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Neuer WDR-Intendant: Herkulesaufgabe für Tom Buhrow

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Der neue WDR-Intendant Tom Buhrow. Foto: dpa
Das Betriebsklima ist mies, die Vormachtstellung innerhalb der ARD in Gefahr - auf den neuen WDR-Intendanten Tom Buhrow wartet ein Berg an Herausforderungen. Bei wichtigen Personalentscheidungen ist Diplomatie gefragt.  Von
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Köln

Die Jobbeschreibung klingt nüchtern: „Die Intendantin oder der Intendant leitet den WDR selbstständig, trägt die Verantwortung für die Programmgestaltung und für den gesamten Betrieb der Anstalt und hat dafür zu sorgen, dass das Programm den gesetzlichen Vorschriften entspricht.“ Außerdem vertritt er den WDR gerichtlich und außergerichtlich und schlägt dem Rundfunkrat die Wahl beziehungsweise Abberufung der Direktorinnen und Direktoren vor. In vier knappen Punkten beschreibt Paragraf 25 des WDR-Gesetzes das Aufgabenfeld des Chefs der größten Rundfunkanstalt Kontinentaleuropas.

Das klingt nach einer lösbaren Aufgabe. Doch wenn Tom Buhrow in wenigen Wochen die Nachfolge von Monika Piel antritt, wird sich vor ihm ein Berg an Problemen und Herausforderungen auftürmen, der kaum zu erklimmen ist. Denn der WDR, den viele Zuschauer vor allem als Anbieter von Fernseh- und Hörfunkprogrammen wahrnehmen, ist viel mehr als eine Rundfunkanstalt. Er ist ein riesiges Unternehmen mit einem Milliardenbudget und rund 15 000 festen und freien Mitarbeitern. Und er ist eingebettet in den Senderverband der ARD.

Wichtige Personalentscheidungen

Auf den neuen Intendanten kommen somit zwei große Aufgabenfelder zu. Er muss zum einen den WDR als eigenständigen Sender leiten. Da die Findungskommission des Rundfunkrats sich entschieden hatte, externe Kandidaten vorzuschlagen, erfordert dieser Teil hohes diplomatisches Geschick. Zwar ist Buhrow im öffentlich-rechtlichen System sozialisiert worden, kennt sich also mit dessen Gepflogenheiten bestens aus. Doch er kehrt nach einer langen Abwesenheit zum WDR zurück und ist somit nicht vertraut mit aktuellen Seilschaften und Antipathien.

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Dabei stehen im WDR wichtige und wegweisende Personalentscheidungen an. Im kommenden Jahr werden sowohl der Posten des Fernsehdirektors als auch der des Hörfunkdirektors neu zu besetzen sein. Natürlich bringen sich mögliche Kandidaten schon jetzt in Stellung. So ist zu hören, dass Einslive-Wellenchef Jochen Rausch schon seit längerem darauf hinarbeite, den Posten von Wolfgang Schmitz zu übernehmen. Heikel ist für den neuen Intendanten auch, dass er möglichen hausinternen Bewerbern vorgezogen wurde.

Da keiner der drei Bewerber auf der Wunschliste der WDR-Mitarbeiter ganz oben stand, bezeichneten manche diese Auswahl etwa für Chefredakteur Jörg Schönenborn als Schlag ins Gesicht. Nun wird bereits gemunkelt, Schönenborn könnte im nächsten Jahr Verena Kulenkampff als Fernsehdirektorin beerben. Für Buhrow wird es wichtig sein, niemanden zu verprellen und gleichzeitig geeignete Kandidaten zu finden.

Keine gute Streitkultur

Sorgen machen sollte dem neuen Intendanten auch die Stimmung im Sender. Galt der WDR früher als ausgesprochen diskussionsfreudig, sprechen heute viele von einem Klima der Angst. Der Streit über die Reform von WDR 3, juristische Auseinandersetzungen mit Mitarbeitern wie im Fall Klaus Martens und die Streitigkeiten der alten – inzwischen gab es eine Neuwahl – Redakteursvertretung mit der Intendanz haben gezeigt, dass es um eine faire Streitkultur auf Augenhöhe im WDR nicht gut bestellt ist.

Ein Thema wird auch das Projekt „Radio 2020“ sein. Redaktionen, Sende- und Produktionstechnik sollen künftig in den Hörfunkwellen näher zusammenrücken, deshalb ist in den WDR-Gebäuden in der Innenstadt das große Stühlerücken losgegangen. So soll ein trimedialer Newsdesk in den WDR-Arkaden die Arbeit in der digitalen Welt verbessern. Den Veränderungen der Medienwelt durch das Internet richtig zu begegnen sei die größte Herausforderung für ihn, sagte Buhrow.

Verbesserungswürdig ist auch das WDR-Programm. Galt der Sender früher besonders im Bereich Unterhaltung als innovativ, dümpelt diese Sparte seit Jahren vor sich hin. Und der WDR muss dringend versuchen, Formate zu finden, die auch junges Publikum ansprechen. Und nicht zuletzt wird sich Buhrow um einen strikten Sparkurs bemühen müssen.

Pile bewies wenig Geschick

Doch auch innerhalb der ARD muss sich der neue Intendant behaupten. Der WDR ist der größte Sender, gibt das meiste Geld und war immer der Erste unter Gleichen. In den vergangenen zwei Jahren hatte er zudem den ARD-Vorsitz inne. Eine Aufgabe, bei der Monika Piel nach einhelliger Meinung wenig Geschick bewies.

Ob das „Gottschalk live“-Desaster, der Streit mit den Verlegern über die „Tagesschau“-App, die endlosen Diskussionen über die Anzahl der Talkshows, die Reduzierung der Digitalkanäle und einen Jugendsender und nicht zuletzt die Vorbereitung auf die Einführung des neuen Rundfunkbeitrags: Bei keinem dieser Punkte konnte sie Erfolge aufweisen.

Für ihren Nachfolger wird es nun darum gehen, den WDR wieder zum Zugpferd der ARD zu machen.

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