Medien
Nachrichten aus dem Medienbereich und TV-Kritiken

Vorlesen
1 Kommentare

500. Folge: Die altersschwache Familie Simpson

Erstellt
Finden das Leben in der kleinen anarchistischen Siedlung gar nicht so schlecht: Bart (r.) und Maggie (l.). Foto: Pro Sieben
Die Simpsons gehen am Montag mit ihrer 500. Folge über den hiesigen Äther. Schon immer schlichen sich Fehler in die deutsche Übersetzung ein. Doch in letzter Zeit kritisieren außerdem immer mehr Fans das abnehmende Niveau der Serie.  Von
Drucken per Mail
Köln

In einer späten „Simpsons“-Folge soll Familienvater Homer das löchrige Hausdach reparieren. Angeblich hilft ihm dabei ein Zimmermann, den außer Homer aber niemand gesehen hat. Selbst Homers Sohn Bart nicht, vor dessen Nase sich die beiden im Heimwerkermarkt unterhalten haben.

Das Rätsels Lösung liefert der Physiker Stephen Hawking in einem Gastauftritt: Es hat sich eine Träne im Universum gebildet, in der sich das Licht des „Eingebildeten Dachdeckers“, so der Titel der Folge, auf Nimmerwiedersehen verlor.

Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich.

Zahllose Übersetzungsfehler

Gewundert haben sich auch die deutschen Fans der weltweit erfolgreichen US-Trickfilm-Serie. Denn natürlich hat nicht Hawking seine poetische Seite entdeckt, sondern die deutsche Synchronisation entsetzlich geschludert.

Gemeint war ein „Riss“, auf Englisch „tear“, im Universum – der Übersetzer hat sich unter den möglichen Bedeutungen: Träne, Tropfen, Riss, Schlitz, Lacknase einfach die Gängigste ausgesucht.

Geschadet hat es der Serie freilich kaum. An diesem Montag läuft auf Pro Sieben die 500. „Simpsons“-Folge „Fern der Heimat“, und die zahllosen Übersetzungsfehler gehören längst zur Folklore der einheimischen Fangemeinde.

Ihre Premiere erlebten die eingedeutschten „Simpsons“ 1991 im Vorabendprogramm des ZDF. In der Heimat der Mainzelmännchen ließ man die gelbe Familie bereits nach der dritten Staffel zur privaten Konkurrenz ziehen – wo sich fortan Ivar Combrinck an der anspruchsvollen Aufgabe versuchte, die vor Wortwitz und Anspielungen überquellenden Geschichten zu übersetzen.

Gemischte Gefühle zur Jubiläums-Folge

In den USA, der Heimat der „Simpsons“, sind zahlreiche Sprüche in den allgemeinen Wortschatz eingegangen. An vorderster Stelle Homers verärgertes Grunzen „D’oh!“, aber auch Schöpfungen wie die von konservativen Polit-Kommentatoren begierig aufgegriffene Beschimpfung der irakkriegsunwilligen Franzosen als „Cheese-eating surrender monkeys“.

Allerdings sind die „Käsefressenden Kapitulations-Affen“ eine seltene Freude der Rechten; in der Regel stecken sie in der von Späthippie Matt Groening erschaffenen Satire die härtesten Schläge ein.

Keine deutsche Spezialität ist hingegen die Debatte über die sinkende Qualität der „Simpsons“-Folgen. Für die Fans der ersten Stunde beginnt mit den zweistelligen Staffeln (von bislang 24) der schleichende Niedergang, weshalb sie der Jubiläumsfolge mit gemischten Gefühlen entgegen sehen.

In ihr wird die „Simpsons“-Familie aus Springfield vertrieben und trifft im Exil auf Wikileaks-Gründer Julian Assange. Wie so oft in den letzten Jahren wirken die Figuren wie Reiseführer durch eine Geschichte, die mit ihnen nicht mehr viel zu tun zu haben scheint.

Natürlich war es vermessen, von den „Simpsons“-Machern zu erwarten, dass das Glück der ersten Jahre ewig währt. Aber die Hoffnung war nun einmal gelb und wird nun mit jeder neuen Folge neu enttäuscht. Immerhin nehmen die aktuellen Produzenten die Kritik spöttisch-sportlich.

Auf die Frage nach dem Erfolgsgeheimnis der ungewöhnlich langlebigen „Simpsons“ antwortete Mike Scully: „Man braucht nur das Niveau absenken, dann kann es ewig weiter gehen.“

Auch interessant
TV-Programm
Kino oder Film suchen
Suchen
Kinofilm, Schauspieler oder Regie
Kino, PLZ oder Ort

Kinoprogramm

Alle Neustarts diese Woche: Alle Filme von heute:
Kleinanzeigen
FACEBOOK