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„Downton Abbey“: Das Ende einer Ära

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Als der Adel (hier: Maggie Smith) noch adlig aussah und angemessen residierte: „Downton Abbey“. Foto: ZDF
Das ZDF zeigt ab Freitag die preisgekrönte britische Serie „Downton Abbey“. In Großbritannien ist die Serie über das Ende einer Adelsfamilie längst Kult. In Deutschland warten viele schon gespannt auf den Start.  Von
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Wenn heute von der guten alten Zeit die Rede ist, kriegt mancher glasige Augen. Früher, heißt es dann, war alles besser, auch das Fernsehen. Von wegen. Dort lief „Das Haus am Eaton Place“. Wer auch nur zehn Minuten dieser Endlosserie um einen Londoner Adelssitz verfolgt, merkt schnell: der Straßenfeger von einst wirkt wie ein Schlafmittel. Weitgehend frei von Spannung, Tempo, Kreativität und Wagemut mäanderten die 68 Episoden ereignisarm durch die Siebziger. Welch ein Unterschied zu „Downton Abbey“.

Vom selben Produzenten (das britische Netzwerk ITV) gemacht, spielen beide Serien zwar zur gleichen Zeit, als mit dem Untergang der Titanic auch der Übergang vom Ständestaat ins Bürgertum eingeläutet wird; dennoch wirkt der Nachfolger wie aus einem anderen Universum. Viscount Bellamy of Haversham im feudalen Stadthaus ähnelt dabei durchaus dem Earl Crawley of Grantham in seiner prächtigen Abtei, so wie dessen Butler Mr. Carson unverkennbar an sein berühmtes Vorbild Mr. Hudson (Gordon Jackson) angelegt scheint, wie alle Figuren von der resoluten Küchenchefin über ihre scheue Hilfe Vorbilder am Eaton Place finden.

Und doch ist „Downton Abbey“ nicht nur Fortentwicklung, es ist eine Art Quintessenz dieses Genres namens Kostümdrama, das jetzige Wertemodelle und Sozialgefüge aufwendig ausstaffiert an denen früherer Epochen misst.

Elektrizität ist damals noch Teufelszeug

Doch Erfinder Julian Fellowes erliegt dabei mit seinen Regisseuren nicht der Versuchung, ethische Fragen im Sperrfeuer opulenter Requisiten zu überzeichnen, sondern hält eine Balance, die „Downton Abbey“ zu einer der erfolgreichsten Serien weltweit macht. Denn das Besondere, das Herausragende: Weder der Adel, dieser überkommene, inzestuös dekadente Stand auf dem Absprung in die Bedeutungslosigkeit, noch seine Bediensteten werden je bloßgestellt. Es geht nicht um Kommentare oder Dramatisierung, es geht um Menschen, die am Ende einer Ära ihren Platz in sich auflösenden Strukturen suchen. Es geht bei all den Intrigen, Erbschaftsfragen, Affären und Alltagsdingen, die solche Serien naturgemäß begleiten, also vor allem: um Kommunikation. Elektrizität ist damals noch Teufelszeug, aber längst unterm üppigen Stuck hallenartiger Wohnräume installiert. Es gibt noch kleine Glöckchen an jedem Bett, aber deren Benutzer fahren bereits im Auto vor.

Der Gezeitenwechsel wird folglich an allerlei Insignien verhandelt – trotzdem wird diese Phase eher durch Gespräche verdeutlicht; stellvertretend die zwischen Graf Robert Crawley und John Bates, den er trotz Schussverletzung in Erinnerung an gemeinsame Zeiten im Burenkrieg zum Kammerdiener macht. „Wir haben es bis hierher geschafft“, sagt der Untertan an einer Stelle zur Durchlaucht, und als die geübte Distanz in Richtung Nähe zu kippen droht, wird daraus ein verkrampft lachendes, lächerlich sinnentleertes „ja, aber selbstverständlich“.

Nichts Halbes und nichts Ganzes, noch Herr, nicht mehr Knecht, also Ausdruck jener Unsicherheit, die seine Klasse damals befallen hat. Die diese brillante Serie von der ersten bis zur 23. Folge kennzeichnet. Die eine beeindruckende Mitte jenseits bloßer Kostümierung, diesseits selbst verordneter Nüchternheit findet. Die uns berauschen will, aber nicht sedieren. Die mal laut ist, mal leise, mal grell, mal schlicht. Die „Das Haus am Eaton Place“ fürs Jetzt reanimiert und schlichtes Fernsehen zu großem macht. Schluss mit glasigen Augen, Augen auf bei diesem Werk!

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