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Unterhaltung: Die Castingshow ist am Ende

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Keine klassische Castingshow, aber der Wettbewerb steht doch im Vordergrund: „Million Dollar Shootingstar“.  Foto: SAT 1
Eine Ära geht zu Ende: Am vergangenen Wochenende unterlagen die Castingshows bei Pro Sieben, RTL und ZDF erstmals einer anderen Sendung. Das Format hat sich abgenutzt, auch wenn sich die Macher noch gegen diese Erkenntnis wehren.  Von
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Guido Cantz vor Dieter Bohlen, Thomas Gottschalk, Jörg Pilawa und Stefan Raab. Was lange Zeit kaum möglich gewesen wäre, ist am Samstagabend Realität geworden. „Verstehen Sie Spaß?“ im Ersten hatte mit 4,58 Millionen Zuschauern ab drei Jahren mehr Zuschauer als das „TV Total Turmspringen“ bei Pro Sieben, die ZDF-Show „Der neue deutsche Bildungstest“ und auch als das RTL-Aushängeschild „Das Supertalent“. Zwar vermeldet RTL, bei den 14- bis 49-Jährigen mit einem Marktanteil von 19,4 Prozent vorne gelegen zu haben, aber eins machen die Zahlen deutlich: Es tut sich was bei den deutschen Unterhaltungsformaten.

Neue DSDS-Staffel

Die RTL-Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ startet im Januar in die zehnte Runde. In 23 Folgen wird die neue Jury aus Bill und Tom Kaulitz von der Band Tokio Hotel, Mateo von der Gruppe Culcha Candela und Dieter Bohlen ab 5. Januar 2013 auf Sendung gehen. (dapd)

Die Ära der Castingshows hat ihren Zenit überschritten. Die Zuschauer haben sich an der Flut immer neuer Formate sattgesehen. Der Überraschungseffekt bleibt aus. Das zeigt auch der Verlauf der aktuellen „X Factor“-Staffel, die am Sonntag mit dem Sieg des Kölner Duos „Mrs. Greenbird“ endete. Nur 1,66 Millionen Zuschauer wollten das Finale sehen. Und ist Ihnen der Name „Melouria“ schon mal irgendwo aufgefallen? Falls nicht, ist das keine große Überraschung. Denn die Siegerband der Jubiläumsstaffel „Popstars“ wurde von Pro Sieben beinahe unter Ausschluss der Öffentlichkeit gekürt. Offiziell hat der Sender das Aus für die erste deutsche Gesangs-Castingshow zwar noch nicht verkündet, aber eine Fortführung ist mehr aus unwahrscheinlich. Auch die Zukunft von „X Factor“ steht noch in den Sternen. Vox hält sich mit einer Aussage zurück.

Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. „Deutschland sucht den Superstar“, einst Garant für immer neue Rekorde, hat mit sinkenden Quoten zu kämpfen und soll in der nächsten Staffel durch die einstigen Teeniestars Bill und Tom Kaulitz als Jurymitglieder belebt werden. „Das perfekte Model“ bei Vox konnte sich nicht durchsetzen, und auch die Heidi-Klum-Show „Germany’s next Topmodel“ musste Einbußen hinnehmen. Und die ARD hat unlängst verkündet, den deutschen Kandidaten für den Eurovision Song Contest nicht mehr in einer Castingshow auswählen zu wollen.

Kein Ende, nur Abnutzungserscheinungen?

Das klassische Konzept der Castingshow hat sich nach einem Jahrzehnt unzähliger Formate abgenutzt. Das Thema ist sensibel, denn besonders die Privaten sind auf die Shows immer noch angewiesen. Als der österreichische „Kurier“ im September RTL-Chefin Anke Schäferkordt mit den Worten zitierte, in zwei, drei Jahren sei Schluss mit diesen Shows, betonte der Kölner Privatsender, so habe sie das nie gesagt. Man sehe Castingshows nicht vor dem Ende, und es sei lediglich von Abnutzungserscheinungen die Rede gewesen, sagte RTL-Sprecher Christian Körner damals dem Mediendienst DWDL.

Hoffnung gibt es immer dann, wenn den Machern Neues einfällt. So der Kunstgriff bei „The Voice of Germany“, die Jury mit dem Rücken zu den Kandidaten zu platzieren. In den Live-Shows, die dann nach den normalen Castingregeln laufen, sind auch die Quoten wieder gesunken.

Sat 1 wagt sich in dieser Woche mit einer weiteren Show nach vorne. Die wird allerdings schon gar nicht mehr als Casting bezeichnet. In „Million Dollar Shootingstar“ (Mittwoch, 20.15 Uhr) treten zehn Profi-Models bei Fotoshootings auf der ganzen Welt gegeneinander an. Der Gewinnerin winken maximal eine Million Euro Gewinn. Präsentiert wird das Format von Bar Refaeli. Die Auswahl der Kandidatinnen sei in einem langen Prozess vor der eigentlichen Sendung getroffen worden, sagt das Topmodel: „Sie haben viele Castings durchlaufen.“ Das Casting vor der Castingshow also. Vielleicht ist das ja die Lösung.

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