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Freilichtmuseum: Schneller Ersatz für 300 Artisten

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Die neuen Artisten von Robert Birk beim Kutschenziehen. Foto: Stephan Everling
Der Flohzirkus von Robert Birk ist eine der Hauptattraktionen des Jahrmarkts anno dazumal im Freilichtmuseum Kommern. Doch die Tiere überlebten die Reise dorthin nicht. Die Lösung kommt jetzt von der Heinrich-Heine-Universität.  Von 
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Mechernich-Kommern

Der Tod eines Zirkusartisten ist den Medien immer mehr als eine Meldung wert. Und wenn es gleich 300 sind, und der Zirkus kurz vor einem wichtigen Jahrmarkt komplett ohne Personal da steht, rauscht es im Blätterwald. Auch wenn es sich nur um einen Flohzirkus handelt.

„Gerade hat BBC London angerufen und gefragt, ob es sich um einen Aprilscherz handelt“, staunte Robert Birk, Direktor des einzigen, in Deutschland mit lebenden Flöhen auftretenden Zirkus. Doch es war keiner. Der komplette Flohbestand des seit 1848 bestehenden Unternehmens hatte die Anreise aus Pernbach bei Ingolstadt zum historischen Jahrmarkt im Freilichtmuseum Kommern nicht überlebt, auf dem der Flohzirkus eine der Hauptattraktionen darstellt. Ob ein plötzlicher Temperatursturz oder Pilzbefall die Ursache war, blieb rätselhaft, doch genau vor dem besucherstarken Osterwochenende war dies eine Katastrophe. Denn die üblichen Flohlieferanten, die Katzen eines Bauernhofes bei Landshut, waren nicht in der Lage, kurzfristig ausreichend Ersatz zu liefern.

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Glücklicherweise fand Dr. Ute Herberg-Oberhäuser, Mitarbeiterin des Museums, schon nach kurzer, aber intensiver Recherche die Lösung. Sie kontaktierte Professor Heinz Mehlhorn von der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität, einen renommierten Parasitologen. Mehlhorn sagte sofort seine Hilfe zu – und brachte höchstpersönlich eine Petrischale mit 150 Katzenflöhen in die Eifel.

Intensives Training

Doch der schwierigste Teil kam noch. Denn die Flöhe mussten erst an ihre neue Aufgabe gewöhnt werden. Als erstes bekamen sie von Birk ein Halsband aus feinstem Draht, mit dem sie an ihr Gerät angebunden wurden. Dann fütterte der Zirkusdirektor sie immer wieder auf seinem Unterarm, denn nur, wenn sie kräftig genug sind, vollführen die Tiere ihre kleinen Kunststücke. Trotz der Kürze der Zeit war Birk überzeugt: „Wenn ich Flöhe habe, krieg’ ich’s hin!“ 14 Stunden lang arbeitete er mit ihnen, dann konnte am Samstagmorgen die Premiere stattfinden.

Jeder Floh hat im Zirkus eine andere Aufgabe: Einer jongliert, einer schießt Fußbälle, ein anderer zieht die winzigen Kutschen. Die Auswahl trifft der Direktor mit einem Blick. „Nach 30 Jahren weiß ich sofort, welcher Floh wofür geeignet ist“, erklärte er. Mit Licht, Wärme, sanftem Anhauchen und vielen kleinen Mahlzeiten zeige er den Insekten, was von ihnen erwartet wird. Husten würden die neuen Flöhe übrigens nicht, sie erfreuten sich bester Gesundheit, teilte Birk mit. Und was passiert mit den toten Artisten? „Die nehmen wir mit und bestatten sie in bayrischer Erde“, sagt er. Das sei er seinen Stars doch schuldig.

AUTOR
Stephan Everling
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