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TV-Tipp: Beste Unterhaltung mit „Tatortreiniger“

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Szene aus „Schottys Kampf“: Die Mini-Serie wurde erst kürzlich mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Foto: dpa
Unser TV-Tipp für Samstag, 20. April: Die preisgekrönte Mini-Serie „Der Tatortreiniger“, in der Heiko „Schotty“ Schotte das wegmacht, was vom Menschen übrig bleibt, wenn es ihn nach einem Unfall oder Mord dahingerafft hat. Zu sehen gibt es sie in der ARD.  Von
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Man kann nicht behaupten, dass der NDR pfleglich mit diesem Format umgegangen ist. Einmal bestellt, abgedreht und bezahlt, fand sich für die erste Staffel von „Der Tatortreiniger“ angeblich kein angemessener Sendeplatz. Und so wurde die Mini-Serie mal eben ohne große Ankündigung Ende 2011 im Nachtprogramm versteckt. Weil aber diverse Medienkritiker das Format völlig zu Recht lobhudelten, begriffen – spät, aber immerhin – auch die Verantwortlichen beim NDR, was für ein Schätzchen sie da im Programm haben.

Und gaben eine zweite Staffel in Auftrag, in der Bjarne Mädel wiederum als Heiko „Schotty“ Schotte brilliert. Als Tatortortreiniger arbeitet Schotty bei der „Spube“ (= Spurenbeseitigung) und keinesfalls bei der „Spusi“ (= Spurensicherung) und kommt mit seiner Arbeit ins Spiel, wenn alles schon passiert und kein Leben mehr zu retten ist. Schotty macht das weg, was vom Menschen übrigbleibt, wenn es ihn nach einem Unfall oder Mord dahingerafft hat: Blut, Innereien – und, wenn ein Körper schon länger tot irgendwo rumliegt, Würmer und Maden.

Seinen Job nimmt Schotty ernst. Er ist ein Fachmann in punkto Saubermachen bei schwierigen Fällen (ursprünglich sollte das Format „Der letzte Dreck“ heißen, aber für diesen herrlich ambivalenten Titel hatte der NDR leider nicht genug Mumm in den Knochen), und bei seiner Arbeit erlebt er die skurrilsten und seltsamsten Dinge. Er trifft auf nette alte Damen, die womöglich gar nicht so nett sind und es faustdick hinter den alten Ohren haben, er muss mit Psychopathen klarkommen – und in der gerade mit einem Grimme-Preis prämierten Folge „Schottys Kampf“ (ARD, 22.25 Uhr) hat er es mit rechtsradikalem Gesindel zu tun. Wie immer ist auch diese Folge so präzise inszeniert wie ein Kammerspiel: Das Setting ist übersichtlich, die Dialoge sind fokussiert – und wie Schotty, zunehmend angewidert von der Gesinnung seiner Auftraggeber und angeekelt vom Nazi-Kitsch in deren Vereinsheim, in fabelhaften Dialogen zuerst dem geistigen Wortführer Paroli bietet und dann noch einen Mann aus dem rechtsradikalem Fußvolk aushebelt, gehört mit zum besten, was im deutschen Farbfernsehen zu haben ist. Im Anschluss an „Schottys Kampf“ läuft mit „Nicht über mein Sofa“ noch eine weitere Folge, für die auch gilt: absolut empfehlenswert.

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