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Dieter Moor: Aus dem Kuhstall vor die Kamera

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Im Bode-Museum auf der Berliner Museumsinsel führt Dieter Moor durch die Geschichte des Menschen.  Foto: Vox
Dieter Moor ist normalerweise der Geschichts-Moderator im Ersten. Nun präsentiert er eine Dokumentation über die Geschichte des Menschen auf Vox. Im Interview spricht er auch über das Leben als Landwirt.
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Herr Moor, ist der Mensch die Krone der Schöpfung?

Zur Person

Dieter Moor (54)

ist ein Schweizer Fernsehmoderator, Autor und Schauspieler. Er lebt bei Berlin auf einem Bauernhof. Die Dokumentation „Die Geschichte des Menschen – 70000 Jahre überleben, erobern, kämpfen“ läuft Freitag und Samstag, jeweils um 20.15 Uhr auf Vox.

Dieter Moor: Absolut nicht. Sie kennen ja den alten Witz, wo zwei Planeten sich begegnen, und der eine fragt: „Wie geht’s dir?“, und der andere antwortet: „Schlecht, ich hab’ Menschen.“ Worauf ihn der eine wiederum tröstet: „Ach, das geht vorbei.“ Je älter ich werde, desto mehr glaube ich, dass wir ein vorübergehendes Phänomen sind. Warum Mutter Natur, die ja eigentlich perfekt funktioniert, dieses Wesen geschaffen hat, erschließt sich mir nicht wirklich.

Klingt pessimistisch. Dabei hat die große Dokumentation über die Geschichte des Menschen, die Sie jetzt bei Vox präsentieren, ja durchaus einen optimistischen Grundton . . .

Moor: Stimmt, und das hängt damit zusammen, dass sie den Menschen als Teil der Natur begreift und nicht den Gegensatz zwischen Mensch und Umwelt aufmacht, wie das häufig geschieht. Wir sind ein Teil dieser Welt, das ist meiner Ansicht nach eine ganz wichtige Erkenntnis, und das wird mir auch in meinem anderen Leben als Landwirt immer klarer.

In der Dokumentation geht es um die vergangenen 70000 Jahre. Glauben Sie, dass der Menschheit noch weitere 70000 Jahre beschieden sind?

Moor: Schwierige Frage, aber wenn ich mir die Entwicklung gerade der vergangenen Jahre anschaue, bin ich da sehr skeptisch. Man könnte schon zu der Ansicht kommen, dass die Menschheit vielleicht noch 50 Jahre hat und mehr nicht. Wenn ich mich aber mit der gesamten Geschichte der Menschheit beschäftige wie in dieser Dokumentation, dann sehe ich, dass es immer wieder mal Punkte gab, wo es eigentlich nicht weitergehen konnte – und wo es trotzdem irgendwie weitergegangen ist

Was stimmt Sie zuversichtlich?

Moor: Der Erfindungsreichtum des Menschen. Wir haben schreckliche Dinge wie die Atombombe erfunden, aber eben auch gute Dinge wie die Demokratie. Diese andere Seite des Menschen gab es, gibt es, und darauf setze ich meine Hoffnung.

Welches Kapitel der Menschheitsgeschichte ist für Sie persönlich das spannendste?

Moor: Im Grunde sind alle Epochen spannend, und das nicht zuletzt, weil sie aufeinander aufbauen. Ich persönlich interessiere mich vielleicht am meisten für Neuere Geschichte und Zeitgeschichte: Wie kam es zur Französischen Revolution, zum Kalten Krieg – alles hochinteressante Themen. Aber es ist natürlich auch da ganz hilfreich, wenn man weiß, was vorher war. Das 20. Jahrhundert ist vielleicht die Zeit, die mich am meisten fasziniert.

Deutschland hat in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine unselige Rolle gespielt. Sind Sie froh, dass Sie als Schweizer nichts mit dieser Vergangenheit zu tun haben?

Moor: Ganz im Gegenteil, ich habe ja sogar vor, die deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen. Ich möchte unter anderem Deutscher werden, weil mir gefällt, wie dieses Land mit der ungeheuren Last seiner Vergangenheit umgeht, wie es versucht, diese Fakten aufzuarbeiten. In der Schule in der Schweiz haben sie uns dagegen immer beigebracht, dass die Schweizer stets die Guten waren – später habe ich dann herausgefunden, dass vieles an dem Geschichtsbild, das einem da vermittelt wurde, nicht stimmt.

Sie bewirtschaften gemeinsam mit Ihrer Frau einen Bauernhof in Brandenburg. Wie bekommen Sie das mit Ihrem Fernsehjob unter einen Hut?

Moor: In der Hinsicht fühle ich mich außerordentlich privilegiert, das klappt ganz wunderbar. Wenn ich im Stall stehe und den Kühen Heu gebe und mir dann denke: In zwei Stunden bist du wieder fürs Fernsehen unterwegs, dann freut mich das einfach. Beide Lebensbereiche relativieren den jeweils anderen: Man ist kein reines Landei, läuft aber auch nicht Gefahr, sich als Fernsehfuzzi so wahnsinnig wichtig zu nehmen.

Wie würde die Entscheidung ausfallen, wenn Sie zwischen Fernsehen und Bauernhof wählen müssten?

Moor: Das ist eine Entscheidung, die ich gar nicht treffen muss, weil sich das sowieso von ganz allein entwickelt: Mit fortschreitendem Alter wird das Mediengeschäft automatisch zurückgehen, während mich der Bauernhof gar nicht feuern kann, weil er meiner Frau und mir gehört. Dass ich also irgendwann nur noch Bauer sein werde, wird sich von selbst ergeben.

Das Gespräch führte Martin T. Weber

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