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Stiftung für Lokaljournalismus: NRW plant mit Professur ab 2015

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Medienstaatssekretär Marc Jan Eumann. Foto: Archiv
In für Verlage wirtschaftlich schweren Zeiten findet Ende dieser Woche das 21. Forum Lokaljournalismus statt. NRW will durch eine Stiftung den regionalen Zeitungshäusern helfen. Staatssekretär Marc Jan Eumann erklärt die Hintergründe.
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Ende dieser Woche treffen sich Lokaljournalisten in Hamburg zum 21. Forum Lokaljournalismus – dem größten deutschen lokaljournalistischen Branchentreff, veranstaltet von der Bundeszentrale für politische Bildung. Diskutiert werden Trends und Chancen für regionale Zeitungsverlage, die zurzeit eine schwere Krise zu bewältigen haben. Das Land Nordrhein-Westfalen will durch eine Stiftung den regionalen Zeitungshäusern helfen. Marc Jan Eumann, Staatssekretär im NRW-Ministerium für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien, erklärt im Gespräch mit Lutz Feierabend, worum es der Landesregierung dabei geht.

Die Landesregierung will eine Stiftung gründen, um Lokaljournalismus zu fördern. Der Plan stößt aber auf wenig Gegenliebe. Die Zeitungsverleger beispielsweise halten die Stiftung nicht für unbedingt nötig, weil andere Institutionen seit langem die Angebote vorhalten, die über die Stiftung erneut entwickelt werden sollen. Was halten Sie den Kritikern entgegen?

Eumann: Im Kern geht es der Landesregierung darum, die lokale und regionale Vielfalt zu erhalten – unabhängig vom Distributionsweg. Die Stiftung soll die Frage beantworten, wie man lokalen und regionalen Journalismus unterstützen und erhalten kann. Wenn jemand befürchtet, dass durch diese Idee sein Geschäftsmodell verloren geht, dann müssen wir darüber reden. Wir sind gerade dabei, mit den Weiterbildungsträgern einen Termin zu koordinieren, um über Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu diskutieren.

Muss die Landesregierung denn dem Lokaljournalismus helfen?

Eumann: Bürger interessieren sich vor allem für die Situation vor Ort. Wenn sie sich nicht ausreichend informieren können, kann Demokratie nicht funktionieren. Deswegen hängen Demokratie und Lokaljournalismus untrennbar zusammen.

Beobachten Sie, dass aufgrund der derzeitigen Krise der Zeitungen sich die Verlage auch zunehmend von lokaljournalistischen Aufgaben zurückziehen?

Eumann: Das ist ja evident. Wenn sich Zeitungsverlage aufgrund der Krise völlig neu aufstellen müssen, wenn Lokalredaktionen zusammengelegt werden, dann berührt das die Vielfalt vor Ort. Entscheidend ist, dass die Medienhäuser stark genug sind, um Redaktionen vorzuhalten, die leistungsfähig und unabhängig sind. Wir werden uns wahrscheinlich davon verabschieden müssen, dass in Städten und Gemeinden nur durch zwei konkurrierende Tageszeitungen Vielfalt gesichert wird. Untersuchungen in der Schweiz zeigen aber, dass Vielfalt eben nicht nur aus dem publizistischen Wettbewerb zwischen verschiedenen Redaktionen entsteht, sondern auch innerhalb einer unabhängigen Redaktion.

Mittlerweile sind die Lokalredaktionen aber längst nicht mehr die einzigen, die Informationen aus dem direkten Umfeld sammeln und verbreiten. Im Netz gibt es immer mehr Anbieter – Blogs oder Bürgerportale beispielsweise. Wird nicht auf diese Weise die publizistische Vielfalt gesichert?

Eumann: Sicher sind dies Bereicherungen. Aber die Ansprüche sind doch sehr unterschiedlich. Es ist eine Frage der Verlässlichkeit: Nach welchen Kriterien, nach welchen redaktionellen Standards und nach welchen ethischen Regeln arbeitet eigentlich jemand? Lokalredaktionen verfügen über Standards und dies führt zu Recht dazu, dass Tageszeitungen das Medium mit der höchsten Glaubwürdigkeit sind. Die Einhaltung dieser Standards findet man aber nicht bei allen Formen der digitalen Meinungsäußerung. Oft wird sogar aus ökonomischen Gründen redaktionelle Arbeit und PR miteinander vermischt.

Was kann man tun, um Lokaljournalismus zu sichern?

Eumann: Also in erster Linie kann und muss sich Lokaljournalismus selbst helfen. Redaktionen zeigen an vielen Stellen, dass ihre Arbeit unverzichtbar für die Meinungsbildung der Bürger ist, weil sie alle medialen Möglichkeiten und ihre Leser ernst nehmen und einbeziehen. Ich verweise hier gern auf die jahrzehntelange Arbeit der Bundeszentrale für politische Bildung, die mit ihrem Lokaljournalistenprogramm und über Medien wie den Redaktionsdienst „drehscheibe“ die Qualität der lokaljournalistischen Arbeit fördert. Lange waren Lokaljournalisten aber in der Wahrnehmung in den Zeitungshäusern eher Stiefkinder. Der Auslandskorrespondent hatte einen höheren Stellenwert. Deswegen versucht die nordrhein-westfälische Landesregierung mit ihrer Initiative zu unterstreichen, dass der Lokaljournalismus das Premiumprodukt für lokale und regionale Zeitungshäuser ist. 

Kann man die Rahmenbedingungen für Lokaljournalismus verbessern?

Eumann: Hier gibt es sicherlich mit Blick auf das Thema Pressefusion Rahmenbedingungen, die auf Bundesebene verbessert werden können. Auf Länderebene spielt das Thema Aus- und Fortbildung eine große Rolle. Die Länder finanzieren ja über die Universitäten einen Teil der Journalistenausbildung.  Hier wollen wir einen Schritt weitergehen. Es gibt den Vorschlag, eine Stiftungsprofessur für Lokaljournalismus  in NRW zu etablieren. Ich glaube, es braucht diesen speziellen Fokus auf die lokaljournalistische Arbeit, um die neusten wissenschaftliche Erkenntnisse systematisch in die alltägliche Praxis überführen zu können.

Wann kommt denn die Stiftung?

Eumann: Wir wollen uns die Zeit nehmen, die wir brauchen. Einen ersten Arbeitsentwurf haben wir im Netz zur Diskussion gestellt und die Resonanz war überraschend hoch. Es kamen beinahe 600 Kommentare. Diese Anregungen wollen wir aufgreifen und schließlich im größtmöglichen Konsens mit allen Akteuren – Verlegerverband, Gewerkschaften, Aus- und Weiterbildungsinstitutionen und andere – einen Korridor definieren, den alle unterstützen können.

Wann betritt in NRW der erste Professor für Lokaljournalismus sein Büro?

Eumann: Realistisch wird das im Jahr 2015 sein. 

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