Carl Benz erlebt als junger Konstrukteur sehr wechselreiche Jahre. Sein erstes Unternehmen gründet er 1871 in Mannheim, zusammen mit dem „Mechanikus“ August Ritter. Die Werkstatt hat die typische Mannheimer Adresse T 6, 11. Bald stellt sich heraus, dass Ritter kein zuverlässiger Partner ist. Nur mit Hilfe seiner Braut, Bertha Ringer, gelingt es Benz, diese Klippe zu überwinden: Sie setzt kurzerhand ihre Mitgift ein, um Ritter auszuzahlen. 1872 heiraten Bertha Ringer und Carl Benz. Seine Frau ist entscheiden für den späteren Erfolg des jungen Unternehmens. Sie fördert seine Arbeiten und unternimmt auch die erste Fernfahrt der Welt mit dem Automobil.
Anfänglich laufen die Geschäfte von Carl Benz sehr schlecht. Seine „Eisengießerei und mechanische Werkstätte“, die er später auch „Fabrik für Maschinen zur Blechbearbeitung“ nennt, muss die Pfändung von Werkzeugen erleben. In dieser Zeit beschäftigt sich Benz intensiv mit dem Zweitaktmotor, um eine neue Existenzgrundlage zu finden. Nach zweijähriger Entwicklungszeit läuft sein erster stationärer Motor in der Silvesternacht 1879 zum ersten Mal zufriedenstellend. Er ist nach dem Zweitaktprinzip gebaut, den für den Viertaktmotor ist, als Ergebnis der Abreiten Nikolaus August Ottos, 1877 ein deutsches Patent der Gasmotorenfabrik Deutz erteilt worden. Für die Vervollkommnung seines Zweitaktmotors, den er bis zur Fertigungsreife entwickelt, erhält Benz mehrere grundlegende Patente, etwa für die Drehzahlregulierung. Zur Zündung benutzt er seine neu entwickelte Batteriezündung – ein Vorsprung gegenüber Daimler.
Benz’ erster Motor ist noch zu schwer, um in ein Straßenfahrzeug eingebaut zu werden – denn das ist das Ziel des Konstrukteurs. Aber das Aggregat hilft, die Voraussetzungen dafür schaffen. Denn schon bald gelten seine Stationär-Zweitaktmotoren als ausgereift und werden gern gekauft. Sie bringen das Geld für die technische Fortentwicklung herein. 1880 erhält Benz das Patent auf eine Öltropfeinrichtung zur verbesserten Schmierung. 1883 entwirft er eine Drosselklappenregelung, eine Grundlage der modernen Leistungsregelung. Vom Frühjahr 1884 an stattet Benz seine Motoren mit einer elektrischen Hochspannungszündung aus.
Foto: Mercedes-Benz
Der Patent-Motorwagen hat einen liegenden Einzylinder-Viertaktmotor, der aus einem Hubraum von 954 Kubikzentimeter und bei einer Drehzahl von 400/min eine Leistung von 0,55 kW entwickelt. Die Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs beträgt 16 km/h. Der Patent-Motorwagen folgt einem ganzheitlichen Ansatz: Motor, Fahrgestell und Antrieb sind exakt aufeinander abgestimmt und bilden eine Einheit. Damit ist Benz allen Konkurrenten weit voraus, denn diese bauen ihre Motoren in vorhandene Fahrzeuge ein, etwa Kutschen.




