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Bartoli siegt in Wimbledon: Lisicki lässt Tränen freien Lauf

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Aus der Traum: Sabine Lisicki kämpfte schon Mitte des zweiten Satzes mit den Tränen.  Foto: dpa
Das Endspiel zwischen Sabine Lisicki und Marion Bartoli ist entschieden: Die gebürtige Troisdorferin hat ihren Traum vom Sieg nicht verwirklichen können. Lisicki verlor gegen Bartoli überraschend deutlich in zwei Sätzen und weinte bittere Tränen.
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Nach der bitteren Lehrstunde auf dem Heiligen Rasen von Wimbledon konnte Sabine Lisicki ihre Tränen nicht mehr zurückhalten. Erst als die sonstige Strahlefrau des deutschen Tennis vom Herzog von Kent den silbernen Trostpreis nach dem 1:6, 4:6 im Finale gegen Marion Bartoli (Frankreich/Nr. 15) entgegennahm, huschte kurz das berühmte „Bine“-Lächeln über Lisickis Gesicht.

„Ich war einfach überwältigt von der Situation. Ich bin mir aber sicher, dass ich noch einmal die Chance bekommen werde, diesen Titel zu holen“, sagte Lisicki, die schon während des Spiel gegen die Tränen hatte ankämpfen müssen - und wurde von einem neuerlichen Heulkrampf geschüttelt. In unserem Liveticker können Sie den Verlauf des Finales nachlesen.

Matchball, Ass, Match gewonnen: Marion Bartoli sinkt nach ihrem Sieg im Wimbledon-Finale auf die Knie. Foto: AP/dpa

Der Berlinerin war der Erwartungsdruck in ihrer bislang wichtigsten Partie deutlich anzumerken, in den entscheidenden Momenten versagten ihr die Nerven. Doch auch Bartoli hatte Trost für Lisicki parat. „Sie wird hier irgendwann gewinnen“, sagte die 28-Jährige nach ihrem ersten Grand-Slam-Erfolg. Damit bleibt Steffi Graf vorerst der letzte deutsche Tennisprofi, der ein Grand-Slam-Turnier gewinnen konnte. Die Brühlerin hatte zuletzt 1999 bei den French Open in Paris triumphiert.

Bartoli verwandelt vierten Matchball

Nach 1:21 Stunden verwandelte Bartoli ihren vierten Matchball im All England Club an der Church Road und konnte ihr Glück kaum fassen. Die 28-Jährige kassierte für ihren insgesamt achten Turniersieg eine Rekordsumme von umgerechnet rund 1,86 Millionen Euro (1,6 Millionen Pfund). Fed-Cup-Spielerin Lisicki, die erstmals in einem Grand-Slam-Finale stand und nur zwei von acht Breakchancen nutzen konnte, bekam noch 931.000 Euro (800.000 Pfund) und wird sich in der Weltrangliste von Platz 24 auf Rang 18 verbessern. Ihre bestes Ranking hatte sie im Mai 2012 als Zwölfte inne.

Zwei Tage nach dem Dreisatzkrimi im Halbfinale gegen Agnieszka Radwanska (Polen/Nr. 4) zeigte Lisicki zu Beginn Nerven. Dabei hatte sie mit ihrem obligatorischen Lächeln auf den Lippen den Centre Court betreten und voller Zuversicht in den strahlend blauen Sommerhimmel von London geblickt. Auch die 15.000 Zuschauer standen wie eine Wand hinter der deutschen Nummer zwei, die im Achtelfinale die haushohe Favoritin und Nummer eins Serena Williams (USA) besiegt hatte. Doch trotz eines optimalen Auftaktes mit einem Break unterliefen ihr etliche leichte Fehler. Besonders die ersten Aufschläge, von denen Lisicki im ersten Satz nur 54 Prozent ins Feld brachte, waren nicht die gewohnte Waffe.

Bartoli versuchte immer wieder, ihre Gegnerin auf der Rückhandseite festzunageln. Mit Erfolg: Nach einer halben Stunde verwandelte die Finalistin von 2007 ihren ersten Satzball. Völlig frustriert verließ Lisicki in der darauffolgenden Pause den Court, kehrte aber mit einem breiten Grinsen im Gesicht rechtzeitig wieder zurück. Ein Knackpunkt des Spiels war dann das erste Aufschlagspiel der Französin, bei dem Lisicki vier Breakchancen nicht nutzen konnte. Bartoli machte es besser und ging mit 4:1 in Führung, während die Deutsche mehr und mehr gegen ihre Tränen ankämpfte. Dennoch konnte sie beim Stand von 1:5 drei Matchbälle abwehren, verkürzte azuf 4:5, doch Bartoli behielt die Nerven. Die Weltranglisten-15. revanchierte sich damit für die Niederlage gegen Lisicki im Viertelfinale von Wimbledon 2011.

Am Freitag hatte der dreimalige Wimbledonsieger Boris Becker der Deutschen Tipps gegeben. Steffi Graf, die Lisicki während der letzten Tage einige SMS gesendet hatte, fieberte im heimischen Las Vegas mit. Am Tag vor dem großen Finale hatte sich Lisicki noch locker und strahlend wie immer präsentiert. Mit Sonnenbrille auf dem Kopf und ihrem Glücksbringer-T-Shirt, das die britische Flagge in Wimbledon-Grün zeigt, hatte sie die unzähligen Fragen der internationalen Presse wie immer geduldig beantwortet

Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner, die wie immer neben den Lisicki-Eltern Richard und Elisabeth saß, hatte die Siegchancen der Berlinerin vor dem Finale auf „60:40“ beziffert. Von drei Duellen gegen Bartoli hatte Lisicki bis dato drei gewonnen - zuletzt 2011 im Viertelfinale von Wimbledon. In der Royal Box verfolgten unter anderem der Herzog von Kent, der am Samstagmorgen eingeflogene DTB-Präsident Karl Altenburg sowie die früheren Wimbledonsiegerinnen Martina Navratilova und Martina Hingis das Match um die Venus-Rosewater-Trophäe, die immer ein wenig an eine Salatschüssel erinnert.

Vor dem Finale hatten etliche deutsche Sportgrößen Lisicki viel Glück gewünscht. Auch Basketballstar Dirk Nowitzki: „Boom Boom Bine... absoluter Wahnsinn. Ich freue mich riesig für dich. Hol' das Ding nach Hause, ich drücke die Daumen“, hatte der Star der Dallas Mavericks bei Sky Sport News HD gesagt. Bislang stehen vier Deutsche in den Einzel-Siegerlisten von Wimbledon: Cilly Aussem (1931) und Steffi Graf (1988, 1989, 1991, 1992, 1993, 1995, 1996) bei den Frauen sowie Boris Becker (1985, 1986, 1989) und Michael Stich (1991) bei den Männern. (dpa/sid/ksta)

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