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Familien-Saga: Ein Jahrhundert im Adlon

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Sonja Schadt (Josefine Preuß, links) nimmt die Jüdin Tamara Lieberkoff (Nora von Waldstätten) im Adlon auf. Foto: ZDF/ Stephanie Kulbach
Geschichte hautnah und opulent: Die Familiensaga "Das Adlon" erzählt vom Aufstieg und Fall des Hotels. Zehn Millionen Euro hat der Dreiteiler gekostet. Herausgekommen ist eine Geschichte, die ihre Zuschauer tief in einen Sog zieht.  Von
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Köln

Es ist ein Bild wie geschaffen, um den Schock zu simulieren, der in der Nacht zum 28. Februar 1933 die Nation erfasst hat: Ein Feuerschein erhellt den nachtschwarzen Himmel über Berlin. Aus den Fenstern des "Adlon" kann man ihn sehen. Nur ein Steinwurf trennt das Fünf-Sterne-Hotel vom Epizentrum jenes politischen Erdbebens, das die noch junge Weimarer Republik erschüttert.

Sonja Schadt (Josefine Preuß) und ihr Geliebter Julian Zimmermann (Ken Duken) verfolgen es. Einige Tage zuvor ist das schwarze Zimmermädchen Galla (Thelma Buabeng), die Seele des Hotels Adlon, in ihren Armen gestorben. SA-Männer haben sie nachts auf offener Straße erschossen. Julian ahnt da schon, was noch kommt.

Er ist Jude. "Der Reichstag brennt", murmelt er tonlos. Es ist der dramatische Höhepunkt der Familien-Saga "Das Adlon", die seine Zuschauer tief in einen Sog zieht.

Bewegte Vergangenheit

Das Adlon wurde 1907 als erstes Luxus-Hotel der Hauptstadt eröffnet. In seiner Geschichte verdichtet sich die Geschichte der Bundesrepublik. Fünf Systeme in 90 Jahren: Kaiserzeit, Weimarer Republik, Drittes Reich, DDR. Und am Ende die wiedervereinigte Bundesrepublik. Hollywood-Regisseur Uli Edel ("Letzte Ausfahrt Brooklyn") und Drehbuchautorin Rodica Döhnert haben Fiktion und Historie elegant miteinander verwoben.

Die bewegte Vergangenheit des Hotels wird in der Retrospektive aus der Sicht einer 93-Jährigen erzählt, deren Leben untrennbar mit dem Hotel verbunden ist: Sonja Schadt (Rosemarie Fendel). Sie und ihre Familie sind fiktive Figuren, der rote Faden, den man braucht, um einen Bogen über drei Generationen hinweg zu spannen.

Im ersten Teil begegnet man Sonja als Säugling. Sie kommt als uneheliche Tochter der 16-jährigen Alma (Maria Ehrich) zur Welt. Ihre Großeltern geben sie als ihr eigenes Kind aus, um einen Skandal zu vermeiden. Die Schadts sind Geschäftsfreunde der Adlons. Gustav Schadt (Thomas Thieme) hilft dem Adlon-Gründer Lorenz (Burghart Klaußner), sich seinen wahnwitzigen Traum von einem Palazzo Prozzo zu erfüllen. Er hat ein Vermögen in den deutschen Kolonien verdient und bringt jenes weltläufige Savoir-vivre mit, das so ein Haus dringend braucht.

Zwischen Liebe und Vernunft

Arbeitslosigkeit, Armut, Inflation: Sie müssen draußen bleiben. Das Adlon ist ein Kosmos für sich - mit Liebe, Lügen, Intrigen, Geheimnissen. Wenn die Realität in den Film bricht, dann mit voller Wucht, in Form von schwarz-weißen Aufnahmen aus der "Wochenschau". Sie zeigen Heerscharen von Arbeitslosen. Irgendwann marschieren sie mit Hakenkreuz-Banner durch die Straßen.

Spätestens an dieser Stelle zeigt sich, warum der Film nicht ohne fiktionale Figuren auskommt. Sonja Schadt ist das Bindeglied zwischen dem Hotel und der Welt da draußen. Josefine Preuß, bekannt aus der ARD-Vorabendserie "Türkisch für Anfänger" trägt Teil II und III in dieser Rolle fast ganz allein.

Sie ist hin- und hergerissen zwischen ihrem jüdischen Ehemann und ihrem Job als Rundfunksprecherin, zwischen Liebe und Vernunft - und am Ende auch zwischen den politischen Systemen. Und doch hält sie auch nach dem Zweiten Weltkrieg die Stellung im Adlon, als Deutschland längst in zwei Teile zerbrochen ist und vom Hotel nicht viel mehr übrig geblieben ist als die Erinnerung an einen schönen Traum.

Dreiteiler in Hollywood-Manier

Kameramann Hanno Lentz hat ihn in opulente Bilder getaucht. "Na los, spiel doch was", befiehlt Hedda Adlon (Marie Bäumer) einem Hotelpagen, der sein Grammophon bei den ersten Bombenangriffen auf Berlin 1940 in den Keller des Hotels geschleppt hat.

"Wir wollen nicht nur Bombenlärm hören." Vornehm geht die Welt zugrunde - und mit ihr das "Adlon".

Zehn Millionen Euro hat der Dreiteiler gekostet. Die Investition hat sich gelohnt. Ein Dreiteiler, der sich der Tricks des Hollywood-Kinos bedient, um dem Zuschauer scheinbar beiläufig eine Lektion in deutscher Geschichte zu erteilen, hat noch gefehlt.

Teil 2 und 3 laufen am 7. und 9. Januar jeweils um 20.15 Uhr im ZDF.

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