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Heiner Lauterbach: „Einmal Kölner, immer Kölner“

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Glücklich wie noch nie: Heiner Lauterbach. Foto: Olivier Favre
Heiner Lauterbach hat den Ruf, ein Macho zu sein. Nicht ganz zu unrecht. Doch der Schauspieler hat auch seine sanften Seiten. Die offenbaren sich auch bei seiner Liebeserklärung an seine Heimatstadt Köln. Ein Interview.  Von
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Herr Lauterbach, in Ihrem neuen Buch gibt es die klassischen Klischees: Frauen haben keine Ahnung von Fußball und können nicht Auto fahren.

Heiner Lauterbach: Ich habe nicht gesagt, dass Frauen keine Ahnung von Fußball haben. Ich unterhalte mich auch mit Frauen wahnsinnig gerne über Fußball, wenn sie etwas davon verstehen. Ich rede nämlich gerne über Fußball, egal, mit wem, er muss nur wissen, wovon er spricht. Das hat nichts mit dem Geschlecht zu tun. Im Durchschnitt haben einfach mehr Männer Ahnung von Fußball als Frauen, und es ist auch so, dass im Durchschnitt die Männer, mit denen ich gefahren bin, die besseren Autofahrer waren. Es gibt ja auch tausend Sachen, die Frauen besser können.

Ist es Ihnen egal, wenn man Sie nach solchen Aussagen als Macho bezeichnet?

Lauterbach: Ja, mir ist das egal. Ich kenne meine Einstellung zu den Dingen. Das ist wie mit dem Rassismus. Ich kann sagen, dass ein Schwarzer für mich ein Arschloch ist, wenn es so ist. Ich bin kein Rassist, ich weiß das. Und so ist das mit Frauen auch. Ich mag Frauen gern, ich habe auch nichts dagegen, wenn Frauen über Männer so reden, weil sie oft recht haben. Man darf nichts verallgemeinern, weil das Quatsch ist. Diese Mann-Frau-Geschichte ist doch mehr ein Spiel und nicht böse gemeint. Und Frauen ein bisschen zu ärgern kann auch nicht schaden, die ärgern mich ja auch pausenlos.

„Nicht über das Publikums nachdenken“

Denken Sie darüber nach, wie bestimmte Äußerungen bei Ihrem Publikum ankommen?

Lauterbach: Man sollte, wenn man ein Buch schreibt oder einen Film macht, nicht über den Geschmack des Publikums nachdenken, geschweige denn versuchen, es ihm recht zu machen. Insofern nehme ich es billigend in Kauf, wenn der ein oder andere etwa meinen Humor nicht teilt. Ich kann kein verwaschenes Buch schreiben, nur um in kein Fettnäpfchen zu treten.

Das ist Ihre zweite Biografie, sie werden bald 60. Wenn Sie zurückblicken, was würden Sie heute anders machen?

Lauterbach: Darüber denke ich nicht ernsthaft nach, weil ich weiß, dass ich in die Situation ohnehin nicht kommen werde. Natürlich macht man viele Fehler im Leben. Aber ich bin an einem Punkt im Leben, an dem ich glücklich bin mit der Situation, so wie sie jetzt ist – beruflich und privat. Und man weiß ja nie, wo man stünde, wenn man alles richtig gemacht hätte. Vielleicht wäre ich dann heute gar nicht so glücklich.

Sie geben auch Einblick in Ihr Privatleben. Wird es Ihren Kindern nicht irgendwann unangenehm sein, dass jeder nachlesen kann, wie bei Ihnen der Sonntagmorgen abläuft?

Lauterbach: Ich glaube nicht, dass ich Kinder in die Welt gesetzt habe, die sich eines Tages darüber beschweren werden, dass ich geschrieben habe, wie man Rührei macht. Ich habe über keinen schlecht geschrieben – außer über mich selbst.

Sie haben ja ein eher gespaltenes Verhältnis zur Presse. Ist es klug, dann sein Privatleben in einem Buch zum Thema zu machen?

Lauterbach: Als ich mit meiner Karriere angefangen habe, war mir alles egal. Und so bin ich auch mit der Presse umgegangen. Ich bin mit denen einen trinken gegangen, hab viel gequatscht, und am Ende stand es dann in der Zeitung. Insofern muss ich mir darüber keine Gedanken mehr machen. Mein Zug ist, was die Öffentlichkeit angeht, abgefahren.

„Ich bin nicht missionarisch unterwegs“

Sie beschreiben, wie es Ihnen gelang, mit dem Trinken und Rauchen aufzuhören. Da klingt man schnell wie ein Moralapostel.

Lauterbach: Ich habe versucht, das mit einer entsprechenden inneren Haltung zu umschiffen. Ich bin überhaupt nicht missionarisch unterwegs, war ich noch nie. Ich mag das übrigens selbst auch nicht, wenn jemand so tut, als hätte er das Rad neu erfunden. Deshalb beginne ich ja auch fast jeden Satz mit „ich glaube“, „ich meine“. Aber es geht nun mal in großen Teilen darum, wie meine Ansichten sind und wie ich etwas gemacht habe.

Wie würden Sie reagieren, wenn Ihre Kinder sich in der Pubertät ähnlich verhalten würden wie Sie damals?

Lauterbach: Man darf das ja nicht laut sagen, aber ich habe mir als Kind vorgenommen, dass ich meinen Kindern später nie Stress wegen der Schule machen werde, weil ich das selbst so furchtbar fand. Daran habe ich mich gehalten. In anderen Dingen wäre ich anders. Nicht, weil ich grundsätzlich ablehnen würde, dass sie etwa mal eine Droge ausprobieren, sondern weil ich bei ihnen nicht unterstellen könnte, dass sie das gleiche Glück im Leben haben wie ich.

In Ihrem Leben hat sich vieles zum Guten gewendet. Sie schreiben aber, dass der Job härter geworden sei.

Lauterbach: Ja, und die Entwicklung ist furchtbar, man weiß gar nicht, wo das enden soll. Früher hatte man für ein Format wie den „Tatort“ vielleicht 35 Drehtage, heute sind es noch 20. Und dann noch diese Quotenhysterie, die da vorherrscht. Das ist keine schöne Entwicklung.

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Macht es denn einen Unterschied, ob man für die Öffentlich-Rechtlichen oder die Privaten einen Film dreht?

Lauterbach: Nein, da gibt es keinen Unterschied, wobei die Öffentlich-Rechtlichen diesen Druck ja gar nicht verspüren müssten. Ich war nie ein Freund von Leuten, die nur Filme für ihre Freunde machen und die sonst keiner sehen will. Ein Film sollte natürlich auch ein breiteres Publikum ansprechen. Aber gerade die Öffentlich-Rechtlichen sollten doch einem gewissen Bildungsauftrag folgen und nicht bedingungslos der Quote hinterherhetzen.

Begeistert von Köln

Wieso haben Sie Ihr Glück denn nie im Ausland gesucht?

Lauterbach: Jeder Schauspieler denkt wohl mal drüber nach, wie es wäre, in Hollywood zu arbeiten. Ich habe auch Filme auf Englisch gedreht und schnell festgestellt, dass ich am liebsten in meiner Muttersprache arbeite. Natürlich würde ich für einen guten Film jederzeit nach Amerika gehen. Aber es stellt sich bei mir nicht der paralysierende Effekt ein, wenn ich das Wort Hollywood höre. Das letzte Ziel unseres Schaffens ist, dass wir glücklich sind im Leben. Und ob es wirklich zum Glück führt, in Hollywood Karriere zu machen? Ich weiß es nicht. Ich sitze auf jeden Fall nicht mit der Hand am Telefonhörer zu Hause.

Sie bezeichnen sich immer noch als Kölner, dabei leben Sie doch schon lange in Bayern. Was gefällt Ihnen daran, Kölner zu sein?

Lauterbach: Einmal Kölner, immer Kölner, das sieht man doch am Poldi. Den Rheinländer macht sein Herz, das er auf der Zunge trägt, aus. Er ist gesellig, kontaktfreudig und teilweise sehr witzig. Ich habe noch nie von jemandem, der nach Köln gezogen ist, gehört, dass er nicht begeistert ist von der Stadt. Das liegt nur an den Menschen. Ich mag Köln gerne. Aber wahrscheinlich kann man es so heftig wie ich nur lieben, wenn man nicht mehr hier wohnt.

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