Mein Veedel
Kölner stellen ihr Veedel vor

Vorlesen
9 Kommentare

Bernhard Mattes: Mit dem Ford-Chef durch Lindenthal

Erstellt
Ein großer Fan des 1. FC Köln: Ford-Chef Bernhard Mattes im Rhein-Energie-Stadion Foto: Grönert
Ford-Chef Bernhard Mattes fühlt sich in seinem Heimatviertel Lindenthal absolut wohl. Er schätzt den Zusammenhalt, liebt den Stadtwald und ist froh, dass der 1. FC Köln immer ganz in seiner Nähe ist. Ein Veedelsspaziergang.  Von
Drucken per Mail
Lindenthal

Wenn sein Terminplan nicht so dicht gedrängt wäre – Bernhard Mattes (56) könnte sich auf der Dürener Straße stundenlang aufhalten und einfach nur unterhalten. Und damit ist eigentlich schon alles darüber gesagt, warum der Ford-Chef sein Viertel so liebt und im Grunde jetzt schon klar ist, „dass wir aus Lindenthal nicht mehr weg wollen“. Gut, das Haus sei schon ziemlich groß, seit „die beiden Mädchen“ ausgezogen sind. „Wenn wir uns irgendwann mal verändern, weil wir es nicht mehr brauchen, dann aber nur innerhalb der Nachbarschaft.“

Zwei Stunden Viertelsspaziergang beginnen in der Parfümerie Grallert und mit einem kleinen Nachbarschaftstest. Kennt die Filialleiterin den Lieblingsduft des Ford-Managers? „Allure Sport von Chanel. Aber Herr Mattes ist sehr experimentierfreudig und für neue Düfte immer zu haben.“ Christina Tobien (30) arbeitet seit zehn Jahren in der Filiale auf der Dürener Straße und kommt täglich aus Solingen nach Köln. Die Staus wegen der Reparaturarbeiten an der Leverkusener Rheinbrücke auf der Autobahn 1 nerven sie schon, aber ihre Arbeit entschädigt sie für das tägliche Verkehrschaos. „Ich finde den Zusammenhalt hier sehr schön“, sagt sie. „Jeder kennt jeden, jeder grüßt jeden, man geht auch mal in ein Geschäft, ohne etwas zu kaufen. So etwas kenne ich aus Solingen nicht.“ Eine Tasse Tee und ein bisschen Gebäck gehören zum Einkauf dazu. Bernhard Mattes schätzt die individuelle Betreuung, „hier kaufen meine Frauen ihre ganzen schönen Sachen. Und hier weiß man auch, welchen Duft ich an meiner Frau besonders gut riechen mag.“ Ein paar Meter weiter, am Spanischen Obstgarten, ergeht es dem Ford-Chef so wie den meisten, die frisches Obst und Gemüse lieben. „Hier kann ich einfach nicht vorbeigehen.“ Verkäuferin Magdalena Frank muss schmunzeln. Sie weiß genau, was dem Lindenthaler Obstfreund das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt. Frisch gepresste Säfte und der Obstsalat, der jeden Morgen in einer wahren Schnibbelschlacht zubereitet wird. „Natürlich könnte ich mir den auch zu Hause machen. Aber das ist hier einfach eine Augenweide. Da kann man nicht widerstehen.“

Häufig mit dem Rad unterwegs

Mit Magdalena Finke im Spanischen Obstgarten
Mit Magdalena Finke im Spanischen Obstgarten
Foto: Grönert

Zurück auf dem Bürgersteig erklärt der Ford-Chef, was alles zu seinem Viertel zählt. „Durch den Stadtwald bis zum Stadion müssen wir unbedingt gehen.“ Vor allem an den Wochenenden lasse er das Auto stehen. „Kürzlich bin ich hier nur mal 50 Meter mit dem Fahrrad auf der falschen Seite gefahren. Es waren wirklich nur 50 Meter. Da hat mich eine ältere Dame gleich zurechtgewiesen, dass sich auch der Vorstandsvorsitzende eines Automobilkonzerns an die Verkehrsregeln zu halten habe.“ Mattes findet das völlig in Ordnung, weil es zeige, dass die Nachbarschaft funktioniert und die Menschen sich nicht gleichgültig sind.

Zur Person Bernhard Mattes

Bernhard Mattes (56), gebürtig aus Wolfsburg, ist seit 1999 im Vorstand der Ford-Werke in Köln. Im September 2002 trat er die Nachfolge von Rolf Zimmermann als Vorstandsvorsitzender des Automobilkonzerns an. Mattes ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Wie der Schuhmachermeister Ingo Keller (45), dem sein Ladenlokal nach 25 Jahren auf der Dürener Straße Knall auf Fall gekündigt wurde. „Das Haus hat einen neuen Eigentümer, der Mietvertrag lief aus und ich sollte fast 50 Prozent mehr bezahlen“, schildert Keller. Da kann es durchaus hilfreich sein, dass jeder jeden kennt. Keller hat in unmittelbarer Nähe einen neuen Laden gefunden, zieht in die Wittgensteinstraße 35. „Darüber sind alle sehr froh“, bestätigt der Ford-Chef. „Weil die Schuhreparaturen hier einfach erstklassig sind.“ Schuhmachermeister Keller hat bis vor ein paar Jahren noch eigenhändig Schuhe „gebaut“. Das macht er jetzt nicht mehr, „weil die einfach zu teuer sind“. Der Trend gehe zur Reparatur. „Die Leute schmeißen weniger weg. Und bei den Jugendlichen gibt es eine neue Masche. Die holen die Schuhe ihrer Eltern oder ihrer Großeltern aus dem Keller und lassen sie aufarbeiten. Weil die in der Regel noch Qualität haben.“ Das sei heute selbst bei Markenschuhen nicht immer der Fall. „Ich hatte in der vergangenen Woche wieder mal ein Paar Markenschuhe, die waren extrem schlecht verarbeitet“, sagt Keller. „Ich habe mal reingeschaut und festgestellt, dass sie in China produziert und hier teuer verkauft werden.“

Ein passionierter Läufer

Gutes Schuhwerk kann man durchaus brauchen, wenn man mit Bernhard Mattes unterwegs ist. Wir kreuzen den Gürtel und gehen in den Stadtwald. „Genau das liebe ich an Lindenthal. Man ist mitten in der Stadt, kann das Flair genießen und ist trotzdem nach ein paar Schritten mitten im Grünen.“ Für einen passionierten Läufer wie den Ford-Chef ist das nahezu überlebenswichtig. „Hier drehe ich fast jeden Morgen meine Runde. Das ist immer wie ein kleiner Urlaub. Ich kann beim Laufen komplett abschalten und oft kommen mir dabei neue Ideen.“
Was die Kölner Grün-Stiftung in den vergangenen Jahren aus dem Stadtwald und dem Rautenstrauch-Kanal gemacht habe, sei wirklich aller Ehren wert. „Und dabei hat er seinen Charakter nicht verloren. Das ist kein steriler Park geworden, das Natürliche ist erhalten geblieben. Mich erinnert das immer ein wenig an den Englischen Garten in München.“ Zu einer Kahnpartie auf dem Stadtwaldweiher sei er bisher nicht gekommen: „Das muss ich im Sommer unbedingt mal machen.“

Der FC steckt einfach an

Lieblingsplatz drinnen: der Club Astoria
Lieblingsplatz drinnen: der Club Astoria
Foto: Grönert

Kommen wir zum sportlichen Teil der Tour. Bernhard Mattes ist bekennender FC-Fan. Für jemanden, der in der VW-Stadt Wolfsburg geboren ist und beim VfL in der Jugend Fußball gespielt hat, durchaus keine Selbstverständlichkeit. Doch als er 1999 als Vorstandsmitglied zu Ford nach Köln kam, sei schnell klar gewesen: „Der FC steckt einfach an. Ich habe die Begeisterung für den Club in der Ford-Familie gespürt, damals war der frühere Ford-Chef Albert Caspers noch Präsident. Der Verein macht es einem auch wirklich leicht, ihn zu mögen.“

Selbst in der Zweiten Liga. Mattes’ Dauerkarten-Sitzplatz auf der Westtribüne – direkt hinter den Presseplätzen auf Höhe des Mittelkreises – zählt zu seinen absoluten Lieblingsorten. „Ich bin schon recht impulsiv, wenn es zur Sache geht. Da ist es manchmal hilfreich, auf den kleinen Fernsehmonitor bei den Pressekollegen zu schielen, ob das wirklich Abseits war oder nicht.“

Ein echtes Kleinod

Der Terminplan eines Spitzenmanagers in der Autoindustrie ist allerdings wenig zweitligakompatibel. Dienstagspiele um 17 Uhr, Freitagspiele um 18 Uhr? „Ich war in der Hinrunde leider nur dreimal im Stadion.“ Allein deshalb müsse der Club möglichst schnell zurück in die Bundesliga. Den Club Astoria am Adenauerweiher kennt Mattes noch aus den Zeiten, als er von den belgischen Streitkräften geführt wurde und nicht für jedermann zugänglich war. „Das war damals schon toll. Eine Clubatmosphäre mit hervorragender Küche. Man saß in dicken Fauteuils, trank einen Aperitif oder einen guten Rotwein und wurde anschließend zu Tisch gebeten.“ Das neue Astoria sei ein echtes Kleinod. Ein Glücksfall, dass es gelungen sei, es der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. „Ich habe hier meinen 55. Geburtstag gefeiert, und mittlerweile ist es schon eine kleine Tradition, dass wir am Ostersonntag mit der Familie zum Brunch gehen.“

Doch bevor wir es uns zu gemütlich machen, will Mattes uns noch seinen Tennisclub zeigen. Beim KHTC Rot-Weiß gegenüber dem Stadionbad spielt er immer dann mit seiner Frau Tennis, „wenn es die Zeit zulässt“. Sobald er die Anlage betrete, habe er das Gefühl von Urlaub. Erst richtig auspowern und im Sommer anschließend eine Runde im Pool schwimmen. Der Club funktioniere ähnlich wie die Dürener Straße. Lauter nette Leute, gute Nachbarschaft eben.

Adressen in Lindenthal

Spanischer Obstgarten, Dürener Straße 165

Schumacher Ingo Keller, Wittgensteinstraße 35

Club Astoria, Adenauerweiher

Parfümerie Grallert, Dürener Straße 165 und 243

Ital. Restaurant Culinarius, Dürener Straße 193 bis 197

Hockeyclub KTHC Rot-Weiß, direkt am Stadion

Auch interessant
Videos
FACEBOOK
Weitere Serien
Kleinanzeigen