Medien
Nachrichten aus dem Medienbereich und TV-Kritiken

Vorlesen
2 Kommentare

„Tagesschaum“: „Tagesschau auf Koks“

Erstellt
Journalist und TV-Moderator: Friedrich Küppersbusch. Foto: dpa
Friedrich Küppersbusch zurück und läuft für den WDR dreimal in der Woche mit „Tagesschaum“ zur alten Hochform auf. „Tagesschau auf Koks“ will der TV-Moderator bieten, mit einem festen Ziel und Verfallsdatum: die Bundestagswahl im September.  Von
Drucken per Mail
Köln

Er war „nur mal kurz Zigaretten holen“. 16 Jahre lang war Friedrich Küppersbusch von den deutschen Bildschirmen verschwunden. Dabei war er Mitte der 90er Jahre ein Hoffnungsträger der Medienlandschaft, ein gefeiertes Beispiel für kritischen Journalismus. Der „Robin Hood von Zak“ ist nicht der einzige Beiname, den der linksgerichtete Moderator sich in seiner aktiven Fernseh-Zeit verdiente. Besonderen Ruhm brachten ihm seine unkonventionellen Eisbrecher-Einstiege ein: Wie es so im Bett klappe, fragte er Sänger Heinz Rudolf Kunze; was sie von Männern mit Sockenhaltern denke, die spätere Bundeskanzlerin Merkel.

Mit dem Ende von „Privatfernsehen“, seiner weniger erfolgreichen Sendung nach „Zak“, verabschiedete sich Küppersbusch vom Bildschirm, aber nicht gänzlich vom Fernsehen. Mit seiner Produktionsfirma probono belieferte er N24 mit der Talkshow „Maischberger“ oder das DSF mit „Becker 1:1“. Das gewagte Format, das Tennisstar Boris Becker als Talkmaster einführen wollte, wurde jedoch nach kurzer Zeit wieder abgesetzt.

„Egalste Wahl seit langem“

Seit zwei Wochen ist Küppersbusch zurück und läuft für den WDR dreimal in der Woche mit „Tagesschaum“ zur alten Hochform auf. „Tagesschau auf Koks“ will der Moderator bieten, mit einem festen Ziel und Verfallsdatum: die Bundestagswahl im September. Mit „Tagesschaum“ wolle er den „Wähler bis zur Urne begleiten“, sagt Küppersbusch. Besonders bei dieser „vermeintlich egalsten Wahl seit langem“. Wählen, wählen, wählen - lautet seine Botschaft. Mit einem Countdown erinnert er seine Zuschauer zu Beginn jeder Sendung an das freudige Ereignis im Herbst.

Damit der Zuschauer auch weiß, bei wem er lieber kein Kreuzchen setzen sollte, erklärt Küppersbusch die sinkende Wahlbeteiligung, nimmt den G-8-Gipel aufs Korn, die Bild-Zeitung, Peer Steinbrücks „Inkontinenzteam“ oder erinnert im Rahmen um die Jagd nach Edward Snowden nicht nur an Wikileaks-Gründer Julian Assange, sondern auch an dessen beinahe schon wieder vergessenen Informanten Bradley Manning. Dazwischen streut er Kategorien von grandios bis kalauernd: „Tagesschaum“ kürt „Die besten Menschen der Welt“ (Platz eins geht an Recep Tayyip Erdogan), „Irgendwas mit Hitler“ oder „Meilensteine der Gesäßfotografie“. Nicht zu vergessen die lyrischen Beinamen, die Küppersbusch in seine Ansagen einbaut, ohne eine Miene zu verziehen: Innen-Comedian HP Friedrich, Angela 50 Shades of Grey Merkel oder Dieter Hundt, der beste Freund des Menschen. Beißende Satire auf hohem Niveau, die ihren Informationsauftrag – häufig – ernst nimmt. Küppersbusch ist zurück vom Zigarettenholen.

"Tagesschaum" läuft Mo, Di und Do, 23:15 bis 23:30 Uhr im WDR

Auch interessant
TV-Programm
Kino oder Film suchen
Suchen
Kinofilm, Schauspieler oder Regie
Kino, PLZ oder Ort

Kinoprogramm

Alle Neustarts diese Woche: Alle Filme von heute:
Kleinanzeigen
FACEBOOK