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Genie und Wahnsinn: Ungewohnter Münchener „Tatort“

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Der Neue ist irgendwie seltsam: Gisbert Engelhardt (Fabian Hinrichs v.l.) nervt Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl). Foto: BR
Da ist zum einen ein neuer Kollege, der wie die Karikatur eines Fernsehpolizisten wirkt. Seine gewagten Hypothesen jedoch haben es in sich. Und da ist die eigentümliche Spannung, die sich aufbaut und sich am Ende nicht lösen kann, da diese eher neue Fragen aufwirft.  Von
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Der Neue nervt. Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslav Nemec) müssen den Tod einer 14 Jahre alten Schülerin aufklären, die auf dem Nachhauseweg verschleppt, vergewaltigt und ermordet wurde. Doch zu Beginn des neuen „Tatort“ aus München „Der tiefe Schlaf“ sind sie vor allem mit ihrem jungen Kollegen Gisbert Engelhardt (Fabian Hinrichs) beschäftigt. Der Technikfreak soll das Duo unterstützen, fällt aber vor allem durch seinen Übereifer auf. „Ich verspreche es Ihnen: Wir finden den Mörder!“, sagt er der Mutter des Opfers und wirkt in diesem Moment wie die Karikatur eines Fernsehpolizisten.

Der stiere Blick, das Fingertrommeln – die Figur hätte leicht zum Abziehbild für einen verschrobenen Ermittler werden können. Doch Fabian Hinrichs gelingt es auf beeindruckende Weise, den jungen Polizisten zu einem vielschichtigen Charakter zu machen. Irgendwo zwischen Genie und Wahnsinn bewegt sich dieser Gisbert Engelhardt. Er wirkt wie ein Getriebener, kann nicht lange stillstehen, ihm fehlt das Feingefühl für den Umgang mit Menschen. Gleichzeitig spürt man, dass sich hinter alldem eine große Verletzlichkeit und die Sehnsucht nach Anerkennung verbirgt. Und trotz aller Macken ahnt der Zuschauer früh, dass Gisberts auf den ersten Blick gewagte Hypothesen zu Tathergang und Mörder den Kern zur Lösung des Falls bergen.

Wie ein altes Ehepaar

Stehen anfangs die üblichen Sticheleien und Witzchen zwischen dem an ein altes Ehepaar erinnernden Ermittlerduo Leitmayr und Batic im Vordergrund des Films, kippen Handlung und Stimmung nach einer Stunde radikal und völlig unerwartet. Als die beiden den jungen Kollegen aus ihrer Abteilung wegloben möchten, fleht der um eine letzte Chance, sich zu beweisen, und löst durch seinen Tatendrang eine Katastrophe aus.

Regisseur Alexander Adolph, der schon in seinem Dokumentarfilm „Die Hochstapler“ ein feines Gespür für neurotische Figuren am Rande der Gesellschaft zeigte, ist ein außergewöhnlicher „Tatort“ gelungen. Besonders der gezielte Einsatz von Tönen sorgt für Spannungsmomente. Mal rauscht der Wind, dann brummt ein Motor, und Gisbert gelingt es, aus einer Anrufbeantworteraufnahme den Atem des Mörders herauszufiltern.

„Der tiefe Schlaf“ baut – besonders in der zweiten Hälfte – eine eigentümliche Spannung auf, der man sich schwer entziehen kann und die auch nach Ende des Films weiterwirkt. Vor allem, weil Regisseur Adolph, der auch das Drehbuch geschrieben hat, sich getraut hat, dem Zuschauer ein Ende zuzumuten, das mehr neue Fragen aufwirft, als dass es alte beantworten würde.

Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

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