Medien
Nachrichten aus dem Medienbereich und TV-Kritiken

Vorlesen
1 Kommentare

„Tatort“ aus Stuttgart: Ein Deal mit dem Bösen

Erstellt
Im „Tatort“ aus Stuttgart müssen die Ermittler einem Kriminellen vertrauen. Foto: obs
Wie viel Raum soll das Privatleben der Ermittler in einem „Tatort“ einnehmen? Eine Frage, die die Fangemeinde spaltet. Im Stuttgarter „Tatort“ stellt sich die private Lage des Hauptkommissars Bootz dem Erzählfluss in die Quere.  Von
Drucken per Mail

Es ist eine der Fragen, die die „Tatort“-Gemeinde spaltet: Wie viel Raum soll das Privatleben der Ermittler einnehmen? Muss man wirklich wissen, mit wem Charlotte Lindholm ihre Abende verbringt und warum Frank Thiel so ein schwieriges Verhältnis zu seinem Vater hat? Wer auch immer mehr über das Leben von Familienvater Sebastian Bootz (Felix Klare) wissen will, ist im neuen Stuttgarter „Tatort“ genau richtig. Denn Bootz wird gleich zu Beginn von seiner Frau verlassen. Ein Drama für ihn, keine Frage, aber dem Erzählfluss von „Spiel auf Zeit“ tun die Streit- und Selbstmitleidszenen nicht gut. Und wenn Bootz mitten in einer wichtigen Ermittlung mit quietschenden Reifen nach Hause fährt, um seinem Sohn zu versprechen, mit ihm in den Urlaub zu fahren, wird es zudem vollkommen unrealistisch.

Online-Spiel

Der SWR nimmt den Fall als Anlass für eine neue Ausgabe des Online-Spiels „Tatort+“. Bis Mitte der Woche hatten nach Senderangaben schon mehr als 11 000 Menschen versucht, ein Verbrechen aufzuklären. Nach der Ausstrahlung in der ARD beginnt dann ein neuer Erzählstrang.
plus.tatort.de

Mit dem Fall hat Bootz’ Privatleben nichts zu tun, aber in einem Punkt berühren sich die beiden Welten doch. In der Frage, wem man sein Vertrauen schenken darf und wem nicht. Der Kriminelle Victor de Man (Filip Peeters), den Thorsten Lannert (Richy Müller) aus einer früheren Ermittlung gut kennt, bietet Insidertipps über den bei einem Gefangenentransport geflohenen Viktor Zahn (Detlef Bothe). Aber weil im Leben alles seinen Preis hat, will de Man mit den Infos nur rausrücken, wenn er während der Ermittlungen aus dem Gefängnis darf und zudem früher aus der Haft entlassen wird. Als de Man den Kommissaren einen Tipp gibt, wo sie eine Geisel finden können, ist klar, dass er über Zahns Pläne wirklich Bescheid weiß. Aber dürfen die Guten dem Bösen vertrauen, gar einen Deal mit ihm eingehen? Und was hat de Man wirklich vor? Die Zeit drängt, denn Zahn, der sich schwere Waffen besorgt hat, plant einen großen Coup innerhalb der nächsten 24 Stunden. Bootz, Lannert und Staatsanwältin Alvarez (Carolina Vera) müssen also den Deal mit de Man eingehen.

Holger Karsten Schmidt hat ein Drehbuch geschrieben, bei dem der Reiz für die Zuschauer darin besteht, dass sie mitraten können. Filip Peeters ist unbestritten der Mittelpunkt dieses Falls. Er legt seine Rolle überzeugend schmierig-charmant und vor allem undurchsichtig an.

Autor Schmidt und Regisseur Roland Suso Richter lässt es zu Beginn und am Schluss ordentlich krachen. Das kommt im Ganzen eine Nummer zu groß daher, ist aber allemal besser, als Bootz bei seiner leidvollen Beziehungsarbeit zuzusehen.

Auch interessant
TV-Programm
Kino oder Film suchen
Suchen
Kinofilm, Schauspieler oder Regie
Kino, PLZ oder Ort

Kinoprogramm

Alle Neustarts diese Woche: Alle Filme von heute:
Kleinanzeigen
FACEBOOK