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„Das perfekte Dinner“: Das Essen ist Nebensache

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Das perfekte Dinner
Zum Jubiläum kommen in dieser Woche in Köln noch einmal die Teilnehmer der ersten Runde zusammen. (Bild: dpa)

KÖLN - Es gibt Momente im Fernsehen, da distanziert sich das Medium ironisch von sich selbst. Da reicht es schon, wenn jemand aus dem Off darauf hinweist, dass der Rosenkohl, der gerade in der Pfanne schmurgelt, in den vierten Aggregatzustand wechselt. Und schon der süffisante Tonfall signalisiert dem Zuschauer, dass er doch bitte nicht ernst nehmen solle, was ihm da aufgetischt wird. Es sei doch nur Unterhaltung.

Die Produzenten des „Perfekten Dinners“ (Vox) haben dieses Spiel mit den ironischen Kommentaren perfektioniert. Was vielleicht erklärt, warum den Zuschauern auch nach vier Jahren immer noch schmeckt, was die Hobby-Köche da für sie zubereiten. Am Freitag läuft die 1000. Folge dieser Dokusoap, die eine Karikatur ihrer selbst ist. Importiert hat der Sender das Format aus England. „Come dine with me“, heißt das Vorbild: Je fünf unbekannte Hobby-Köche bewirten sich gegenseitig. Zwischen den Gängen inspizieren die Gäste die Wohnung des Gastgebers, wühlen in Schränken und Schubladen. Am Ende werden die Menüs benotet. Der Sieger gewinnt 1500 Euro.

Revolutionäres Konzept

Hierzulande galt dieses Konzept als geradezu revolutionär. Kochen im Fernsehen, das war bis dahin Chefsache. Was auf den Teller kam, entschieden Alfred Biolek und seine prominenten Gäste bei „Alfredissimo!“ Erst „Das perfekte Dinner“ ermöglichte es auch Hans und Franz, gewagtere Gänge wie gebratene schwarze Raupen auszuprobieren. Die Sendung löste einen echten Boom an Kochshows aus. Sie lief so erfolgreich, dass Vox 2007 eine zweite Variante mit C-Prominenten als Darstellern lancierte. Für den kleinen Sender wurde „Das perfekte Promi-Dinner“ zum Aushängeschild. In der Altersgruppe der 14- bis 49-Jährigen zählt die Dokusoap regelmäßig mehr Zuschauer als der zeitgleich laufende „Tatort“.

Ihr Erfolg ist ein Phänomen. Denn erstens sind es streng genommen gar keine Prominenten, die in der heimischen Küche den Mixer schwingen. Und ob sie Rosenkohl pürieren oder nur so tun, als ob, ist zweitens auch egal. Wichtig sind die Gäste. Sie sind der Grund, warum das Interesse an dieser Dokusoap nicht abreißt, unterbeschäftigte Schlagersänger oder Moderatoren, Beinahe-Gewinner von Castingshows und Dschungelcamp-Bewerber. Das „Perfekte Promi-Dinner“ gibt dem Zuschauer Gelegenheit, um die Statements dieser Selbstdarsteller an der Realität zu messen.

Mit diesen Pseudo-Stars ist es ein bisschen wie mit den Boulevardblättern: Keiner will sie kennen, aber jeder nutzt die Gelegenheit, um einen Blick hinter die Schlagzeilen zu werfen. Die Sendung lupft einen Vorhang zu einer Welt, die Züge einer Seifenoper trägt. Und das ist bei den Stars und Sternchen noch ein bisschen interessanter als bei Otto Normalverbraucher im „Perfekten Dinner.“ Da wird der Zuschauer Zeuge, wie der skandalumwitterte Schauspieler Martin Semmelrogge in seiner eigenen Küche nicht zurechtfindet und seine Frau bis zur Weißglut reizt.

Kein Drehbuch

Glaubt man dem Produzenten, Uli Zahn, dann gehorchen solche Szenen keinem Drehbuch. Dann verlassen sich die Macher auf den Zufall. Er versorge sie zuverlässig mit einer Komik, die aus der Situation heraus entstehe. Notfalls hilft das Team der Spannung mit den Kommentaren aus dem Off nach. Sprecher Daniel Werner spielt die Rolle des unsichtbaren Hofnarren.

Zwar behauptet Zahn, man wolle niemanden bloßstellen. Doch im Fernsehen lässt sich das kaum vermeiden. Es ist ein Balanceakt, und ob er gelingt, hängt in erster Linie von den Darstellern ab. Sie sind gut beraten, das Spiel augenzwinkernd mitzuspielen.

Wenn die Teilnehmer clever genug sind, drehen sie den Spieß einfach um und führen das Fernsehen vor. Der Filmemacher Rosa von Praunheim war so einer. Er erschreckte seine Gäste mit einem Nachkriegsmenü. Zur Brennnesselsuppe gab es Granateinschläge vom Band.

Die 1000. Folge des „Perfekten Dinners“ läuft am Freitag, 22. Januar, um 19 Uhr bei Vox.

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