich habe die Männer gesehen und mir nichts dabei gedacht. Erst als ich gehört habe, dass plötzlich so viele Katzen bei uns verschwunden sind, da habe ich geschaltet.“
Ein anderer möglicher Grund könnte sein, dass die Vierbeiner anderswie verschwinden. Aber wie? Laut Tasso-Expertin Andrea Thümmel gehen die eigenwilligen Mini-Tiger gerne mal eigene Wege. „Wir haben Katzen schon nach Jahren zurückvermitteln können. Die hatten sich in dieser Zeit einfach eine andere Familie gesucht.“ Auf ihren mehr oder weniger unfreiwilligen Abwegen werden die vierbeinigen Delinquenten oft von hilfsbereiten Mitbürgern eingesammelt und im Tierheim abgeliefert. Allein das Tierheim Troisdorf beherbergt aktuell rund 100 Samtpfoten, berichtet Sprecherin Bettina Ziegler. „Es kommt sehr häufig vor, dass sie gefunden werden. Es gibt außerdem sehr viele verwilderte Hauskatzen im Rhein-Sieg-Kreis“, sagt Ziegler.

Und wer sich einmal auf Wanderschaft befindet, der lebt erst recht gefährlich: Laut Landesjagdgesetz sind Jäger berechtigt, Katzen zu erschießen, die im Jagdbezirk in einer Entfernung von mehr als 200 Metern vom nächsten Haus angetroffen werden. So soll verhindert werden, dass die kleinen Räuber in Heerscharen ihre Krallen in Vogelbrut oder junge Wildtiere schlagen.

Schätzungen zufolge werden in Deutschland immerhin über acht Millionen Hauskatzen gehalten. Nach Angaben der Unteren Jagdbehörde im Rhein-Sieg-Kreis wurden im Jagdjahr 2011/12 genau 97 von ihnen getötet. Darunter sind auch einige erfasst, die entweder dem Straßenverkehr oder einem anderen Raubtier zum Opfer gefallen sind. Überhaupt, die Autos: Auch sie haben schon so manchen Stubentiger ins Jenseits befördert.

Viele betroffene Katzenhalter sind hingegen überzeugt, ihre Hausgenossen würden für Versuchslabors oder die Pelzindustrie verschleppt. Laut Tasso-Sprecherin Andrea Thümmel ist auch dieses Gerücht weder bewiesen noch widerlegt. Fakt sei: Labors züchten ihre eigenen Versuchskatzen. Das gehe schneller, billiger, und vor allem bildeten die Tiere eine gesunde, homogene Gruppe, die im Gegensatz zu bunt zusammengewürfelten Artgenossen vergleichbare Testergebnisse liefert. Auch die Pelzindustrie findet Thümmel als Auftraggeber wenig plausibel: Katzen- und Hundefelle könnten zu Spottpreisen in Asien erworben und ganz legal nach Deutschland importiert werden.

Die Vierbeiner zu fangen, wäre zudem in den mutmaßlichen Herkunftsländern der Täter, nämlich Süd- oder Osteuropa, erheblich einfacher, weil dort Abertausende herrenloser Streuner die Straßen bevölkern.
Der Tierschutzbund hält die Erklärung für wahrscheinlicher, dass Tierquäler Miezen in ihrer Umgebung den Garaus machen. Das „könnte die regionale Häufung des Verschwindens erklären. In Einzelfällen konnte die Kriminalpolizei in solchen Fällen erfolgreich ermitteln“, so der Tierschutzbund im Internet. Eine Anzeige könnte sich also durchaus lohnen, wenn – wie in Breidt – plötzlich auffallend viele Katzen verschwinden.

Mehr Infos geben die Verbände auch im Internet:
www.tasso.net
www.tierschutzbund.de

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