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TV-Serie : „Homeland“ zeigt USA nach 9/11

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Der US-Soldat Nicholas Brody (Damian Lewis) kämpf in Gefangenschaft ums Überleben.  Foto: Sat 1
In den USA wird „Homeland“ als derzeit beste Fernsehserie gefeiert. Ab Sonntag ist die Serie um die CIA-Agentin Carrie Mathison und den ehemaligen Kriegsgefangenen Nicholas Brody auch im deutschen Free-TV zu sehen. Eine Vorschau.  Von
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Eine verschleierte blonde Frau nähert sich einem irakischen Gefängnis. Sie besticht einen Wärter, sie Minuten vor der Exekution in die Zelle eines zum Tode Verurteilten zu führen. Allerdings bietet sie dem Todgeweihten weder Trost noch seelische Heilung, sondern einen Weg, wenigstens seiner Familie ein ähnlich trauriges Schicksal zu ersparen.

Dafür will sie wissen, was er weiß. Erst weigert sich der Mann, doch dann, als das Todeskommando schon um die Ecke biegt und der Wächter die Besucherin wegzureißen versucht, flüstert er ihr etwas ins Ohr.

Priesterin im Namen der CIA

Die US-Serie „Homeland“ beginnt mit einer dramatischen letzten Beichte und einer Priesterin, die ihr Leben nicht Gott, sondern der amerikanischen Terrorabwehr geweiht hat. Die CIA-Agentin Carrie Mathison (Claire Danes) ist besessen von dem Gedanken, der 11. September könne sich wiederholen, und sie lässt nichts unversucht, dies zu verhindern. Selbst im CIA-Hauptquartier ist sie eine Außenseiterin, jemand, der sich statt an Regeln lieber an die eigenen Sensoren hält.

Einige Zeit nach ihrem Besuch im Todestrakt schlägt Carries innerer Zeiger aus: Im Irak wird ein verschollener US-Marine nach achtjähriger Gefangenschaft aus einem Geheimverlies befreit. Während Militärs und Medien die Heimkehr eines Helden feiern, erinnert sich Carrie an die letzten Worte des Todgeweihten: „Ein amerikanischer Kriegsgefangener wurde von Al Kaida umgedreht.“

Fernsehtipp: Homeland

Sonntag, 22.15 Uhr, Sat.1

Ist Nicholas Brody (Damian Lewis) dieser Kriegsgefangene? Ein Mann, dessen Leib von Narben gezeichnet ist, der seine beiden Kinder kaum wiedererkennt und seinem Land die besten Jahre seines Lebens opferte. Carrie weiß es nicht, aber sie würde es sich nie verzeihen, wenn es so wäre. Also setzt sie sich über die Anweisungen ihrer Vorgesetzten hinweg und lässt im Haus des Kriegsheimkehrers auf eigene Faust Kameras und Wanzen installieren.

In den USA wird „Homeland“ als derzeit beste Fernsehserie gefeiert. Tatsächlich ist es faszinierend mitanzusehen, wie Carrie, die selbst ein dunkles Geheimnis hütet, in das Leben des heimgekehrten Soldaten eindringt, unermüdlich Indizien sammelt und das Publikum zwischen Abscheu und Bewunderung schwanken lässt. Einem Mann würde man dieses Verhalten wohl nicht so leicht verzeihen; der zerbrechlich wirkenden Claire Danes folgen wir voller Zuneigung in die Tiefen ihrer Obsession. Sogar als sie die letzte berufliche Grenze überschreitet und Brody auch in der Realität so nahe kommt wie wenige andere.

Fernsehserie „24“ als Vorbild

„Homeland“ basiert zwar auf der israelischen Serie „Hatufim“, die wichtigeren Vorbilder sind aber vor allem Hollywoods Paranoia-Thriller und die Fernsehserie „24“ – mit ihr wurden die „Homeland“-Produzenten Howard Gordon und Alex Gansa berühmt. Geschickt legen sie falsche Fährten aus und lassen das Publikum so lange wie möglich darüber im Unklaren, ob Brody ein unschuldig Verfolgter oder eine wandelnde Zeitbombe ist.

Anders als die in Echtzeit erzählten Dramen von „24“ bietet „Homeland“ allerdings weder formal noch inhaltlich etwas Neues: Die USA sind im festen Griff von Terror und Terrorabwehr gefangen, und der Zweck heiligt auf beiden Seiten die Mittel. Geradezu beängstigend wirkt die Serie im Vergleich zu den Paranoia-Thrillern der 70er Jahre. War der Schattenstaat aus Geheimdiensten einst die größte Gefahr für die Freiheit, so erscheint sie jetzt auf paradoxe Weise als letzte Rettung.

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