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Charlotte Link: „Pilcher-Filme finde ich blöde“

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Leslie (Marie Bäumer) versucht, den schwer verletzten Dave (Fritz Karl) zu retten. Foto: ARD
Charlotte Links Buch „Das andere Kind“ ist von der ARD als Zweiteiler verfilmt worden und wird Anfang Januar gezeigt. Im Interview zeigt sich die Schriftstellerin sehr zufrieden mit der Besetzung. Die ZDF-Adaptionen ihrer Bücher fand sie eher unerfreulich.
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Frau Link, die ARD hat Ihren Roman „Das andere Kind“ als Zweiteiler verfilmt. Sind Sie zufrieden?

Charlotte Link: Ich bin auf jeden Fall sehr viel zufriedener als bei den meisten Verfilmungen vorher. Richtig glücklich bin ich mit der Besetzung. Viele Rollen hat man mit Briten besetzt – das macht den Film, der ja in England spielt, sehr authentisch.

Die bisherigen, ziemlich kitschigen Adaptionen Ihrer Bücher im ZDF mochten Sie nicht?

Link: Es gab zwischen mir und dem ZDF unterschiedliche Ansichten, wie die Filme aussehen sollen – das war irgendwann einfach nicht mehr vereinbar. Ich fühlte mich oft in eine Richtung gedreht, in die ich nicht wollte.

Aber Sie haben von den hohen Zuschauerzahlen profitiert – Sie fanden neue Leser.

Link: Das sollte man denken, es war aber eher so, dass durch die sehr weichgezeichneten Filme ein schiefes Bild entstand. Leute, die meine Bücher aufgrund der Filme gekauft haben, waren verärgert, weil die Bücher anders waren als das, was sie erwartet hatten. Und Leser, die meine Bücher schon kannten, waren enttäuscht, weil die Filme nicht den Büchern entsprachen. Und alle haben sich bei mir beschwert. Unerfreulich.

Zur Person
Charlotte Link
Foto: dpa

Charlotte Link (49), geboren in Frankfurt/M., gehört mit mehr als 20 Millionen verkauften Büchern zu den erfolgreichsten deutschen Autoren der Gegenwart.

Die ARD hat jetzt ihren Roman „Das andere Kind“ verfilmt. Der prominent (u. a. mit Marie Bäumer und Hannelore Hoger) besetzte Zweiteiler ist am 2. und 3. Januar, jeweils 20.15 Uhr, zu sehen. Im Mittelpunkt steht die Londoner Ärztin Leslie, deren Heimatdorf von einem scheußlichen Mord an einer Studentin erschüttert wird. Nach und nach deckt Leslie ein finsteres Familiengeheimnis auf. (ksta)

Haben Sie sich nach diesen Erfahrungen ein Mitspracherecht bei der Adaption von „Das andere Kind“ gefordert?

Link: Ein vertraglich gesichertes Mitspracherecht hatte ich zwar nicht, aber wir haben auf einer Vertrauensbasis sehr gut miteinander kooperiert. Ich sprach im Vorfeld mit dem Produzenten Nico Hofmann, dem Regisseur und dem Drehbuchautor und erklärte allen ganz genau, was ich nicht wollte.

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Die Macher haben sich ja nicht lumpen lassen und Ihren Roman, der auf zwei Zeitebenen spielt, sehr aufwendig verfilmt. Macht Sie das als Autorin nicht auch ein bisschen stolz?

Link: Ehrlich gesagt: ja. Dass Nico Hofmann auf mich zukam, dass die das durchgepowert haben, obwohl es eben wegen diesen beiden Zeitebenen furchtbar viel Geld verschlungen hat – darüber habe ich mich gefreut. Aber ich war auch sehr angespannt, weil ich unter den Verfilmungen meiner Bücher in letzter Zeit gelitten habe. Ich hatte einen Punkt erreicht, wo ich dachte: Lieber nie wieder eine Verfilmung als noch eine, mit der ich nicht glücklich bin.

Sie gehören zu den erfolgreichsten deutschen Autoren der Gegenwart. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?

Link: Wodurch wird ein Bestseller zum Bestseller? Das ist eine schwierige Frage. Aber aus dem, was ich von den Lesern höre, gewinne ich den Eindruck, dass sich die Leute sehr stark mit meinen Figuren identifizieren können – das ist offensichtlich ziemlich dicht an dem Leben, das die Menschen führen, und an den Problemen, die viele beschäftigen.

In „Das andere Kind“ spielt Marie Bäumer eine Frau, die in ihrem Heimatdorf ein schreckliches Familiengeheimnis aufdeckt. Wo liegt denn da das Identifikationspotenzial?

Link: Diese Figur ist eine moderne Frau, frisch geschieden, in der Phase der Neuorientierung – ein typisches Schicksal für viele Frauen in ihrem Alter. Aber sicher können sich auch viele mit der Figur der kleinen Fiona identifizieren, die im Zweiten Weltkrieg aufs Land verschickt wird. Auch wenn man so etwas selber nicht erlebt hat – Gefühle wie Einsamkeit und Heimweh sind übertragbar.

Warum haben viele Leser offenbar große Freude an schaurigen Elementen und schlimmen Verbrechen, wie sie in Ihren Romanen vorkommen?

Link: Ein bisschen Voyeurismus ist bestimmt manchmal dabei. Aber ich benutze das Verbrechen in meinen Büchern ja, um in das dahinplätschernde Leben von verschiedenen Menschen eine Katastrophe einbrechen zu lassen, die alles umwirbelt und Fassaden einreißt.

Bestimmte extreme Situationen können plötzlich unser Leben, so wie es verläuft, in Frage stellen.

Werden Sie sich den fertigen Film im TV ansehen?

Link: Ich kenne ihn ja bereits. Ob ich ihn dann noch einmal sehe, entscheide ich kurz vorher. Manchmal bin ich dazu einfach zu nervös.

Schauen Sie sich auch die Verfilmungen anderer Bestsellerautoren an – Rosamunde Pilcher etwa?

Link: Die Pilcher-Verfilmungen schaue ich mir nicht an, die finde ich blöde. Manche mögen solche Heile-Welt-Filme ja, aber ich komme damit nicht zurecht. Ich denke mir dann immer: So ist es doch im wahren Leben gar nicht. Sehr gerne sehe ich die Mankell-Verfilmungen und Donna Leon.

Das Gespräch führte Cornelia Wystrichowski

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