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Franz-Josef Wernze: „Es gibt eine Menge aufzubauen“

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Konzentrierte Arbeit am Ball: Franz-Josef Wernze  Foto: Rainer Dahmen
Franz-Josef Wernze, Sponsor der Fußball-Regionalligisten FC Viktoria Köln, spricht im Interview mit Oliver Löer über die Hinrunde der Höhenberger, den Trainerwechsel und die Perspektiven des ambitionierten Klubs.
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Herr Wernze, am Samstag hat der FC Viktoria Köln im großen Stil Weihnachten gefeiert. Was haben Sie geschenkt bekommen?

FRANZ-JOSEF WERNZE: Von einer Weihnachtsfeier würde ich eigentlich gar nicht sprechen. Es war eher ein erstes Familientreffen unserer neuen Viktoria. Ein Geschenk habe ich bekommen, und zwar ein ganz tolles Bild von unserer Jugendabteilung. Darüber habe ich mich sehr gefreut.

In den vergangenen Wochen war von Besinnlichkeit wenig zu spüren: Trainerwechsel, Verlust der Tabellenführung und murrende Spieler. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

WERNZE: Wer den Fußball kennt, weiß auch, dass es sich nicht immer um Harmonie und Freundschaft drehen kann. Es kann doch bei einer Saison von 38 Spielen niemand im Ernst erwarten, dass sich immer alle liebhaben, das gibt es weder bei Bayern München noch bei uns. Ich habe die vergangenen Wochen eher als einen Quell gewinnender Diskussionen erlebt, die uns in unserer Entwicklung weitergebracht haben.

Die verbunden waren mit dem Ende der Trainer-Ära von Heiko Scholz.

WERNZE: Das würde ich so nicht sagen. Man muss Heiko Scholz attestieren, dass er bei uns hervorragende Arbeit geleistet hat. Wir haben allen Grund, ihm dafür zu danken. Dass am Ende vielleicht nicht mehr alles gut war, bezeugt ja auch die Tatsache, dass die sportliche Leitung nicht gezögert hat, sein Rücktrittsgesuch zu akzeptieren.

In der Öffentlichkeit wurde der Trainerwechsel äußerst harmonievoll dargestellt. Können Sie diesen Eindruck so bestätigen?

WERNZE: Definitiv. Bei uns ist alles absolut harmonisch abgelaufen. Ich habe mit Heiko Scholz letzte Woche zusammen beim FC gegen Eintracht Braunschweig auf der Tribüne gesessen, und wir haben uns ganz lieb unterhalten. Das zeugt doch auch davon, dass wir weiterhin guten Kontakt haben.

Dennoch ist es ungewöhnlich, dass ein Trainer geht, der mit seiner Mannschaft Erster ist.

WERNZE: Heiko Scholz hat doch auch gespürt, dass zuletzt nicht mehr alles rund lief. Dafür ist er viel zu lange in diesem Geschäft tätig. Vielleicht brauchten wir gerade zu jenem Zeitpunkt einen Wachrüttler, der dazu führt, dass auch Spieler aus der zweiten Reihe Oberwasser bekommen. Es hat ja auch funktioniert, wie das 3:2 bei Bayer Leverkusen II vor zehn Tagen eindrucksvoll bewiesen hat.

Wo liegen die Unterschiede zwischen Heiko Scholz und dem neuen Trainer Wolfgang Jerat – persönlich und fußballerisch?

WERNZE: Scholz hat es in den letzten Jahren immer vortrefflich verstanden, das Umfeld mitzunehmen. Das war eine seiner herausragenden Eigenschaften. Vielleicht war er im Gegensatz zu Wolfgang Jerat aber gerade zu einigen älteren Spielern manchmal zu wenig fordernd. Unser neuer Trainer schert sich auf Deutsch gesagt einen Dreck darum, und es ist gut für eine Mannschaft, so etwas im Hinterkopf zu haben. Herr Jerat ist der Mann, der uns am besten weiterhelfen kann – das haben mir alle im Verein bestätigt. Ende April werden wir uns mit ihm an einen Tisch setzen und schauen, ob er auch in der nächsten Saison der Richtige für uns sein wird.

Der Einstieg von Wolfgang Jerat war nicht besonders vielversprechend: Eine 1:3-Niederlage im Derby gegen Fortuna. Wurmt Sie die Niederlage gegen den Rivalen aus der Südstadt?

WERNZE: Eigentlich nicht. Der Sieg von Fortuna war verdient, weil er der Form beider Teams an diesem Tag entsprochen hat und wir nicht gut aufgetreten sind. Danach hat bestimmt keine Weltuntergangsstimmung geherrscht.

Dabei hatten Sie doch ursprünglich vor, an jenem Tag mit Ihren Kindern Kaffee trinken zu gehen.

WERNZE (lacht): Wenn im Vorfeld Krawalle zu erwarten gewesen wären, hätte ich das wohl auch gemacht. Aber zum Glück ist es ja ruhig geblieben.

Kürzlich wurde der Drittliga-Aufstieg als Ziel ausgegeben. Im Sommer hatten Sie geäußert, unter die ersten fünf kommen zu wollen. Woher rührt dieser Sinneswandel?

WERNZE: Die neue Regionalliga West war ja eine Wundertüte, und keiner wusste genau, wie stark die Mannschaften sind. Nun haben wir die Hinrunde absolviert und sind alle ein wenig klüger geworden. Ich schätze die Spielstärke der Mannschaften sehr hoch ein und denke schon, dass sechs bis sieben Teams um den Aufstieg mitspielen werden. Unsere Spieler sind sehr gut, dass wir an der Spitze mitmischen möchten, ist kein Geheimnis. Wenn am Ende der Aufstieg steht, wäre das natürlich Weltklasse – falls Plan B, also ein weiteres Jahr Regionalliga, einträfe, ginge die Viktoria aber auch nicht unter, und wir würden es erneut versuchen.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung der Mannschaft?

WERNZE: Im Nachhinein muss man schon erkennen, dass wir am Anfang die für uns günstigen Spiele hatten, wo der ein oder andere schon gedacht hatte, dass es so weiterlaufen würde. Dass es so einfach nicht ist, haben wir danach ja gesehen.

Sie haben stets betont, das Sponsoring der Viktoria müsse auf breitere Füße gestellt werden. Wie sehen Sie in diesem Bereich die Entwicklung?

WERNZE: Ich bin sehr zufrieden. Der größte Impuls in dieser Hinsicht geht sicher von unserem Präsidenten Günter Pütz aus. Er ist der Kontaktmacher, der dafür sorgt, dass wir in großer Breite Mitglieder und Sponsoren dazugewinnen. Er ist jemand, der ständig für Unruhe sorgt – im positiven Sinne.

Wohin führt der Weg von Viktoria Köln in den nächsten Jahren, und wie lange wollen Sie sich diesem Projekt noch verschreiben?

WERNZE: Diese Frage habe ich mir so eigentlich noch nie gestellt. Mir macht es riesige Freude, Viktoria Köln in dieser Phase zu begleiten. Natürlich wird man sich irgendwann einmal fragen: »Wem soll ich die Viktoria nun in die Hände legen?« Diese Grenze ist für mich aber überhaupt noch nicht erreicht. Im Verein gibt es noch eine Menge aufzubauen, vor allem die Entwicklung unserer Jugendabteilung liegt mir sehr am Herzen.

Es ist kein Geheimnis, dass Sie dem 1. FC Köln sehr nahe stehen und auch Mitglied des Verwaltungsrats sind. Welchem Verein fühlen Sie sich im Herzen näher? Der Viktoria oder dem FC?

WERNZE: Ich hatte in den vergangenen Jahren immer Platz für zwei Vereine in meinem Herzen. Das waren Germania Windeck und der 1. FC Köln. Auf diesen Ebenen spielt sich das emotional auch weiterhin ab, Windeck bin ich als Hauptsponsor ja immer noch sehr verbunden. Aber auch die Liebe zur Viktoria ist erwacht, und der Appetit kommt ja beim Essen.

Wie beurteilen Sie die kürzlich verabschiedete neue Satzung des 1. FC Köln, die ja auch zu Veränderungen im Verwaltungsrat führen wird?

WERNZE: Den Verwaltungsrat wird es gemäß der neuen Satzung so ja gar nicht mehr geben. Ich denke nicht, dass ich mich als Kandidat für den neuen Mitgliederbeirat aufstellen lassen werde, auch andere Kollegen des aktuellen Verwaltungsrats werden diesen Weg mit Sicherheit gehen. Was ich aber ohne Zweifel sagen kann, ist, dass ich Mitglied und natürlich auch Fan des 1. FC Köln bleiben werde.

Das Gespräch führte Oliver Löer

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