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FVM-Pokal: Alemannia bangt um die Existenz

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Der Aachener Platzwart Paul Classen (l.) und Stadion-Hausmeister Horst Krause Foto: Kämpf
Alemannia Aachen, Fortuna Kölns Endspielgegner im Mittelrhein-Pokal, bangt um die Existenz. Bestenfalls wird der Traditionsverein in der kommenden Saison in der Regionalliga spielen. Das Endspiel gegen Fortuna präsentiert ksta.de in einem Livestream.  Von
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Aachen

Am Donnerstag durften Platzwart Paul Classen und Stadion-Hausmeister Horst Krause noch einmal ein bisschen träumen. Sportdirektor Uwe Scherr hatte in einem Interview die Rückkehr von Torsten Frings nach Aachen in Aussicht gestellt. Doch der Nachricht folgte keine 24 Stunden später das Dementi. Frings stellte klar, nicht mehr für ein Engagement bei Alemannia Aachen zur Verfügung zu stehen. Scherrs Plan, den 79-fachen Fußball-Nationalspieler an dessen alte Wirkungsstätte zurückzuholen, war schon wieder Geschichte, der Traum von Hausmeister Krause und Platzwart Classen geplatzt. Frings bleibt, was er ist. Ein Teil der glanzvolleren Zeit am Aachener Tivoli.

Doch alle, für die der Aachener Traditionsverein mehr als nur der liebste Fußballklub ist, haben genau wie Scherr in diesen Tagen sowieso ganz andere Sorgen als das geplatzte Comeback eines Ex-Profis. „Wir wissen nicht, wie es hier weitergeht“, sagt Krause, der „seinen“ Klub stets mit sich trägt – als silbernen Ohrring in Form des Alemannia-Wappens.

Die Sorgen sind begründet. Im Herbst musste der Klub bekennen, in argen finanziellen Problemen zu stecken. Am 16. November beantragte die Alemannia Aachen GmbH ein Insolvenzplanverfahren. Wirtschaftsprüfer waren bei dem Drittligisten auf eine Liquiditätslücke in Millionenhöhe gestoßen. Immerhin die Meisterschaft in der Dritten Liga spielte der Klub zu Ende, ohne in die Insolvenz zu gehen. In Folge der prekären Situation des Vereins verließen aber schon im Winter einige Spieler den Klub. Zurück blieb ein Team, das nicht konkurrenzfähig war und abstieg.

Fortuna Köln

Fortuna Kölns Trainer Uwe Koschinat erwartet vor dem Pokalfinale zwischen seinem Regionalligisten und dem Drittliga-Absteiger aus Aachen „ein Duell auf Augenhöhe.“ Außerdem werde die Partie „eine absolute Materialschlacht.“

Angeschlagen sind Mittelfeldspieler Lukas Nottbeck und Stürmer Thiemo-Jérôme Kialka. Während Nottbeck eine schwere Erkältung plagt, bekam Kialka beim 1:3 gegen Mönchengladbach II einen Schlag aufs Sprunggelenk. (ckr)

Was nun aus dem hoch verschuldeten Klub wird, der noch vor wenigen Jahren in der Ersten Liga und im Europacup spielte, ist offen. Sicher ist, dass erneut viele Spieler gehen werden. Auch Trainer René van Eck sitzt am Mittwoch beim FVM-Pokalfinale in Bonn letztmals auf der Aachener Trainerbank. Bleiben wird – zumindest nach jetzigem Stand – Scherr, der nun hofft, dass es irgendwie weitergeht. Bestenfalls wird in Zukunft im schmucken, 2009 eröffneten Tivoli-Stadion Regionalliga-Fußball zu sehen sein. Zum ersten Mal in der 113-jährigen Vereinsgeschichte wäre der Klub dann in der Viertklassigkeit zu Hause.

Einen möglichen künftigen Gegner in der Regionalliga können Scherr und die übrigen Verantwortlichen am Mittwoch unter die Lupe nehmen: Fortuna Köln. Damit stehen sich im Endspiel zwei Klubs gegenüber, die nicht nur im Westen der Republik Fußballgeschichte geschrieben haben. Aachen, die Nummer eins der ewigen Tabelle der Zweiten Liga, trifft auf die Nummer zwei. Und noch in einer anderen Rangliste ist die Alemannia weit vorne platziert: Trotz der enttäuschenden Saison wollten im Schnitt fast 12 000 Fans die Heimspiele am Tivoli sehen – nur Aufsteiger Karlsruher SC stieß in der Dritten Liga auf ein größeres Zuschauerinteresse. Kein Wunder also, dass auch Scherr beim Gedanken an das Endspiel die Anhänger seines Klubs in den Sinn kommen: „Diese Partie ist zweifellos eine gute Gelegenheit für die Mannschaft, sich bei den Fans für die tolle Unterstützung während dieser schwierigen Saison zu bedanken.“ Zudem sind die Einnahmen, die dem Verbandspokalsieger im nationalen Cup winken, für Aachen immens wichtig.

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In der Partie im Sportpark Nord dürfte die Alemannia auf ein junges Team setzen. Schon in den letzten Meisterschaftsspielen ließen der kleine Kader und einige verletzungsbedingte Ausfälle van Eck keine andere Wahl. „Sicherlich werden wieder viele junge Spieler auflaufen. Fortuna Köln kann dagegen auf eine eingespielte und routiniertere Mannschaft setzen. Daher gibt es keinen Favoriten, auch wenn wir bislang eine Liga höher gespielt haben“, sagt der Trainer. Immerhin Sportdirektor Scherr hat reichlich Pokal-Erfahrung. Der 46-Jährige gewann den Wettbewerb 1990 mit Kaiserslautern dank eines 3:2-Erfolgs gegen Werder Bremen.

Horst Krause und Paul Classen wären schon mit dem Gewinn einer bescheideneren Trophäe glücklich. „Der Sieg gegen die Fortuna und die Teilnahme am DFB-Pokal wären für alle hier wichtig“, sagt Krause. Noch sind also auch in Aachen nicht alle Träume geplatzt.

Das Pokal-Endspiel präsentiert ksta.de ab 19 Uhr in einem Livestream.

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