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„Das Supertalent“: Sänger Aweh gewinnt zähes Finale

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Neuer Supertalent: Jean-Michel Aweh. Foto: dapd
Der Sänger Jean-Michel Aweh ist „Das Supertalent“ 2012. Der RTL-Castingshow fehlte im Finale allerdings einiges an Spannung. Ein paar Kilometer weiter in Mülheim gewann fast zur selben Zeit Kandidat Bernd bei „Schlag den Raab“ 3,5 Millionen Euro.  Von
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Köln

Endlich. Als Daniel Hartwich um 1 Uhr den Sänger Jean-Michel Aweh zum Sieger der RTL-Castingshow „Das Supertalent“ erklärte, war vielen Zuschauern im Studio anzusehen, dass ihnen ein Gedanke durch den Kopf schoss: Endlich ist es vorbei. Ein paar Kilometer weiter in Mülheim gewann fast zur selben Zeit Kandidat Bernd bei „Schlag den Raab“ 3,5 Millionen Euro. Und es schien, als wollte RTL nicht eine Minute früher vom Sender gehen als die Pro Sieben-Konkurrenz.

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Wie Kaugummi hatte sich das Finale bis dahin gezogen. Dabei hat das „Supertalent“ eigentlich alles, um einen unterhaltsamen Abend zu bieten. Anders als in anderen Castingshows dürfen sich hier nicht nur Sänger bewerben, sondern jeder, der das Publikum mit irgendetwas begeistern kann.

Wilde Mischung im Finale

Und so kam im Finale eine wilde Mischung zusammen: Ein singender Papagei, ein Seifenblasenkünstler, ein Zauberer, eine Akrobatikgruppe, ein Tänzer und natürlich einige Sänger. Dabei setzte RTL gnadenlos auf die „Normaler Mensch wird über Nacht berühmt“-Karte. „Heute Abend kann sich mein größter Traum erfüllen.“ Sätze wie diesen hörte man in fast jedem Einspieler. Dazu noch ein bisschen Herzschmerz: Laura Pinski musste als Kind gegen den Krebs kämpfen, der spätere Sieger Jean-Michel prügelte sich nach der Scheidung seiner Eltern. Es sind die Zutaten, aus denen RTL seine Shows anrührt.

Doch so richtig wollte den Zuschauern das Angebot nicht schmecken. Das lag vor allem daran, dass den Machern das Gespür für gutes Timing völlig fehlte. Der Auftritt des Seifenblasenkünstlers Hammou Bensalah dauerte eine gefühlte Ewigkeit, ohne dass etwas Spannendes passierte. Auch Magier Dan Sperry strapazierte die Geduld des Publikums.

Andere Auftritte, wie der des Tänzers Emil Kusmirek dauerten hingegen nur wenige Minuten. Und auch wenn Papagei Jacko mit seinem Lachen für Lacher sorgte, führte sein Auftritt die ganze Show ab absurdum. Wenn ein sprechender Vogel, der „Hänschen klein“ und „Baby Baby Balla Balla“ singen kann, unter 44000 Bewerbern eines der größten Talente ist, sagt das nichts Gutes über das Niveau der Show aus.

Der Kaplan im Striptease-Club

Und dann waren da noch Thomas Gottschalk und Dieter Bohlen. Dieter Bohlen ist der unangefochtene Star dieser Show. Dieter ist der Poptitan, alles hört auf sein Kommando. Thomas Gottschalk, von RTL konsequent als Show-Legende bezeichnet, hat kürzlich bei Markus Lanz gesagt, er fühle sich beim „Supertalent“ ein bisschen wie der Kaplan, der im Striptease-Club gelandet ist.

Und genauso wirkte er auch. Das ist nicht sein Format. Die Lacher hat Bohlen für sich gepachtet, Michelle Hunziker gibt die schöne, nette Gute-Laune-Blondine. Gottschalk machte den Eindruck, als habe er irgendwo die richtige Ausfahrt verpasst. Steif, das Lächeln künstlich, die Sprüche meist fad. Das Experiment „Supertalent“ darf man wohl als gescheitert ansehen.

So war am Ende sicherlich auch Gottschalk froh, als Jean-Michel Aweh mit seinem selbst geschriebenen Song „Raus aus dem Nebel“ als Sieger feststand. Endlich.

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