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TV-Kritik Günther Jauch: Themen anreißen und versenken

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Günther Jauch Foto: ARD
Der TV-Talk bei Günther Jauch fand diesmal im Rahmen des „Spendenmarathon“ zugunsten der Hochwasser-Geschädigten statt. Das Ansinnen war zwar löblich, ließ Fragen nach Ursache, Wirkung und Spendenbereitschaft aber offen.  Von
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Dass in einer Talkshow lauter telefonierende Menschen sitzen, die dem Moderator bedeuten, sie könnten gerade nicht mit ihm reden, denn sie telefonierten gerade, ist eher ungewöhnlich. Aber es ist ja auch kein gewöhnlicher Abend, der da über die Bühne des bekanntesten Ex-Gasometers der Republik geht. Günther Jauch hat sich eingereiht (oder ist eingereiht worden) in den 28-stündigen „Spendenmarathon“ der ARD zugunsten der Hochwasser-Geschädigten des „Jahrhunderthochwassers“ dieser Tage.

Die Telefonierenden, unter ihnen Konkurrenztalkerin Sandra Maischberger und TV-Tänzer Joachim Llamby, bilden auch nur die Kulisse für den Moderator und seine Gäste. Auch das ist seltsam, denn eigentlich sind sie die Hauptpersonen. Sie nehmen nämlich die Spenden an, die dann auf einem Laufband gezeigt werden: Elfriede Meyer aus Essen 50 Euro undsoweiter. Das ist alles ebenso löblich wie bewährt aus „Spendenmarathons“ bei anderen katastrophalen Gelegenheiten.

Hochwasser
Schauspieler Boris Aljinovic bei Günter Jauch am Spendentelefon
Foto: dpa

Eins ist diesmal allerdings anders. Die Spenden sprudeln nicht, sie tröpfeln – jedenfalls im Vergleich zur Elbeflut vor gut zehn Jahren. 350 Millionen Euro sind damals am Ende zusammen gekommen. Ein Betrag, der nach Auskunft aller Hilfsorganisationen in diesem Jahr weit unterboten wird, mögen die prominenten Spendensammler hinter Günther Jauch auch noch so viel zu tun haben.

Keine Kritik an Hochwasserschutz

Das wäre ein tolles journalistisches Thema gewesen. Sind die Deutschen hartherzig geworden? Das geht aber nicht: Hier geht es nicht um Journalismus, sondern um Spenden. Außerdem will die Sendung die Gutherzigen ansprechen. Und die Beherzten feiern, die ihren näheren oder ferneren Nachbarn zur Seite gesprungen sind, um tatkräftig gegen Wasser und Schlamm zu helfen.

Hochwasser
Geflutete Landschaft an der Elbe
Foto: dpa

Das ist verdammt gut so! Aber eine spannende Fernsehdiskussion entsteht auf diese Weise nicht. Vielmehr fragt Günter Jauch den Sänger Gunther Emmerlich, der in Dresden hochwassersicher in bester Hochhanglage lebt, ob denn seit 2002 genug zum Schutz getan worden sei. Antwort? Fehlanzeige. Schließlich möchte er auch diejenigen unter seinen Konzertbesuchern nicht verprellen, die auch mal gegen eine neue Staumauer demonstrieren. Jauch kann eine weitere seiner Karteikarten zufrieden beiseite legen: Thema angerissen. Versenkt.

Aufarbeitung der Hochwasser-Folgen fehlt bislang

Selbstverständlich dürfen in einer solchen Diskussion die wirklich Betroffenen nicht fehlen. Menschen zum Beispiel, die ihr Haus schon bei der vorigen Flut verloren haben. Jauch nähert sich ihnen mit professionellem Verständnis. Die Frage, ob sie denn auch diesmal wieder zurückkehren wollen, wird gestellt.

Die grundlegende Frage, ob dies denn sinnvoll ist oder ob es nicht besser staatliche Hilfe geben sollte, damit die Menschen an der Elbe eher in die Gegend von Gunther Emmerlich ziehen, bleibt ungestellt. Auch das ist gut so, denn es wäre ziemlich unsensibel an einem solchen Abend. Aber diskutiert werden sollte sie schon – irgendwann mal in einer Talkshow über das Hochwasser, Ursachen und Folgen.

Bei den Gäste aus der Politik kam auch nicht mehr heraus. Selbst die Aussage von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, wegen des Wassers würden die Steuern nicht erhöht, war schon vorher bekannt. Soweit, so fad.

Daher ein Vorschlag zur Güte, liebe ARD: Gönnt uns nach der nächsten Flut einen Jauch-freien Sonntagabend und überlasst die Spenden-Gala, ja wem? Helene Fischer vielleicht. Der ist neulich ein Konzert ins Wasser gefallen. Den Prinzen, die sind zwar aus Leipzig, kämen aber sicher wie andere Vertreter des Unterhaltungsgewerbes gern.

Wie wir ihn kennen, würde auch Wolfgang Niedecken nicht Nein sagen. Der könnte sogar ein Lied vom erfolgreichen Hochwasserschutz in Köln singen.

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