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Maischberger: Wo die Liebe fehlt, kommt die Sucht

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Sandra Maischberger. Foto: Archiv
„Menschen bei Maischberger“ hat sich diesmal dem Thema „Sucht“ gewidmet. Warum werden wir süchtig, wie kommen wir aus der Abhängigkeit wieder heraus. Fazit der Runde: Sucht ist letztlich eine Folge von fehlender (Selbst-)Liebe.  Von
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Köln

Wer immer selbst eine Sucht durchlitten hat, wer immer einen süchtigen Menschen gekannt hat, der wird bestätigen: Für die Betroffenen (und auch die Angehörigen) hat das Leben seinen eigentlichen Sinn verloren.

Bundesweit sind mehrere Millionen Menschen von einer Substanz oder irgendeinem Verhalten abhängig, auf die oder das sie nicht verzichten können. Andernfalls durchleiden sie eben körperliche oder seelische Qualen. Sandra Maischberger nannte in ihrer Talkrunde hier die Zahl von 90 Prozent der Deutschen, die betroffen sind.

Lassen wir für einen Moment die Zahlen beiseite, kommen wir zu einer Sendung über die „geliebte, gehasste Sucht“, die sicherlich zu den guten, wenn nicht sehr guten im Talkrunden-Karussell gehörte.  Hier wurde eben nicht auf dieses abgedroschene „Sex, drugs and Rock n’ Roll“-Muster zurückgegriffen, von dem oft Beiträge zum Thema Drogen und Rausch geprägt sind.

Da saßen keine eitlen Selbstdarsteller auf dem Sofa, die Gäste waren erschreckend „normal“. Auch wenn sie wie der Schauspieler Markus Majowski (alkohol- und kokainsüchtig) oder der frühere T-Mobil-Manager Christian Frommert (magersüchtig) ihre Krankheit und deren Geschichte schon in Buchform öffentlich gemacht haben.

Frommert wog 39 Kilogramm

So ähnlich bestimmte Muster bei der Ausbildung der Sucht sind, so unterschiedlich erleben wir aber ihre nach außen sichtbare Erscheinung, was eben an Frommert und der esssüchtigen Praxismanagerin Sabine Stillger festzumachen ist. Da der Manager, der auf seinem Tiefpunkt 39 Kilogramm wog (bei einer Körpergröße von 1,84 Metern), dort Sabine Stillger, die bei ihren Essattacken Butter mit dem Löffel oder tiefgefrorene Torten zu sich genommen hat. 800 Kilo hat die Kölnerin nach eigenen Angaben im Laufe ihres Lebens zu- und wieder abgenommen.

Frommert übrigens hatte sich eigens einen Laborlöffel besorgt, mit dem er wohlportioniert einen Apfel über den Tag verteilt aß. Jedes Gramm Zunahme wurde sofort mit extremen Sportsessions (bis zu drei Stunden) „bestraft“. Sein Kommentar, der allerdings auch noch für heute zutrifft: „Essen lässt mich kalt.“ 

Beim Dünnen wie der Dicken gab es aber auch Parallelen: Fehlende Selbstliebe. So formulierte  einer der führenden Suchtmediziner, der Wiener Professor Michael Musalek, die emotionale „Grundlage“ jeder Sucht. „Man sieht sich anders“, umschrieb er ein Sucht-Merkmal, das Christian Frommert und Sabine Stillger auf drastische Weise belegten. Als Sandra Maisberger dem Kommunikationsberater Bilder von früher, auf dem er ausgesprochen attraktiv aussah,  und ein fast schon erbärmliches 39-Kilo-Porträt zeigte, befand Frommert: früher „zu dick“, beim anderen Foto monierte er lediglich die unordentlichen Haare.

Scham war schwächer als Sucht

Sabine Stillger wiederum berichtete, dass sie, als sie die 100-Kilo-Marke überschritt, „den Blick für mich vergessen“ habe. Als dann die Brille und eine Kosmetik-Allergie hinzukamen, hat sie sich völlig „aus dem Leben“ zurückgezogen. Vor lauter Scham aß sie oft im Auto.  Das Fatale: Die Scham war trotz allem immer schwächer als die Sucht.

Alle Gäste haben irgendwann, aber nie ohne Hilfe von außen, die Kurve gekriegt. Sabine Stillger („ich habe jetzt 50 Kilo weniger“) erzählt von einer „liebevollen“ Therapie, Zuneigung und Halt hat auch Frommert in seiner Freundin Stephanie Riechert gefunden. Auch er ist in Therapie, wiegt fast schon wieder 50 Kilo.

Für den Schauspieler Majowski (er wollte mit Kokain und Alkohol „das Schöne noch großartiger machen“) war ein Foto von seinem Drogenkonsum, mit dem er erpresst werden sollte, der Wendepunkt und der Schub, den Kampf gegen die Sucht aufzunehmen.

Was in der Sendung unspektakulär und dennoch eindringlich gezeigt wurde, war, wie vergleichsweise leicht man in eine Sucht reinrutscht, wie unendlich schwer es aber ist, sich wieder ins normale, freie Leben zurückzukämpfen. Wenn man denn ein Fazit, eine „Lebensweisheit“ aus der Abend mitnehmen kann, dann diese: Liebe dich selbst!

Das ist nicht mit Selbstverliebtheit zu verwechseln. Man soll sich selbst nie schlecht, sich nie vom Urteil der anderen abhängig machen, wobei ja häufig ein Gefühl von Schwäche und Wertlosigkeit entsteht.

 Am Ende steht dann der unabhängige Mensch.

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