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Fernsehpreis: „Wir haben noch nie so viel gelacht“

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Mareile Höppner küsst ein Foto von Dirk Bach. Foto: Stefan Worring
Die Gala zur Verleihung des Deutschen Fernsehpreises kann als gelungen betrachtet werden: Etwas halbherzig fiel allerdings die Ehrung des verstorbenen Entertainers Dirk Bach aus. Bei den Preisträgern gab es keine Überraschungen - bis auf eine.  Von
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Köln

„Danke Dirk“ stand auf den Stickern, die sich viele der Gäste beim Deutschen Fernsehpreis aufgeklebt hatten. Nur einen Tag vor der Verleihung war der 51-Jährige gestorben und es war im Vorfeld der Gala die meist diskutierte Frage gewesen, wie das ZDF mit diesem Tod umgehen würde. Die Verantwortlichen entschieden sich für eine halbherzige Lösung. Zwar erinnerte Gastgeber Oliver Welke  direkt zu Beginn und auch noch einmal in der Mitte der Veranstaltung an den „größten kleinen dicken Mann, den wir kannten.“ Nicht viele könnten von sich behaupten, von so unterschiedlichen Altersgruppen so sehr geliebt zu werden wie Dirk Bach. Er sei nicht nur unglaublich warmherzig gewesen, mit ihm habe man "immer auf höchstem Niveau lästern und albern sein" konnte. Sein Tod bedeute einen Verlust, "den man weder menschlich noch künstlerisch wettmachen kann".

Würdige Worte, keine Frage und Welke trug sie auch angemessen vor. Gleichzeitig hätte man sich aber gewünscht, dass ein Film, ein Zusammenschnitt von Bachs beruflichem Schaffen gezeigt worden wäre. So stand Welke vor einer Leinwand, auf der einige Fotos gezeigt wurden. Das ist schade, denn an einem Abend, der gutes Fernsehen würdigen soll, wäre es nur folgerichtig gewesen, dem Lebenswerk des Kölner Schauspielers und Komikers mehr Raum zu geben.

Ansonsten inszenierte das ZDF eine in weiten Teilen kurzweilige Verleihung. Oliver Welke und sein Co-Moderator Olaf Schubert überzeugten und erhielten von Preisträger Joko Winterscheidt sogar Lob auf der Bühne: „Wir haben noch nie so viel gelacht beim Deutschen Fernsehpreis.“ Auch in diesem Jahr hatte die Verleihung allerdings einige Längen. Die Abfolge Laudator, Einspielfilm, Preisverleihung bietet eben wenig Abwechslung. Gut wurde die Show immer dann, wenn die Beteiligten sich selbst und ihre Branche nicht zu ernst nahmen. So frotzelte Oliver Welke, die Suche nach dem neuen „Wetten, dass..?“-Moderator sei ein würdevoller Prozess geworden: „Markus Lanz hat den Job dann beim Wichteln auf der ZDF-Weihnachtsfeier gewonnen.“

Stehlampe mit Gesicht

Höhepunkte waren mehrere Einspielfilme, die den starren Ablauf auflockerten. Martina Hill, die später für ihre Sat.1-Reihe „Knallerfrauen“ den Preis in der Kategorie Comedy gewann, überzeugte in einer „Tatort“-Parodie in einer Doppelrolle als neues Ermittlerduo Daniela Katzenberger und Renate Künast. Schön auch die Szene, in der „Soko Leipzig“-Ermittler Marco Girnth die Leiche in ein Auto mit ZDF-Logo schafft und sagt, beim Zweiten ginge der Tote noch als Zuschauer durch. Auch Oliver Kalkofe erhielt viel Beifall, als er böse Verwünschungen aussprach gegen die Verantwortlichen von Formaten wie „Schwer verliebt“, die Menschen, die gar nicht begreifen, was da mit ihnen geschieht, systematisch bloßstellen. Und auch „heute show“-Kommentator Gernot Hassknecht sorgte für einen Höhepunkt, als er sich darüber ausließ, dass die Budgets immer weiter gesenkt werden und häufig Laiendarsteller Schauspieler ersetzen: „Warum nehmt ihr nicht gleich eine Stehlampe und malt ein Gesicht drauf?“

Bei den Preisträgern gab es kaum Überraschungen. Einzig der Förderpreis für Philipp Käßbohrer und Matthias Schulz für die Produktion von "Roche & Böhmermann" (ZDFkultur) kam gänzlich unerwartet. Bester Schauspieler wurde Wotan Wilke Möhring, den Preis für die beste Schauspielerin teilten sich Barbara Auer und Ina Weisse. Bester Fernsehfilm wurde „Das Ende einer Nacht“, in dem die beiden Richterin und Verteidigerin in einem Prozess wegen Vergewaltigung spielen. Tiefpunkt der Show war leider die Verleihung des Ehrenpreises an Frank Elstner. Laudator Norbert Blüm hatte sichtlich Probleme, vom Teleprompter abzulesen, verhaspelte sich mehrfach und machte so den Moment kaputt, der eigentlich der Höhepunkt der Verleihung sein sollte.

Der Deutsche Fernsehpreis wird seit 1999 gemeinsam von ARD, ZDF, RTL und Sat 1 verliehen. Die Jury vergibt Preise in bis zu 16 Kategorien, ausgezeichnet werden Fiction- und Non-Fiction-Sendungen, Information, Unterhaltung und Sport.

Die Preisträger des Deutschen Fernsehpreises 2012:

  • Beste Schauspielerin: „Barbara Auer“ und „Ina Weisse“ aus „Das Ende einer Nacht“
  • Bester Schauspieler: „ Wotan Wilke Möhring“ aus „Der letzte schöne Tag“
  • Bester Fernsehfilm: „Das Ende einer Nacht“ (ZDF)
  • Bester Mehrteiler : „Der Mann mit dem Fagott“ (Udo Jürgens)
  • Beste Serie: „Der letzte Bulle“ (Henning Baum)
  • Beste Dokumentation: „Nine Eleven“ (ZDF)
  • Beste Reportage: „ZDFzoom: Mr. Karstadt“ (ZDF)
  • Beste Information: „Stern TV“ (RTL)
  • Beste Sportsendung: „Für ihre Spielanalysen zur Fußball-Europameisterschaft“ (ARD) Matthias Opdenhövel und Mehmet Scholl
  • Beste Unterhaltung Doku/Dokutainment: „Cover my Song“ (Vox)
  • Beste Comedy: „Knallerfrauen“ (Sat.1)
  • Fernsehpreis für Besondere Leistungen: Bereich Fiktion: Hermann Joha Bereich Information: Stephan Lamby Bereich Unterhaltung: Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt
  • Ehrenpreis der Stifter fürs Lebenswerk: Frank Elstner
  • Förderpreis (15.000 Euro): Bildundtonfabrik (Philipp Käßbohrer und Matthias Schulz) für „Roche & Böhmermann“

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