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Fussball-Regionalliga: Schacht bleibt, Spieler gehen

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Dietmar Schacht, Trainer des SV Bergisch Gladbach 09 
Bergisch Gladbachs Trainer Dietmar Schacht verlängert seinen Vertrag bis 2015 und treibt den Umbruch voran. Dem Coach des Regionalliga-Absteigers soll in der Mittelrheinliga eine schlagkräftige Mannschaft zusammengestellt werden.  Von
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Bergisch Gladbach

Das Überlegen, das Warten, das Abwägen ist beendet. Dietmar Schacht hat sich entschieden, seinen Vertrag beim Fußball-Regionalligisten nicht nur zu erfüllen. Er hat ihn sogar um ein Jahr bis 2015 verlängert. Vor dem letzten Meisterschaftsspiel gegen Viktoria Köln (Samstag, 14 Uhr, Belkaw Arena) ist klar, dass die Bergisch Gladbacher in die Mittelrheinliga absteigen werden. Dort will Schacht nun einen Neuaufbau starten. „Ich fühle mich hier wohl. Deshalb habe ich habe mich zu diesem Schritt entschlossen. Es ist eine Herausforderung, eine neue Mannschaft zu formen“, sagte Schacht. Aber was bedeutet das für den Verein?

Der Versuch einer Einordnung:

Dietmar Schacht hat seinen Vertrag vorzeitig um ein Jahr bis 2015 verlängert. Warum macht er das trotz des Abstiegs?

Schacht betont, dass Bergisch Gladbach für ihn eine Herzensangelegenheit ist. Fußballer sagen gerne solche Sätze. Aber offenbar muss ihm tatsächlich etwas an dem Verein liegen. Anders ist es nicht zu erklären, dass er nach eigener Aussage einem Drittligisten und einem Oberligisten abgesagt hat. Man darf jedoch auch nicht vergessen, dass elf wichtige Spieler den Verein verlassen werden. Außerdem fällt in diesem Sommer die Mannschaftstour nach Mallorca aus – beim Klassenerhalt hätte der Verein die Kosten übernommen, bei Abstieg nicht. So geht es für einen Teil in die Niederlande.

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Warum gehen so viele Spieler weg?

Ein Umbruch nach einem Abstieg ist nicht ungewöhnlich. Für Bergisch Gladbacher Verhältnisse ist diese Abwanderungswelle jedoch schon auffällig. Einige Spieler flüchten vor Schacht, das ist kein Geheimnis. Andere bleiben nur wegen ihm. „Reisende soll man nicht aufhalten“, sagt Schacht. „Wer mit dem Herzen nicht dabei ist, den brauchen wir auch nicht.“ Als am Montagabend Fabian Heinen, Rachid Eckert und Ricardo Retterath um einen weiteren Aufschub für ihre Entscheidung gebeten haben, ist Schacht der Kragen geplatzt: „Wir sind kein Kirmesverein. Ich lasse mir nicht auf der Nase herumtanzen. Wir hatten den Termin festgelegt, dann steht der auch.“ Die Folge: Eckert, Retterath und Heinen können sich einen neuen Klub suchen.

Was bedeutet es genau, dass einige Spieler vor Schacht flüchten?

Nun ja, sagen wir es vorsichtig so: Nicht jeder kommt mit der dominanten Art des Trainers zurecht. Andere dafür umso besser. So ist es in jedem guten Fußballverein. Bei Schacht sind die Gegensätze zwischen Sympathie und Antipathie manchmal etwas ausgeprägter. Seine Ansprüche sind oft sehr hoch. Für manche zu hoch?

Wie will Schacht elf Abgänge auffangen?

In seiner typischen Art: Er lässt seine Kontakte spielen, er lädt eine Menge Testspieler zum Probetraining ein. Die besten wird er verpflichten wollen. Stürmer Andre Peters kommt vom TuS Marialinden, Julian Kapitza (1.FC Wülfrath) hat ebenfalls unterschrieben. Der 23-jährige Innenverteidiger hat vorher unter anderem für die Sportfreunde Siegen gespielt. Zudem kommen Lars Wessel (Fortuna Köln) und Andre Kreuer (VfL Leverkusen). Vom Lüneburger SK stößt Yannis Büge zum Kader. 13 Spieler stehen nun unter Vertrag. Bis Anfang nächster Woche sollen drei bis vier weitere dazu kommen. Der Kader nimmt also langsam Gestalt an.

Was ist dann möglich?

Eine Voraussetzung für die Unterschrift unter seinen neuen Vertrag war unter anderem, dass der Verein ihm eine schlagkräftige Mannschaft zusichert. Schacht will im ersten Jahr konstant unter den ersten fünf der Mittelrheinliga stehen. Im zweiten soll die Rückkehr in die Regionalliga gelingen. Es gibt allerdings ein Problem: Der sowieso nicht üppige Etat muss erneut drastisch reduziert werden. Das ist keine gute Voraussetzung, um ein Spitzenteam zu formen. Schacht muss aus wenig viel machen.

Hat Schacht auch deshalb so lange gezögert mit seiner Unterschrift?

Natürlich. Schacht hat keine Lust, um den zehnten Platz in der Mittelrheinliga zu spielen. Das entspricht nicht seinem Anspruch. Ein anderer Grund dürfte aber auch das neue Präsidium sein. Offenbar wollte der eine oder andere sich in Schachts Entscheidungen einmischen. Das ist für ihn fast eine Majestätsbeleidigung. „Wir haben alle Probleme beseitigt. Ich weiß jetzt, mit welchem Etat ich planen kann. Nun kann ich meine Idee wieder umsetzen“, sagt Schacht. Er hat wieder absolute Entscheidungsfreiheit. Schacht ist Trainer und Sportdirektor in einer Person. Solange er das Budget nicht sprengt, muss er niemandem Rechenschaft abgeben. Es ist durchaus riskant von den Verantwortlichen, alles aus der Hand zu geben.

Heißt die Vertragsverlängerung bis 2015 jetzt wirklich, dass Schacht auch so lange bleibt?

Das kann niemand seriös vorhersagen. Schacht hat bei seinen vorherigen Stationen gezeigt, dass er in jeder Hinsicht konsequent ist. Er ist sicher nicht der Typ, der schnell aufgibt. Aber wenn ihm etwas nicht passt, kann das Ende manchmal ziemlich überraschend kommen. Es wird spannend, wie die Zusammenarbeit mit dem neuen Präsidium funktioniert.

Welchen Eindruck macht das Team um Präsident Patrick Duske bislang?

Sie arbeiten unauffällig. Aber es gibt innerhalb des Vereins ziemlich kritische Stimmen. Der Start war auf jeden Fall nicht einfach. Das jedoch war das neue Präsidium teilweise auch selbst Schuld, weil es öffentliche Aussagen vermied. Duske und seine Kollegen werden sich an ihrer Arbeit in den nächsten Monaten messen lassen müssen. Werden neue Sponsoren gefunden? Kann der Etat mindestens gehalten werden? Bleibt die erste Mannschaft das Aushängeschild des Klubs? Reicht die sportliche Fachkompetenz?

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