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„Wetten, dass…?“: Eine Sendung wie auf Speed

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Markus Lanz begrüßt seine Moderationshilfe und Prinzessin: Cindy aus Marzan. Foto: Getty Images
Der angegraute Show-Gigant ist am Samstag zur Hochform aufgelaufen und bot die richtige Mischung aus Spiel, Spaß und Spannung. Kindergeburtstag für Erwachsene eben. Das überraschte sogar Rapper 50 Cent und den Sänger Michael Bublé.  Von
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Wien

Michael Bublé hatte schon die Hälfte von „Wetten, dass…?“ in Wien abgesessen, da entfuhr dem italo-kanadischen Swing-Barden auf der Couch das kurioseste Kompliment des Abends: Hätte er gewusst, wie merkwürdig es bei „Wetten, dass…?“ zugeht, dann hätte er vorher was geraucht.

Merkwürdig? Was ist denn bitteschön daran merkwürdig, wenn der Intendant einer der größten Sendeanstalten Europas flashmobartig zum Internet-Hit „Harlem Shake“ mit dem Hintern zuckt? Wenn ein Promi-Ehepaar aus München auf rollenden Kloschüsseln um die Wette rast? Oder wenn ein millionenschwerer Gangsta-Rapper aus Queens, der immerhin acht Kugeln aus dem Milieu überlebte, sich von einer Proll-Prinzessin aus Marzahn herumkommandieren lässt?

Ohne Rauch ging’s dann aber doch auch. Michael Bublé war, so aus der Ferne betrachtet, voll drauf bei Europas einzigartigem Kindergeburtstag für Erwachsene. Ja, der angehende Papa hatte ganz offensichtlich Riesenspaß, was man weiß Gott nicht von jeder Sofa-Prominenz aus Übersee behaupten kann. Das lässt zwei Rückschlüsse zu: Entweder Bublé hatte vor der Dreistundensause gut gegessen. Wiener Schnitzel vielleicht. So was hebt die Stimmung bekanntlich ungemein. Oder es war schlicht so, dass Gastgeber Markus Lanz und sein „Wetten, dass…?“-Team im sechsten Anlauf und kurz vor der Sommerpause zur Bestform aufgelaufen sind.

Woher auch immer das Dopingmittel kam – es war ein „Wetten, dass…?“ auf Speed und mit so viel Drive, wie man es schon lange nicht mehr gesehen hat und es sich eigentlich wünscht: Eine Show mit der richtigen, weil nicht verschnarchten Sofa-Mischung und einem hellwachen Moderator, dazu wohl dosierter Talk mit Erkenntnisgewinn, im wahrsten Sinne des Wortes abgefahrene Wetten, und, sorry Mr. Bublé, natürlich mit bemerkenswerten Merkwürdigkeiten.

Über 500 Zappel-Videos eingereicht

Noch eine kleine Auswahl an Beispielen gefällig? Statt frenetisch zu klatschen, blieb das Wiener Saalpublikum zunächst mucksmäuschenstill bei der Lanz-Begrüßung, um dann, gemeinsam mit dem sonst doch eher stocksteifen ZDF-Intendanten Thomas Bellut, womöglich den nächsten Hit fürs Netz zu schaffen: den „Vienna Shake“. Auch die Wiener außerhalb der Halle zuckten mit. Mehr als 500 Zappel-Videos wurden eingereicht, sodass Markus Lanz seine Stadtwette verlor. Er musste sich zum Schluss als lebende Sachertorte in ein Schoko-Bad tunken. Was soll man dazu sagen? Dass echte Traditionalisten Senf genommen hätten?

Auch Oliver Pocher wurde bestraft. Manche sagen: Es wurde höchste Zeit. Für all seine verbalen Schandtaten in der älteren und jüngsten Vergangenheit (neu: „Für die Wiener ist es ein Dauerzustand zu zappeln“) musste er sich in ein Tor stellen und nach dem Kommando „Top, der Hintern quillt“ den Allerwertesten den Torjägern entgegen recken. Sein Wettkandidat Julian Böhme hatte da mehr Glück: Es gelang ihm, mit drei Holzhämmern jonglierend 15 Nägel in zwei Minuten einzuschlagen. Das machte ihn zum Wettkönig des Abends.

Das kann Markus Lanz nicht: Ein achtjähriger Junge kletterte unter einen Tisch - ohne dabei den Boden zu berühren. Im Grunde die stärkste Wette des Abends. Aber Kinder dürfen ja nicht zum Wettkönig gewählt werden. Foto: Getty Images

Es wurde an Strafaktionen aber noch besser. Weil ein Kandidat es bei der ziemlich verrauchten Auto-Wette nicht schaffte, driftende Reifen am Geruch verbrannten Gummis zu erschnüffeln, musste Wettpate Michael Bublé „Memories“ aus dem Musical Cats auf Deutsch singen und eine Katzenmaske dabei aufsetzen. Eine Katzenmaske, wohlgemerkt, keine Katzenmütze. Trotzdem war die Reminiszenz an Tom Hanks, diesen Stänkerer aus Hollywood, gelungen. So viel sympathische Unverfrorenheit hätte man der Show-Truppe aus Mainz nicht zugetraut.

Und der Erkenntnisgewinn? Reifen können „würzig“ oder „süßlich“ riechen. Rapper 50 Cent besitzt so viele Autos wie Heiner Lauterbach Toiletten. Markus Lanz ist ein passabler Falco-Imitator. Und wir wollen noch mehr von solchem bunten Quatsch! Aber bitte ohne Schokoladensauce.

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