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Fall Armstrong: UCI-Bosse halten den Atem an

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Lance Armstrong (l.) lässt sich von Oprah Winfrey ausfragen. Foto: Reuters
Die Sportwelt erwartet mit Spannung das TV-Interview mit Lance Armstrong. Vor allem die UCI-Fuktionäre Pat McQuaid und sein Vorgänger Hein Verbruggen zittern vor Armstrongs Beichte. Seine Bronzemedaille von den Olympischen Spielen 2000 muss er zurückgeben.
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Austin

Der Countdown zur Armstrong-Beichte lief bis in die frühen Morgenstunden am Freitag. Die Welt zählte die Stunden, bis die mögliche Offenbarung des Texaners ein Beben in höchsten Funktionärskreisen auslöst. Besonders der amtierende Boss des Radsport-Weltverbandes UCI Pat McQuaid und sein einflussreicher Vorgänger Hein Verbruggen, inzwischen UCI-Ehrenpräsident, IOC-Ehrenmitglied und Intimus von IOC-Boss Jacques Rogge, werden den Atem angehalten haben, als Lance Armstrong sich bei Oprah Winfrey erklärte.

Über die New York Times waren Spekulationen aufgekommen, der 41-Jährige habe gegen „mehrere mächtige Personen im Radsport“ ausgesagt. Auch die UCI-Führungsebene wollte Armstrong demnach unter Beschuss nehmen. Damit stellten sich die Fragen, ob die Gerüchte um eine unbotmäßige Unterstützung Armstrongs, um die Vertuschung einer positiven Probe, die bis heute nicht schlüssig erklärte Annahme einer beträchtlichen Geldspende in Höhe von 125.000 Dollar, ob dies alles sich bestätigt?

Es geht dabei um Korruptionsvorwürfe. McQuaid ließ zu den Mutmaßungen über Armstrongs Aussagen noch keinerlei Kommentar versenden, die UCI wolle erst die Übertragung abwarten, hieß es. Verbruggen, UCI-Chef von 1991 bis 2005, wies dagegen alle Verantwortung bereits von sich. Er verstehe das „ganze Getöse“ nicht, sagte Verbruggen dem niederländischen Magazin De Muur und beteuerte in dem im Dezember geführten Interview aufs Neue: „Es gab nie Korruption, Armstrong hat nie jemanden innerhalb der UCI bezahlt. Alle Bücher werden das beweisen.“

Die Annahme der 125.000 Dollar, die offiziell übrigens allen Ernstes in den Anti-Doping-Kampf geflossen seien, nennt der Niederländer inzwischen einen „Fehler“. Verbruggen hatte sich einst selbst als Freund von Armstrong bezeichnet, und auch Auslassungen von Tyler Hamilton ließen diesen Schluss zu. Der geständige Doper, der im Fall Armstrong eine bedeutende Rolle eingenommen hatte, berichtete im Zuge eines auffälligen Tests bei der Tour de Suisse 2001 von einem Telefonat zwischen Armstrong und Verbruggen.

„Ich war überrascht über den vertrauten Ton des Gesprächs. Verbruggen war der Präsident der UCI. Aber es klang, als sei er ein Geschäftspartner, ja ein guter Freund“, sagte Hamilton. Kurz vor der Ausstrahlung wurde Verbruggen, der auch der internationalen Dachorganisation der Sportverbände vorsitzt, dann mit neuen Vorwürfen konfrontiert. Er solle mit Thomas Weisel, dem Finanzier des US-Postal-Radteams und damit dem Chef von Lance Armstrong, eine Geschäftsbeziehung gehabt haben, berichtete das Wall Street Journal.

„Jetzt wird's lächerlich“, entgegnete der 71-Jährige lax. „Das stinkt zum Himmel“, sagte USADA-Chef Travis Tygart. Auch McQuaid hat bisher jede Verantwortung für die Ära Armstrong abgelehnt, immer mit dem Verweis, dass er ja erst seit 2005 an der UCI-Spitze stehe und sich seither intensiv für den Anti-Doping-Kampf im Radsport einsetze. Die Einführung des Blutpasses, der über einen längeren Zeitraum Auskunft über das Blutprofil eines Sportlers gibt, stellt McQuaid dabei stets als große Errungenschaft heraus.

Doch dass er den einstigen Heroen im Oktober gnadenlos fallen ließ und neben lebenslanger Sperre und Aberkennung der sieben Tour-Siege forderte, Armstrong zu „vergessen“, das wird gerade der berechnende Armstrong nicht vergessen haben. Mit der Ablehnung ihrer unabhängigen Kommission hat die UCI jedenfalls schon im Vorfeld der Ausstrahlung einen deftigen Nackenschlag erhalten. Neue Gegenkräfte wie die Initiative Change Cycling Now (CCN) mit dem Amerikaner Greg Lemond, selbst Armstrong-Gegner, haben eine Zusammenarbeit abgelehnt, ebenso wie die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA und die US-Anti-Doping-Agentur USADA.

Welche konkreten Folgen aber ein Beben im Weltverband für den Radsport hätte, ist noch nicht absehbar. Sollte Armstrong „zu 100 Prozent offen und ehrlich“ gewesen sein, „kann es die UCI in dieser Konstellation nicht mehr geben“, sagte Ex-Radprofi Jörg Jaksche dem SID: „Wenn alles rauskommt, hat das tiefgreifende Konsequenzen“. Sogar ein Olympia-Ausschuss wird dann gehandelt.

Armstrong muss Olympiamedaille abgeben

Lance Armstrong muss seine Bronzemedaille von den Olympischen Spielen 2000 in Sydney zurückgeben. Das bestätigte das Internationale Olympische Komitee IOC am Donnerstag. Armstrong hatte vor 13 Jahren im Zeitfahren hinter Jan Ullrich und Wjatscheslaw Jekimow den dritten Platz belegt. Zu einem möglichen Ausschluss des Radsports von künftigen Olympischen Spielen wollte sich IOC-Sprecher Mark Adams nicht konkret äußern. Zu diesem Zeitpunkt seien derart drastische Überlegungen nicht angebracht. IOC-Mitglied Richard Pound hatte solche Konsequenzen bei einer weitreichenden Verwicklung des Radsportweltverbandes UCI in den Fall Armstrong in Erwägung gezogen. (sid)

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