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„Tatort“ aus Köln: Risse in der heilen Fassade

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Die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, l.) und Freddy Schenk (Dietmar Bär, r.) halten Kai Grabow (Lasse Myhr) zurück.  Foto: WDR
Der neue Kölner „Tatort“ ist ein klassischer Krimi. Die Ermittler Freddy Schenk und Max Ballauf müssen in „Trautes Heim“ einen Entführungsfall lösen. Zum Verdächtigen wird jeder, der ihnen begegnet. Das lädt zum Mitraten ein.  Von
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Keine verschrobenen Ermittler, kein möglichst skurriler Fall, keine Explosionen oder Schießereien. Nach den diversen Experimenten der vergangenen Monate ist der neue Kölner „Tatort“ ein klassischer Krimi. Auf Freddy Schenk (Dietmar Bär) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) ist eben Verlass. Sie cruisen wie immer im schicken Oldtimer zum Tatort, fahren stets in derselben Richtung über die Rheinbrücken, egal wohin sie wollen, und essen am Ende des Films ihre Currywurst an ihrer Bude am Rhein. Das werden die einen erholsam, die anderen langweilig finden.

Der Fall „Trautes Heim“ beginnt wie viele Krimis: mit einer scheinbaren Idylle, in die jedoch schnell das Böse einbricht. Der achtjährige Lukas Schäfer wird von seiner Mutter Simone (trägt ein bisschen dick auf: Alma Leiberg) liebevoll geweckt, macht ein paar Späße mit seinem Vater Roman (souverän: Barnaby Metschurat) und macht sich dann auf den Weg zum Fußballtraining. Doch bei seinem Trainer und Onkel Kai Grabow (Lasse Myhr) kommt der Junge nicht an. Er wird entführt. Der einzige Zeuge, ein Motorradfahrer, verfolgt den Fluchtwagen, wird aber von den Tätern überfahren. Doch was wollen die Entführer? Lukas Eltern sind nicht reich, eine Lösegeldforderung erscheint also wenig wahrscheinlich. Ist ein Sexualstraftäter am Werk oder hat jemand eine Rechnung mit den Eltern offen?

Hinweise früh gestreut

Der Zuschauer ahnt früh, dass die heile Welt der Familie nur Fassade ist. Der Vater spielt offensichtlich ein doppeltes Spiel. Oder verschweigt er den Anruf der Entführer nur aus Angst um seinen Sohn? Zu Beginn treten Ballauf und Schenk auf der Stelle. Zum Verdächtigen wird jeder, der ihnen begegnet. Nur durch Zufall stoßen sie auf eine neue Spur. Denn das Handy des Vermissten, das die Ermittler finden, ist nicht etwa auf seine Mutter oder seinen Vater angemeldet, sondern auf eine Frau namens Ruth Junghanns (Sandra Borgmann). Die versichert jedoch glaubhaft, Lukas Schäfer nicht zu kennen. Auch sonst scheint sie mit der betroffenen Familie nichts zu tun zu haben. Doch dann bröckelt die heile Familienfassade und dahinter kommt eine unglaubliche Geschichte zum Vorschein, die alles in ein neues Licht rückt. Der Fall, den die Autoren Frank Koopmann und Roland Heep erschaffen haben, wirkt zwar dick aufgetragen, aber nicht völlig unrealistisch.

Es geht um Neid und Missgunst, um Habgier und Rache. Und zwar nicht in Kreisen, die am Rand der Gesellschaft stehen, sondern um eine klassische Mittelschichtsfamilie, in der die Mama sich um den Haushalt und das Kind kümmert und der Papa das Geld verdient. Regisseur Christoph Schnee hat einen „Tatort“ gedreht, der zum Mitraten einlädt, auch wenn die Hinweise auf die Täter schon recht früh eingestreut werden.

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