24.07.2016
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Lückenschluss: Über den Balkan ins Bergische

Schöne Aus- und Einblicke vom asphaltierten Weg aus – die Balkantrasse beginnt in Opladen.

Schöne Aus- und Einblicke vom asphaltierten Weg aus – die Balkantrasse beginnt in Opladen.

Foto:

Ralf Krieger

Leverkusen -

Die kleinen Dampflokomotiven, die vor 130 Jahren Züge von Opladen über Burscheid nach Remscheid-Lennep ins Bergische Land ziehen mussten, waren ziemlich schwach. Sie bewältigten nur geringe Steigungen, weshalb die Ingenieure die engen Täler mit Brücken überspannten. Oder sie ließen Dämme aufschütten, in Berge schnitten sie Tröge. Die Arbeiter leisteten damals harte Arbeit, von der heute Radfahrer profitieren können. Denn auf der alten Trasse liegt – just eröffnet – der frisch asphaltierte „Balkanradweg“. Er verbindet das Rheinland via Leverkusen-Opladen (am besten dort unweit des Bahnhofs an der Dechant Krey-Straße starten) mit dem Bergischen Land und den Radwegen auf vielen anderen früheren Bahnstrecken. Rundtouren über den Ruhrtal-, den Ruhr-Sieg-, den Siegtal- und den Rheinradweg sind nun möglich.

Nicht ganz klar ist, woher der Name „Balkan“ kommt. Schon die Eisenbahn wurde Balkanexpress genannt – vermutlich, weil dem Rheinländer die Fahrt in die Berge wie eine Tour durch den wilden Balkan vorkam. Fast komplett beschattet von meist sehr alten Eichen führt der Weg an Feldern entlang, er bietet weite Blicke aufs Land, weshalb man auch Panoramaradweg sagt. Es geht über 100 Jahre alte Bruchsteinbrücken, vorbei an ehemaligen Bahnhöfen, durch Dörfer, entlang an Hangkanten. Ehe man's gemerkt hat, sind 200 Meter Höhe überwunden. Vereinzelt stehen noch die alten Telegraphenmasten und Schilder aus der alten Eisenbahn-Zeit.

Zu Christi Himmelfahrt wurde das letzte, wichtige Stück des großen Radwegenetzes eröffnet: Der 5,3 Kilometer lange Leverkusener Balkanradweg bildet die Verbindung des Radnetzes ans Rheinische Flachland. Die Besonderheit: Das schöne Stück überregionaler Infrastruktur wurde allein durch ehrenamtliche Arbeit eines Fördervereins, mit privaten Spenden und mit Geld vom Land gebaut. Die Stadt Leverkusen, notorisch knapp bei Kasse, musste nichts beisteuern.

Zäh war die Überzeugungsarbeit, die der Verein „Balkantrasse“ bei Lokalpolitikern und Anliegern vor der Verwirklichung des Radwegs leisten musste. Die waren anfangs nicht begeistert davon, dass bald Tausende Radler an ihren Grundstücken vorbeifahren würden. Heute schätzen viele den Weg sogar: Sie öffnen ihre Gartentor und haben Anschluss an die Radtrasse.

Immerhin: Bei den schwierigen Grundstücksverhandlungen mit der Bahn AG half die Stadt. Alles diente einzig dem Ziel, 5,3 Kilometer stillgelegte Bahnstrecke, umgewidmet als Radweg, wieder zu eröffnen, ein Stück alte öffentliche Infrastruktur nicht aufzugeben. Die letzte Eisenbahn, ein mit Akkus angetriebener Triebwagen, fuhr 1991 auf der Kursbuchstrecke 411. Gegen den Widerstand der Bevölkerung legte die Bahn zu dieser Zeit viele Verbindungen still, die – zum Teil arg vernachlässigt – Verluste einfuhren oder kaum Gewinne einbrachten.

Das wohl längste Grundstück Leverkusens, bald ohne Gleise, verwilderte zusehends. Es diente manchem als Grünschnitt-Platz und Landwirten als Schotter- und Holzquelle. Knapp 16 Jahre nach dem letzten Zug entwidmete die damalige CDU-FDP-Landesregierung die Eisenbahnstrecke, die immer noch der Bahn gehörte. Hatte man sich bis dahin offen gehalten, dort wieder Züge fahren zu lassen, drohte die Zerstückelung der Strecke. Aber schon länger war ein Radweg im Gespräch, wie ihn andere Bergische Städte verwirklicht hatten (Wuppertal und Solingen).

Der Balkanexpress ist tot, hieß es lange aus der Politik. Noch 2008 lehnte der Leverkusener Rat aus Angst vor den Kosten den Bau der Strecke ab. Aber der Wille der Radfans war stärker: 2010 gründete sich der Förderverein, dann ging es Schlag auf Schlag, Brücken wurden saniert, Hunderte Bäume gestutzt, bis im Winter 2014 das vier Meter breite Asphaltband auf den Schotter gewalzt wurde. Gute Fahrt!

www.balkantrasse.de

www.panorama-radwege.bahntrassenradeln.de


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