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Doping-Prozess: Fuentes spielt mit der Justiz

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Eufemiano Fuentes getarnt mit Sonnenbrille.  Foto: dpa
Der spanische Dopingarzt Eufemiano Fuentes zeigt der Justiz weiter die kalte Schulter. Bei der Verhandlung behauptet der Iberer zwar alle Namen der betroffenen Athleten nennen zu können, verraten will er sich aber trotzdem nicht.
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Madrid

Schamloses Schauspiel in Madrid: Der als Drahtzieher der weltweit größten Dopingaffäre geltende Eufemiano Fuentes hat sich am dritten Verhandlungstag vor dem Juzgados de lo Penal damit gebrüstet, er könne alle Namen der betroffenen Athleten problemlos identifizieren - doch er nenne sie nicht. Und die Richter der 21. Strafkammer ließen die um Aufklärung bemühten Sportinstitutionen ein zweites Mal im Stich.

Hatte Richterin Patricia Santamaria am Dienstag noch die Auswertung der Computerdaten des Arztes zurückgewiesen („Das würde die Privatsphäre von Herrn Fuentes verletzen“), so erteilte das Gericht am Mittwoch einem Antrag des als Nebenkläger auftretenden Nationalen Olympischen Komitees Italiens (CONI) eine Abfuhr. Dieses wollte über die Herausgabe der 2006 bei Fuentes' Verhaftung im Rahmen der „Operacion Puerto“ gefundenen Blutbeutel die codierten Namen der Athleten enttarnen und lief mit seinem Begehren ins Leere.

Gleiches muss nun die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA fürchten: Sie soll bis Freitag dem Gericht begründen, warum die Enttarnung sportrechtlich bedeutsam wäre. „Ich kann alle Proben identifizieren. Wenn Sie mir eine Liste geben, könnte ich Ihnen sagen, welcher Blutbeutel zu welchem Namen gehört“, sagte Fuentes dem Gericht. Doch einmal mehr machte er deutlich, dies werde sein Geheimnis bleiben. Ansonsten stritt Fuentes jegliche Dopingvergehen ab und weigerte sich, auf Fragen von Anwälten der WADA, des Radsport-Weltverbandes UCI und des spanischen Radsport-Verband RFEC zu antworten.

Fuentes brüstete sich damit, er habe stets die Gesundheit der Athleten geschützt und nichts zu tun mit den Dopingbefunden in den Blutbeuteln. „Wenn es in acht von 92 Plasmakonserven geringe Spuren des Hormons Erythropoietin gegegen habe, dann sei das auf die frühere Einnahme dieses Mittels durch die Athleten zurückzuführen“, erklärte der Facharzt der Gynäkologie: „Ich habe dem Blut nur Konservierungsmittel hinzugefügt, die Behandlung erfolgte rein aus therapeutischen Gründen bei einem zu niedrigen Hämatokritwert der Athleten, nicht aus Doping-Absicht.“

Der spanische Mediziner, der am Vortag eingeräumt hatte, er habe neben Radsportlern auch Fußballer, Tennisspieler, Leichtathleten, Schwimmer und einen Boxer behandelt, bekräftigte weitere Unschuldsbeteuerungen. Die in seinem Labor sichergestellten Dopingmittel seien für die Therapie von Radprofi Alberto Leon bestimmt gewesen, der sich 2011 das Leben nahm. Und das bei ihm zu Hause gefundene EPO sowie weitere Medikamente für seine eigene Tochter: „Sie war damals krebskrank.“

Bei Fuentes' Verhaftung im Rahmen der „Operacion Puerto“ 2006 konnten die Codes von gut einem Viertel der rund 200 von ihm per Blutaustausch behandelten Athleten zugeordnet werden. Dadurch waren 58 Radsportler namentlich bekannt geworden. Lediglich sechs davon wurden sanktioniert, so der frühere Tour-de-France-Sieger Jan Ullrich, der am 5. Februar als Zeuge auftretende Jörg Jaksche, der Spanier Alejandro Valverde sowie die Italiener Ivan Basso, Michele Scarponi und der später wieder freigesprochene Giampaolo Caruso.

Aussagen, die zu Dopingverfahren führen könnten, sind bei dem bis zum 22. März terminierten Prozess vor allem vom früheren US-Radprofi Tyler Hamilton zu erwarten. Der geständige Dopingsünder und frühere Teamkollege des gestürzten Radsport-Idols Lance Armstrong will anscheinend Licht ins Dunkel bringen. Wie er hat auch Jörg Jaksche, einer von 36 Zeugen, höhere Aufklärungsbereitschaft signalisiert. (sid)

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