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TV-Tipp „Betongold“: Im Strudel des Immobilien-Hypes

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Die Bewohner eines Hauses in Berlin kämpfen um ihr Recht. Foto: Katrin Rothe/Martin Langner/arte
Unser TV-Tipp für Donnerstag, 30. Mai: Das Haus, in dem die Regisseurin Katrin Rothe wohnt, hat einen neuen Besitzer bekommen. Seitdem bekommen die Hausbewohner abwechselnd Abmahnungen, Kündigungen und Räumungsklagen.  Von
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In der Anzeige wird mit dem branchenüblichen Angeber-Vokabular gearbeitet. Ein „dynamisches Immobilienunternehmen“ preist Bauten in „Toplagen“ an, die selbstverständlich „viel Entwicklungsmöglichkeiten bieten“ und, gegen ein hübsches Sümmchen Geld, auch Potenzial haben. Für was und in welche Richtung auch immer. Das Haus in Berlin-Mitte, in dem die Regisseurin Katrin Rothe seit 16 Jahren wohnt, hat einen neuen Besitzer bekommen. Und damit fangen die Probleme für die gut gemischte Mieterschaft an.

Wie die Finanzkrise ins Wohnzimmer kam

Da ist der Rentner, der seit 1974 in dem Haus wohnt; da ist die alleinerziehende Mutter mit drei Kindern; da ist die Studentin – und das ist eben auch Katrin Rothe selbst. Sie alle könnten sich die Miete nach einer umfangreichen Renovierung nicht mehr leisten. Will Katrin Rothe in dem dann luxussanierten Haus wohnen bleiben, würde ihre Miete erheblich steigen: von bisher 655 auf dann 1155 Euro monatlich. „Betongold“ (arte, 23.30 Uhr) heißt die Dokumentation, in der Katrin Rothe von ihrem privaten Anliegen sehr klug und angemessen rührselig (doch, doch: bei so etwas dürfen, ach was, müssen Gefühle ins Spiel) aufs große Ganze kommt und sehr anschaulich schildert, wie die Finanzkrise auch in ihr Wohnzimmer kam.

Seit vor sechs Jahren die globale Finanzkrise durch faule amerikanische Immobilienkredite ausgelöst wurde, bläht sich die Immobilienblase auch europaweit immer mehr auf. Die Zinsen sind niedrig wie nie, und deshalb investieren Anleger weniger in Aktienfonds, dafür aber zunehmend in sogenanntes Betongold. Katrin Rothe erzählt aus der Ich-Perspektive die Geschichte einer Hausgemeinschaft, die in den Strudel eines Immobilien-Hypes gerät; vor allem in Großstädten wie Berlin, München, Hamburg und Köln ist der Wohnraum knapp, und die Quadratmeterpreise explodieren. Während ihrer Recherchen begegnet Rothe einer fremden Welt, in der Lügen und Briefterror zum normalen Geschäft gehören: Dem deutschen Mietrecht zum Trotz, erhalten die Hausbewohner abwechselnd Abmahnungen, Kündigungen und Räumungsklagen; strafrechtlich nachzuweisen ist dem Investor, der mit Maklern, Notaren und Anwälten eng zusammenarbeitet, leider nichts.

Kein Raum für Solidarität

Katrin Rothe dokumentiert die Schikanen und Einschüchterungsversuche des Investors, behilft sich da, wo sie nicht drehen darf, mit Zeichnungen und erlebt bei den Besichtigungsterminen der potenziellen Käufer eine Überraschung. Diese unterscheiden sich kaum von den bisherigen Mietern, sind meist Mittelschicht durch und durch und versuchen mit größtmöglichen Anstrengungen, ihr Geld existenzsichernd anzulegen. Was nichts daran ändert, dass für Solidarität mit den Mietern kein Raum ist. Aufwühlende, wütend machende und sehenswerte Doku.

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