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TV-Tipp „Unter Männern - Schwul in der DDR“: „Schwul sein ist perfekt für mich“

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Die DDR wurde auch in Hinsicht auf dem Umgang mit Homosexualität in unterschiedlicher Weise wahrgenommen. 
Unser TV-Tipp für Dienstag, den 23. Juli: „Unter Männern - Schwul in der DDR“ zeigt Menschen, die in einem totalitären Staat anders waren und die Art und Weise, wie sie damit umgingen. Outing gegen Anpassung: eine sehenswerte Doku!  Von
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Dienstag, 23. Juli

Mit irgendwelchen Frauen ins Café oder ins Kino gehen, hinterher ewig reden, bis vielleicht was passiert – das war (und ist) alles nichts für Frank. Frank war schon immer homosexuell, und er war es auch in der DDR gerne. „Schwul sein ist perfekt für mich“, sagt der exzentrische Frisör, der mit seinem hedonistisch geprägten Lebensbild noch am ehesten ein Schwulen-Klischee erfüllt.

Die anderen fünf Protagonisten der Doku „Unter Männern – Schwul in der DDR“ (ARD, 22.45 Uhr) sind anders gefusselt als Frank und haben ihr Schwulsein im Arbeiter- und Bauernstaat nur heimlich oder gar nicht gelebt. Und das aus gutem Grund: Homosexualität wurde in der DDR zwar nicht verfolgt, ein Outing wäre aber trotzdem problematisch gewesen. Denn offenes Anderssein, egal auf welche Art und Weise, ist in keinem totalitären System der Welt zu empfehlen, und die DDR war ein totalitärer Staat und die Stasi immer bestens informiert – auch über Schwule.

Der Druck zu Gesellschaftskonformität lastete auf vielen gelernten DDR-Bürgern, auf Schwulen lastete er umso schwerer, weil sie ihre Sexualität nicht offen ausleben konnten; angenehme Treffpunkte wie Bars, Cafés oder Kneipen gab es nicht, Anlaufpunkte waren öffentliche Toiletten. Neben Frank, der mit seinem Schwulsein immer schon offen umgegangen ist, kommt in der sehenswerten Doku von Ringo Rösener und Markus Stein unter anderem der pensionierte Lehrer Christian Schulz zu Wort.

Schulz, heute fast 80 Jahre alt, hat sich nie geoutet und spricht in dem Film erstmals über seinen Umgang mit der eigenen Sexualität. Jahrelang nahm er psychiatrische Hilfe in Anspruch, wollte aus Angst „gesellschaftskonformer“ werden und betrieb exzessiv Sport; heute hadert Schulz damit, dass er einen großen Teil seines Lebens nicht gelebt hat: „Ich denke, wenn ich mich geoutet hätte, wäre das besser gewesen. Da war ich zu feige.“

Helwin Peters, aus Chile eingewandert, hat die DDR ganz anders erlebt, als „richtiges Schwulenparadies“. Und während sich der Künstler John Zinner traute, sich in der tiefsten thüringischen Provinz zu outen und damit „eine Lawine lostrat“, zeigte der Theologe Eduard Seibel Anfang der 80er Jahre auf andere Weise seinen Mut: Als treibende Kraft der ostdeutschen Schwulenbewegung gründete er in Leipzig den ersten Arbeitskreis Homosexualität – und stand damit nicht nur unter kritischer Beobachtung linientreuer DDR-Bürger, sondern war auch stets im Visier der Stasi. Sehenswerte Doku, die einen differenzierten Einblick in das schwule Leben in der DDR bietet.

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