Neue Erkenntnisse im Betrugs-Skandal um Lance Armstrong: Knapp eine Woche nach dem halbgaren Offenbarungseid des wegen Dopings lebenslang gesperrten Ex-Radprofis hat Hein Verbruggen, der schwer belastete frühere Präsident des Radsport-Weltverbandes UCI, mit überraschenden Aussagen für Aufsehen gesorgt.
Laut Verbruggen habe Armstrong wie alle anderen Rennfahrer bei verdächtigen Blutwerten vor einer möglichen Doping-Sperre ein Signal von der UCI erhalten. „Es war sehr hart für mich“, sagte Verbruggen im Gespräch mit der Wochenzeitung Vrij Nederland, „mehr zu wissen, als ich preisgeben darf. Man hat dann natürlich Fragen, die man aber nicht öffentlich machen darf.“ Unmittelbar nach Armstrongs Beichte hatte Verbruggen noch erleichtert reagiert und mit aller Entschlossenheit bekräftigt, dass „nichts jemals vertuscht worden“ war.
Ex-Tennisspieler Andre Agassi
Der achtmalige Grand-Slam-Sieger beendet 2006 seine erfolgreiche Karriere und gesteht drei Jahre später in seiner Biografie den Konsum der synthetischen Droge Crystal Meth. Eine Sperre umgeht der heute 42-Jährige, indem er der ATP schriftlich erklärt, dass es sich um ein Versehen gehandelt habe. „Der Brief war voller Lügen, gemischt mit wenigen wahren Aspekten“, sagt Agassi rückblickend.
Foto: Getty ImagesIm Gebäude der UCI mit Sitz in Zürich, dies geht anscheinend aus vertraulichen Dokumenten hervor, soll seinerzeit auch UCI-Mediziner Mario Zorzoli über die auffälligen Blutwerte und eine mögliche Strategie aufgeklärt haben. Dadurch hatten die Rennfahrer die Möglichkeit, ihren Konsum anzupassen und so einem positiven Test zu entgehen.
Heute rechtfertigt Verbruggen, der von 1991 bis 2005 dem Verband vorstand, jene äußerst fragwürdige Maßnahmen. „Vielleicht überzeugst du einen, nicht mehr zu dopen. Vielleicht aber auch nicht“, sagte er. Der Weltverband muss sich nicht erst seit Verbruggens Aussagen heftiger Kritik erwehren.
Im Oktober 2012 erkennt der Radsport-Weltverband UCI Lance Armstrong die Tour-Titel von 1999 bis 2005 ab. Armstrong hatte über Jahre hinweg systematisch betrogen und ein Doping-Netzwerk aufgebaut, ehemalige Kollegen und Weggefährten belasteten ihn schwer. Nach jahrelangem Leugnen bricht der Texaner im Januar 2013 in einem Interview mit Talkmasterin Oprah Winfrey sein Schweigen und soll den Betrug zugegeben haben.
Foto: dapdJörg Jaksche, geständiger Doping-Sünder, ist sich sicher, dass die Funktionäre der UCI bestechlich sind. „Ich bin überzeugt, dass Armstrong mit dem Geld (125.000 Dollar, d. Red.) einen positiven Dopingtest vertuscht hat“, sagte der 36 Jahre alte Ex-Profi der Sport Bild. „Für einen Neuanfang braucht man ein neues UCI-Präsidium. Ich habe kein Vertrauen in Pat McQuaid und den Ehrenpräsidenten Hein Verbruggen“, bekräftigte Jaksche.
Traumquoten für Oprah
Derweil reibt sich US-Talkmasterin Oprah Winfrey vergnügt die Hände, denn das mit Spannung erwartete Interview mit Armstrong bescherte ihrem kriselnden Sender OWN nach langer Zeit mal wieder Traumquoten. 28 Millionen Menschen weltweit hwaren live dabei, als Armstrong binnen weniger Minuten den Gebrauch von Epo, Cortison, Testosteron sowie Blutdoping gestand.
Allein in den USA verfolgten 3,2 Millionen Zuschauer den ersten Teil des 2,5-stündigen Interviews live. Beim bisherigen Rekord sahen im März 2012 3,5 Millionen Zuschauer das Interview mit der Familie der einen Monat zuvor gestorbenen Soul-Diva Whitney Houston. (sid)



