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Journalismuspreis für Irene Meichsner

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Bild: Rakoczy
Irene Meichsner

Hinschauen, wo etwas nicht stimmt. Die Journalistin wird für ihre Fachkenntnis und Themenvielfalt ausgezeichnet.

Montags ist unser Natur- und Wissenschaftstag. Denn jeden Montag kommt Irene Meichsner in die Redaktion des „Kölner Stadt-Anzeiger“, um die tags darauf erscheinende Seite „Natur und Wissenschaft“ zu produzieren - hinter sich zieht sie zuverlässig einen Einkaufswagen, der das Nötige birgt: Papiere und CDs, auf denen Fotos für ihre Seiten gespeichert sind; Bücher, mit deren Hilfe sie die Artikel ihrer Autoren weiter anreichert. Dieser Einkaufswagen ist Irene Meichsners rollende Bibliothek, passend zu einer Person, die selbst etwas Enzyklopädisches verströmt.

Für ihre Fachkenntnis und die „Vielfalt ihrer Themen“ wird die 1952 in Bonn geborene Journalistin nun mit dem Georg-von-Holtzbrinck-Preis geehrt, der wohl renommiertesten Auszeichnung für Wissenschaftsjournalismus in Deutschland. In „vorbildlicher Weise“, so die Jury, trage die von der Autorin betreute Seite dazu bei, „die breite Öffentlichkeit für die Wissenschaft zu interessieren“.

„Landläufig gilt der Wissenschaftsjournalist als Übersetzer“, sagt Irene Meichsner - einer, der dem Laienpublikum irgendwie verständlich machen soll, was die Physiker, Chemiker und Mediziner in ihren Laboren heraus finden und in rätselhaften Formeln niederlegen. Irene Meichsners Auffassung ihres eigenen Berufs ist dies nicht: Sie will hinschauen, „wo was nicht stimmt“. Sie will Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden, kritisch sein und - sie sagt das große Wort - „Aufklärung betreiben“.

Und natürlich bleibt sie dabei anschaulich und verständlich, wie es nun auch die Preisjury rühmt. Ihren Anspruch, das Denken in möglichst präzise Bahnen zu lenken, führt Irene Meichsner auf ihr Studium der Philosophie zurück, das sie in Köln und Freiburg absolvierte und mit einer Dissertation über die „Logik von Gemeinplätzen“ beschloss. Philosophische Themen führten sie auch zum Journalismus und zum „Kölner Stadt-Anzeiger“: Man schrieb das Jahr 1981 als die Kulturredaktion dieser Zeitung jemanden suchte, der über einen Vortrag Helmut Schmidts über „Kant und die Reine Vernunft“ zu schreiben imstande war. Die damalige Studentin erwies sich als kompetente Schreiberin, und seither wurde man beschieden: „Frau Meichsner macht bei uns die Philosophie.“ Und Theaterkritiken machte sie auch, und überhaupt Themen aus der Kultur. „Ich halte es für einen Vorteil, kein Fachmann zu sein“, sagt sie - sich immer wieder neu hinein zu wühlen in Fragen und Probleme, ganze Aktenordner mit Erkenntnissen anzufüllen, das ist ihr Drang. Und am Ende dann doch die Fachfrau Irene Meichsner zu sein. Die etwa durch ihre Mitarbeit an Fernsehbeiträgen zum Blut-Aids-Skandal dafür sorgte, dass der Bundestag einen Untersuchungsausschuss einrichtete. Der Weltraum und die Grippe, die Gene und der Haarausfall, all das stößt auf ihr Interesse. All das findet in ihrem Einkaufswagen Platz.

Der Georg-von-Holtzbrinck-Preis in der Kategorie „Elektronische Medien“ geht an den Kölner Ralf Krauter, zwei Sonderpreise bekommen Peter Lustig („Löwenzahn“, ZDF) und Armin Maiwald („Die Sendung mit der Maus“, WDR).

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