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RTL-Show: Dschungelkönig liebt Kölnerin

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Idylle zum Schluss: Der neue Dschungelkönig Joey Heindle und seine Freundin Jackie. Foto: RTL
Man kann vom Dschungelcamp denken, was man will - entziehen kann man sich der RTL-Show kaum. Jeder dritte Fernsehzuschauer hat miterlebt, wie Joey Heindle zum Dschungelkönig gekrönt wurde und anschließend vor seiner Freundin kniete.  Von
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Köln

Es ist nicht gut gelaufen für RTL im vergangenen Jahr. Einstige Zugpferde wie „Deutschland sucht den Superstar“ oder „Das Supertalent“ haben ihre Strahlkraft eingebüßt, neue Serien- und Showformate taten sich schwer. Wie groß wird da die Erleichterung in Köln-Deutz sein, dass zumindest auf das Dschungelcamp immer noch Verlass ist. 8,76 Millionen schalteten am späten Samstagabend „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ ein. Jeder dritte, der zu dieser Zeit vor dem Fernseher saß, verfolgte, wie Joey Heindle von Sonja Zietlow und Daniel Hartwich zum Dschungelkönig gekrönt wurde. Das entspricht einem Marktanteil von 34,6 Prozent. Damit war „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ die mit Abstand beliebteste Sendung des Abends. Da ist auch Deutschlands Show-Dino „Wetten, dass..?“ nicht mehr weit.

Doch was macht den Erfolg einer Sendung aus, in der elf – oder in diesem Jahr – zwölf C- bis Z-Promis zwei Wochen lang um ein Lagerfeuer im australischen Regenwald hocken? Klar, in der ersten Staffel regten sich noch alle über Prüfungen auf, bei denen pürierte Käfer oder Känguruhoden verspeist werden mussten. Doch der Ekelgrad ist nun, in der siebten Staffel, hinlänglich bekannt. Und irgendwann gibt es auch keine Steigerung mehr.

Man kann sich der Show nicht entziehen

Dennoch ist es das vielleicht größte Glück für RTL, dass es der Show immer noch und immer wieder gelingt, zu polarisieren. Man kann das Dschungelcamp gut und unterhaltsam oder schrecklich und niveaulos finden. Man kann es mit ironischer Distanz schauen oder mit seinem Lieblingskandidaten mitfiebern. Man kann auch angewidert um- oder ausschalten. Eins kann man nicht: Man kann sich der Show nicht entziehen. Selbst, wer noch nicht eine Minute gesehen hat, redet mit. Es ist wie nach einem Verkehrsunfall: Jeder, der daran vorbeifährt, nimmt ihn wahr. Manche gucken, andere gucken bewusst weg. Ebenso verhält es sich mit dem Dschungelcamp. Jeder hat eine Meinung dazu. Es ist der Traum eines jeden Programmmachers.

Die Liebste kommt aus Köln

Joey Heindle konnte sein Glück kaum fassen: Als der 19-Jährige am Samstagabend von Sonja Zietlow und Daniel Hartwich zum Dschungelkönig gekürt wurde, stand plötzlich seine Freundin, die ihm auch schon einen Brief ins Camp geschickt hatte, vor ihm. Joey verschlug es die Sprache, er kniete spontan vor ihr und setzte ihr seine Krone auf: „Du bist meine wahre Dschungelkönigin.“ Dann setzte er sich mit Jacqueline auf den Thron.

Jacky Heinrichs ist Kölnerin. Die 18-Jährige ist die Enkeltochter des bekannten Kölner Unternehmers Peter Heinrichs. Dieser führt mit „Pfeifen Heinrich“ an der Kölner Hahnenstraße das bekannteste Tabakgeschäft der Stadt.

Dabei verkennen viele, die die Show wegen ihrer Ekelprüfungen stirnrunzelnd verdammen, dass es bei „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ vor allem um ein großes Experiment über das Verhalten von Menschen in Gruppen unter extremen Bedingungen geht. Zwei Wochen lang Tag und Nacht bewacht von Kameras im australischen Busch – ohne Uhr, Zeitungen, Bücher, Radio, Fernsehen oder irgendeine andere Ablenkung. Wer das Dschungelcamp guckt, kann viel lernen über menschliches Zusammenleben. Es gibt die, die sich aus allem heraushalten, die, die versuchen, die Bühne für ihren großen Auftritt zu nutzen. Manche wollen mit allen gut Freund sein, andere legen sich mit jedem an. Es sind die Lagerkämpfe und Zickenkriege, die den eigentlichen Reiz der Show ausmachen. Und das ist auch der Grund, warum sie auch in der siebten Staffel noch spannend ist.

Unvorhersehbare Gruppendynamik

Natürlich castet RTL einen Trupp selbstverliebter Ruhmsüchtiger zusammen, doch wie sich die Gruppendynamik entwickelt, kann niemand vorher absehen. Dragqueen Olivia Jones galt schnell als Favoritin der aktuellen Staffel. Abgeklärt, lustig und immer Herrin der Lage. Viele hätten ihr wohl schon nach wenigen Tagen die Krone aufs Haupt gesetzt. Doch dann war da noch Joey Heindle. Ein 19-Jähriger, dessen einzige Leistung bisher darin bestand, dass er in den „DSDS“-Liveshows mit seinem Gesang Dieter Bohlen aus dem Studio getrieben hatte. Naiv und nicht der Hellste, so war der Stempel, den man ihm verpasste. Doch dann geschah Überraschendes. Neben den besten Sprüchen – „Ich hab keinen Bock, dass ich morgen tot aufwache“, „Da werden Männerherzen feucht“, „Ich habe immer gedacht, das wird in den Kölner Studios gedreht“, „In meinem Kopf ist immer Karneval“ – fiel Joey vor allem durch sein freundliches Wesen auf.

Er taktierte nicht, er machte niemanden schlecht. Er ließ sich von Olivia erklären, was ein Transvestit ist, kämpfte sein Heimweh nieder und heulte herzerweichend, als er einen Liebesbrief seiner Freundin erhielt. Und schlich sich so Schritt für Schritt in die Herzen der Zuschauer. Am Ende konnte er sich mit 53 Prozent der Stimmen gegen Olivia durchsetzen.

In einer Unterhaltungssendung, der viele größtmöglichen Zynismus vorwerfen, hat ausgerechnet eine reine Seele gewonnen. Es sind diese Geschichten, die das Dschungelcamp auch in der achten Staffel zu einem Erfolg machen werden.

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