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TV-Duell: „Raabs Nominierung ist gewagt“

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Der Moderator Stefan Raab.  Foto: dpa
Der Kommunikationsexperte Marcus Maurer bezweifelt, dass Stefan Raab als Fragesteller im Kanzlerduell bestehen wird. Schon frühere TV-Moderatoren hätten falsche Antworten oft nicht bemerkt. Raab könne das noch viel weniger.  Von
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Köln

Herr Maurer, ProSiebenSat.1 hat Stefan für das Rededuell zwischen Peer Steinbrück und Angela Merkel nominiert. Wie bewerten Sie diese Entscheidung?

Marcus Maurer: Die TV-Duelle zwischen den Kanzlerkandidaten haben seit einiger Zeit einen immer stärkeren Unterhaltungscharakter. Während in den siebziger Jahren fast ausschließlich politische Journalisten die Fragen stellten, sind es heute Journalisten, die auch als Talkshowmoderatoren in Erscheinung treten. Die Kanzler-Duelle enthalten deshalb zuletzt auch Fragen zu unpolitischen Themen, die eher einen Unterhaltungscharakter haben. Diese Entwicklung, Politik als Event zu inszenieren, setzt sich mit Raab nochmal ein Stück fort. Seine Nominierung scheint mir gewagt. Es fehlt der notwendige Ernst. Die entscheidende Frage ist doch, wie gut Raab sich mit der politischen Materie auskennt. Er hat keinerlei Ausbildung als politischer Journalist. Es lässt sich kaum einschätzen, welche Art von Fragen er stellen könnte, wenn man sich Klamauk-Sendungen wie Autoball, die Wok-WM oder „Schlag  den Raab“ vergegenwärtigt.

Was kann Raab anders machen als ein politischer Journalist?

Maurer: Es geht darum, dass die Bürger eine Vorstellung davon bekommen sollen, was die Kanzlerkandidaten im Falle eines Wahlsiegs planen. Das herauszustellen ist das Ziel eines Fernsehduells. Das setzt voraus, dass die Fragen der Moderatoren in diese Richtung zielen. Die Fragesteller müssen in der Lage sein, auf ausweichende oder falsche Antworten zu reagieren. Sie müssen erkennen, wenn die Kandidaten rhetorisch in den Wahlkampfmodus abgleiten und den Menschen keine vernünftigen Informationen als Grundlage für die Wahlentscheidung zur Verfügung zu stellen. Wir haben die Fernsehduelle der letzten Jahre analysiert und festgestellt, dass schon die heutigen Moderatoren oftmals ausweichende und falsche Antworten nicht bemerken. Es steht zu befürchten, dass Stefan Raab das noch viel weniger können wird.

Marcus Maurer
Marcus Maurer ist Professor für „Empirische Methoden der Kommunikationswissenschaft“ an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
Foto: FSU Fotozentrum Günther

Was bedeutet das für Raab?

Maurer: Er muss sich intensiv in die Materie einarbeiten - sowohl inhaltlich als auch rhetorisch. Fragen stellen kann jeder. Aber auf Antworten entsprechend reagieren, nachzuhaken, und zwar nicht nur plump, sondern auf der Basis eigener Kenntnis der Materie, das kann nicht jeder. Es geht nicht darum, nur von irgendwelchen Kärtchen abzulesen.

Was wird Raab aus Ihrer Sicht anders machen als ein politischer Journalist?

Maurer: Richtig ist, dass Raab zunächst mal einen größeren Unterhaltungswert besitzt als ein konventioneller Fernsehjournalist. Raab kann das TV-Duell sicher lockerer bestreiten - vielleicht auch interessanter. Zwar ist die Auswahl fachkundiger und rhetorisch geschulter Moderatoren wichtig. Unter dem Strich sollte es in einem idealen TV-Duell aber nicht darauf ankommen, wer die Fragen stellt. Im Vordergrund sollten die Politiker stehen, nicht die Moderatoren.

 

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