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RTL II: Sonja Zietlow mit neuer Show

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Tiere gehen immer, wenn man nett rüberkommen will. Sonja Zietlow in ihrer neuen Sendung.  Foto: Getty Images
Sonja Zietlow hat ihr Image, dass sie sich gut zwölf Jahre lang bei RTL aufgebaut hat, satt. Mit einer neuen Show will sie das Bild von ihr, das von Shitparaden und Dschungelcamp geprägt ist, endlich ablegen und ein bisschen menschlicher werden.  Von
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Eigentlich ist sie ganz anders. Sie kommt bloß kaum dazu. Das Fernsehen, dieser Zoo, hat sie als Wärterin zu den exotischen Viechern gesteckt. Eine platinblonde Frau, die blutige Brocken mit einer fröhlichen Beiläufigkeit in den Käfig wirft, als wär's ein Gruß aus der Küche. Raubtierfütterung. Sonja Zietlow hat sich diese Rolle nicht ausgesucht.

Die Rolle hat sich sie ausgesucht. Tough, zielsicher und immer auf den Punkt. Eigenschaften, die sie in ihrem Leben vor RTL dafür qualifizierten, große Vögel von A nach B zu bringen. Da war sie noch Pilotin, abheben und wieder landen, das war ihr Job, nein, ihr Traum. Das hat sie mal in einem ihrer raren Interviews gesagt. „Irgendwann habe ich gemerkt, dass es relativ einseitig ist und man sein ganzes Leben lang dasselbe macht. Irgendwann sehen die Hotels alle gleich aus.“

Zur Person

Sonja Zietlow (45) wuchs in Bergisch Gladbach auf. Sie arbeitete als Pilotin bei der Lufthansa. Als Kandidatin einer Flirt-Show wurde sie fürs Fernsehen entdeckt. 1997 bekam sie mit „Sonja“ eine Talkshow auf Sat 1. Bekannt wurde sie 2004 mit der Moderation von „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“.

„Sonjas wunderbare Welt der Tiere“, RTL II, Sonntag, 16 Uhr.

RTL hat sie geerdet, vielleicht mehr, als ihr lieb war. Ein Zoo für Freaks und schräge Vögel. Dieser Sender ist seit zwölf Jahren ihr Revier. Sonja Zietlow begegnet den Insassen, wenn sie die Charts der Absonderlichkeiten moderiert, „Die zehn krassesten Beauty-Phänomene“ zum Beispiel. Oder: „Die 25 emotionalsten TV-Momente“. Es sind Shitparaden, keine Hitparaden.

Sie trifft darin dieselbe Klientel wie im „Dschungelcamp“. Verhaltensauffällig, schönheitsoperiert, RTL-geschädigt. Das Fernsehen frisst seine eigenen Kinder. Und sie reicht den Ketchup dazu. Man hätte sie jetzt, da sie es in einer Show richtig menscheln lässt („Sonjas Tierwelt“), gerne gefragt, ob sie dieses Image als Folterknecht des Privatfernsehens nicht spätestens seit dem überraschenden Tod ihres Co-Moderators Dirk Bach 2012 satt hat. Schrieb sie damals doch tief bewegt in einem Nachruf auf den geliebten „Dickie“: „Jeder Aufenthalt in Australien mit dir war eine Kur von allem, woran unsere Branche krankt.“

Doch auf ein Interview lässt sie sich nicht ein. Erst besteht sie darauf, dass man ihr die Fragen mailt. Dann sagt sie ab. Die Frau hat im IQ-Test bei ihrem Kollegen Günther Jauch mal mit einem Wert von 132 geglänzt. Sie wird gute Gründe haben. Das Publikum ist ein Hund, der frisst, was man ihm vorsetzt. Der Zuschauer differenziert nicht zwischen der Rolle und der Person der Moderatorin. Warum also sollte sie versuchen, irgendetwas klarzustellen? Zum Beispiel, dass die Spitzen gegen Ex-Ex-Ex-Prominente im „Dschungelcamp“ nicht von ihr stammen, sondern von ihrem Mann, dem Texter Jens-Oliver Haas. Das Publikum liebt oder hasst sie dafür. Als Giftschlange haben sie Kritiker abgestempelt, als Richterin Gnadenlos.

Es ist ein Image, mit dem sie bislang gut gefahren ist. Sonja Zietlow ist eines der wichtigsten RTL-Gesichter. Ein Pokerface, das kaum etwas preisgibt. Eine unmerklich hochgezogene Augenbraue, das ist bei ihr ein Gefühlsausbruch. Ein leiser Anflug von Spott. Die Frau ist bekannt dafür, dass sie auch dahin geht, wo es wehtut, zum Beispiel auch zur Bundeswehr.

In der vierteiligen Doku „Sonja wird eingezogen“ wechselte sie 2006 die Seite. Jetzt war sie es, die Staub schmeckte. Mit schwerem Gepäck auf dem Rücken robbte sie durchs Unterholz. So, als wollte sie zeigen: Ich kann auch anders. Mit ihrem Image hat sie schon damals gehadert. In einem Interview zu dem von ihr moderierten RTL-Möchtegern-Promi-Versenken „Entern oder Kentern“ rutschte es ihr heraus. „Am Ende werde ich wohl wieder die Böse sein.“
Mit ihrer neuen Show kann ihr das nicht passieren. Jetzt macht sie wahr, was sie auf ihrer Homepage verspricht: „Hereinspaziert! Es tut gar nicht weh! Eigentlich bin ich nämlich ganz nett.“ Sogar in ein Dirndl schlüpft die engagierte Tierschützerin und Besitzerin der Hunde Lila, Lotta und Rubio diesmal, um „auf dem zauberhaften Gut Aiderbichl bei Salzburg“ (RTL II) mit den übliche Verdächtigen wie Vera Int-Veen oder Sky Dumont Tipps für die

Frettchenpflege oder Erfahrungen mit verhaltensauffälligen Stubentigern auszutauschen. „Sonjas Welt der Tiere“ statt „Sitz, Platz, Aus!“ Das liebe Vieh als Therapeutikum. Man braucht keine Meise zu haben, um ihr die Wandlung abzukaufen, von der Saula zur Paula. Es kann aber auch nicht schaden.

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