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Inszenierung: Ganz große Oper um den Papst

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Gläubige warten auf dem Petersplatz. Foto: AFP
Ein ganz schönes Theater, diese Papstwahl: Die Kölner Operindenantin Birgit Meyer spricht von einem beeindruckendem Inszenierungs-Ritual, Stefan Bachmann, Schauspielintendant in spe, von einem Widerspruch. Eine Analyse.  Von
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Die Papstwahl ist vieles, aber selbstredend auch dies: große Inszenierung, großes Theater, große Oper. Was die visuelle Versinnlichung des Spirituellen, von Glaubenswahrheiten und -geheimnissen anbelangt, ist die katholische Kirche seit jeher - das gestehen auch viele ihrer Kritiker zu - schier unübertroffen. Obwohl gerade die Bestimmung des obersten Hirten gleichsam um ein schwarzes Loch kreist und sich besagter Versinnlichung entzieht: Das Konklave findet unsichtbar, hinter vollständig verschlossenen Türen statt.

Theater vor großem Publikum und vor dem prächtigen Bühnenbild des Petersdoms ist nicht die Sache selbst, sondern ihr Resultat: das Rauchsignal, die Bekanntgabe, der akklamative Jubel. Wenn man so will, wird der Petersplatz dann tatsächlich zur "Meistersinger"-Festwiese.

Schauspiel- und Opernexperten zollen jedenfalls den Inszenierungsqualitäten des katholischen Großereignisses großes Lob. Kölns Opernintendantin Birgit Meyer etwa spricht von einem "höchst beeindruckenden Ritual": "Man sieht im Fernsehen die Massen auf dem Petersplatz und weiß ja zugleich, dass die ganze Welt angeschlossen ist. Es gibt weniges, was in diesem Maße alle Menschen beschäftigt."

„Man weiß in der Kirche, was einen erwartet"

Und da sei "natürlich der Ort, der für sich genommen schon diese Aura hat, der Erinnerungen und Assoziationen hervorruft". Und der Moment, "der diese wahnsinnig lange Geschichte hinter sich hat". Im Übrigen sei die Begegnung, die Interaktion von Publikum und "Bühnenpersonal" tatsächlich vergleichbar: "Zuschauer - ganz gleich, ob auf dem Petersplatz oder im Opernhaus - und Akteure treffen eine Verabredung: Auf der Bühne wird etwas dargeboten, und das Publikum reagiert."


Foto: dpa

Beim Besuch des kirchlichen Gottesdienstes sei es im Wesentlichen ja auch nicht anders: "Der rituelle Rahmen steht. Man weiß in der Kirche wie im Theater im Prinzip, was einen erwartet. Dass es schöne Kostüme beziehungsweise Gewänder geben, dass es hier Weihrauch, dort Bühnennebel geben wird, dass man eintauchen, sich auf das Geschehen einlassen muss oder doch zumindest kann." Diesbezüglich biete die katholische Kirche ja auch "deutlich mehr" als die evangelische.

Nicht zufällig ist "Ritual" ein Schlüsselwort in Birgit Meyers Parallelbeschreibung von Papstwahl und Theaterabend. Und dieser Begriff ist für sie durchaus positiv besetzt: "Ja, man braucht solche Zonen einer Verlässlichkeit, die zeitenthoben und unumstößlich sind - ganz gleich, ob man damit nun im Einzelnen übereinstimmt oder nicht."

So anachronistisch wie möglich

Wenn das alles nicht mehr da wäre? "Dann müsste man neue Formen und Institutionen finden." Ist die Protestantin Meyer neidisch auf das katholische Ritual? "Nein, es ist halt dieser eine Papst für die ganze Welt." Im Übrigen, gesteht die Kölner Intendantin, sei sie selbst zunächst katholisch getauft und erst mit sechs dann umgetauft worden: "Ich bin irgendwie in beiden Konfessionen zu Hause."

#biimage

Stefan Bachmann, Kölns kommender Schauspielintendant, hat in dieser Spielzeit in Zürich das erste Buch Mose auf die Bühne gebracht. In der Sache fühlt er sich - als konfessionsloser Schweizer - jedoch zwiegespalten: "Auf der einen Seite möchte ich die Kirche darin bestätigen, sich so anachronistisch wie möglich zu inszenieren, also mystisch und mittelalterlich. Dieses Althergebrachte der Inszenierung erweckt ja ein Gefühl von zeitloser Ernsthaftigkeit und Gültigkeit, also bitte nichts Modernes!"

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Andererseits sei der Vatikan immer auch eine effiziente Firma gewesen. Und da müsse man sich dann schon fragen, wie sich diese Inszenierung mit einer Institution decke, die das Seelenheil predigt und gleichzeitig in vielerlei Hinsicht wie ein moderner Betrieb funktioniert.

"Vielleicht muss man als Gläubiger aber auch diesen Widerspruch aushalten", überlegt Bachmann. "Das ist wie mit der katholischen Doktrin: Man soll nach deren Vorgaben leben, im Alltag funktioniert das aber oft nicht - und deswegen ist die Vergebung der Sünden schon von vorneherein vorgesehen. Dialektisch gesagt: Die Kirche ist eine Firma, deren Überlebenschancen durch möglichst veraltete Inszenierungen wachsen. Anders als bei mir am Schauspiel Köln!"

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