Medien
Nachrichten aus dem Medienbereich und TV-Kritiken

Vorlesen
0 Kommentare

Wotan Wilke Möhring: „Kopfmenschen kann ich nicht“

Erstellt
Wotan Wilke Möhring hat sich über die Jahre zum gefragten Charakterdarsteller gemausert. Inzwischen hat er im TV zahlreiche Berufsgruppen verkörpert. Seine Vita liest sich dabei ähnlich spannend wie seine Filmographie. Ein Interview.  Von
Drucken per Mail

Sie haben in den letzten Jahren vom Boxer über einen Vergewaltiger bis zum verzweifelten Familienvater und Polizisten alle möglichen Charaktere gespielt. Ein Pfarrer war allerdings noch nicht darunter, oder?

WOTAN WILKE MÖHRING: Nein, der Berufszweig fehlte mir noch. Und das war auch der Reiz für mich, die Rolle anzunehmen.

Im Ernst?

MÖHRING: Ja, absolut. Jemanden zu spielen, der völlig in sich gekehrt ist und mit dem Glauben zu tun hat, fand ich höchst interessant.

Sind Sie dann im Rahmen des Rollenstudiums zum eifrigen Kirchgänger geworden?

MÖHRING: Das nicht, aber ich habe mich lange mit einem Pfarrer unterhalten, um etwas über all die rituellen Abläufe zu erfahren. Dass man auf dem Teppich immer im rechten Winkel geht, welche Handhaltung wann gefordert ist und so weiter.

Zur Person

Wotan Wilke Möhring (45) war Mitglied mehrerer Musikbands (u.a. DAF), bevor er sich der Schauspielerei zuwandte. Seit seinem Debüt in „Die Bubi-Scholz-Story“ (1998) ist er zum gefragten Charakterdarsteller avanciert und hat für mehr als 80 Kino- und Fernsehproduktionen vor der Kamera gestanden. Zuletzt spielte Möhring u.a. in „Homevideo“, „Der letzte schöne Tag“ und im MDR-„Tatort“ „Todesschütze“.

Demnächst ist er im opulenten ZDF-Dreiteiler „Adlon“ und dem Kinofilm „Das Leben ist nichts für Feiglinge“ zu sehen. Wotan Wilke Möhring lebt mit seiner Familie in Köln.
In „Obendrüber, da schneit es“ (Montag, 20.15 Uhr, ZDF) spielt Wotan Wilke Möhring an der Seite von Diana Amft und August Zirner einen Pfarrer, der an Heiligabend unfreiwillig in einem Münchner Mietshaus landet, dessen Bewohner sich an diesem Tag mit den unterschiedlichsten Problemen herumschlagen.

Sie sind einer der wenigen deutschen Schauspieler, denen man vom Killer bis eben jetzt zum Pastor praktisch jede Figur abnimmt. Haben Sie da eine besondere Technik?

MÖHRING: Danke für das Kompliment. Nein, eine Technik habe ich nicht. Aber ich würde mir nicht anmaßen, alles spielen zu können.

#infobox

Welche nicht?

MÖHRING: Völlig verkopfte Figuren ohne jede physische Präsenz bekäme ich vermutlich nicht hin. Glaubwürdigkeit hat in der Schauspielerei viel mit Wahrhaftigkeit und Echtheit zu tun. So einen reinen Kopfmenschen würde ich mir selbst nicht glauben, und das würden die Zuschauer auch merken. Wenn ich beim Lesen des Drehbuchs überhaupt kein Türchen finde, das mir den Zugang zu einer Figur ermöglicht, lehne ich die Rolle lieber ab. Sonst wird es Fake. Wenn man während des Spiels anfängt, über seine Figur nachzudenken, ist man raus.

Ich gehe davon aus, dass Sie inzwischen mehr Angebote ablehnen, als Sie annehmen.

MÖHRING: Natürlich kommen heute mehr Anfragen, aber mit den beschriebenen Kriterien habe ich es auch am Anfang meiner Laufbahn schon so gehalten. Schließlich definiert man sich mindestens so stark durch das, was man nicht tut, wie durch das, was man tut.

Sie sind ja über allerlei Umwege zur Schauspielerei gekommen. So finden sich in ihrer Vita beispielsweise Lebensphasen wie „Zeitsoldat“ und „Punk“. Wie passt das zusammen? Waren Sie erst Soldat und dann Punk oder umgekehrt? Oder waren Sie womöglich ein Punk in Uniform?

MÖHRING: Ich bin als Punk zum Bund. Alle meine Freunde machten damals Zivildienst, weil sie das vergleichsweise für easy hielten. Aber ich hatte keine Lust auf »easy«. Also habe ich mir gesagt, ich schau mir das einfach mal an bei der Bundeswehr.

Wie darf ich mir Sie in jener Zeit optisch vorstellen?

MÖHRING: Mit bemalter Jacke, aber ohne Sicherheitsnadeln und grünem Irokesen. Ich war auch nie der Bettel-Punk mit »Hasse ma „ne Mark?« und so. Leute anzuschnorren, deren Lebenseinstellung man eigentlich verachtet, war nun wirklich nicht mein Ding. Das ist alles lange her, aber viele meiner Überzeugungen von damals sind immer noch da.

Welche?

MÖHRING: Zum Beispiel, Menschen nicht nach ihrem Äußeren zu beurteilen, oder die Art, Dinge nicht einfach zu akzeptieren, sondern sie zu hinterfragen. Die schlimmsten Sätze sind für mich Floskeln wie »Das ist halt so« oder »Ich tue nur meine Pflicht«. Solche Aussagen treiben mich noch immer in den Wahnsinn.

Sie haben bereits in mehreren „Tatort“-Folgen unterschiedliche Rollen gespielt, und ab 2013 ermitteln Sie als Kommissar Thorsten Falk für den NDR in Hamburg. So ein Angebot kann man nicht ablehnen, oder?

MÖHRING: Doch, das habe ich schon mehrfach gemacht, weil mir eine Rolle als Kommissar in einer Reihe lange nicht ganz geheuer war. Aber ich habe mit dem NDR bei Filmen wie »Homevideo« und »Kuckuckszeit« immer gute Erfahrungen gemacht, und weil ich ja nur zwei Folgen pro Jahr drehen werde, habe ich diesmal zugesagt.

Verstehen Sie eigentlich, was die ARD gerade mit dem „Tatort“ macht? Es vergeht ja kaum eine Woche, in der nicht neue Fahnder ins Rennen geschickt werden. Allein beim NDR sind Sie die laufende Nummer vier. Und in Hamburg, wo Sie ermitteln, ist doch schon Til Schweiger auf Verbrecherjagd.

MÖHRING: Meine Fälle spielen nicht nur in Hamburg. Der nächste wird beispielsweise im April auf einer Insel gedreht.

Aber die Küste ist doch eigentlich Axel Milbergs Revier …

MÖHRING: Richtig, aber beim »Tatort« ist momentan viel in Bewegung, und ein paar Neuerungen werden der Reihe kaum schaden. Aber ich will das auch gar nicht weiter bewerten. Letztlich werden die Zuschauer entscheiden, ob das funktioniert oder nicht.

Auch interessant
TV-Programm
Kino oder Film suchen
Suchen
Kinofilm, Schauspieler oder Regie
Kino, PLZ oder Ort

Kinoprogramm

Alle Neustarts diese Woche: Alle Filme von heute:
Kleinanzeigen
FACEBOOK