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Interview mit Gerald Ciolek: „Ein sehr spezielles Gefühl“

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Der Sieger und seine Trophäe: Gerald Ciolek steht in San Remo ganz oben auf dem Podium. Bild: dpa Foto: dpa
Der deutsche Radprofi Gerald Ciolek siegte am Sonntag überraschend beim Frühjahrsklassiker Mailand-San Remo. Im Interview mit Stephan Klemm spricht der gebürtige Kölner über die Schwierigkeiten bei seinem Triumph in Italien.
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Köln

Herr Ciolek, am Sonntag ist Ihnen mit dem Sieg bei Mailand-San Remo, dem wichtigsten Frühjahrsklassiker, eine Sensation gelungen. Wie haben Sie Ihren Triumph erlebt?

GERALD CIOLEK: Es ist immer ein sehr spezielles Gefühl, ein Rennen als Sieger zu beenden. Dass mir das nun bei Mailand-San Remo gelungen ist, einem Monument unseres Sports, ist natürlich eine großartige Sache. Es ist ein Super- Erfolg für mich und mein Team. Das ist eigentlich unglaublich, wir gehören nicht zur ersten Garde der Mannschaften, wir haben eine Wildcard erhalten, und dann gewinnen wir das Rennen. Man hat mir immer eingeredet, dass mir dieses Rennen liegen müsse. Ich hatte in den vergangenen Jahren aber nie die richtige Tagesform. Das war an diesem Sonntag zum Glück anders.

Das Rennen selbst verlief außergewöhnlich: Es war eisig kalt, vor dem Turchino-Pass wurde die Veranstaltung unterbrochen und gut 60 Kilometer später wieder fortgesetzt. Die Fahrer wurden mit Bussen an die Mittelmeerküste transportiert, wo das verkürzte Rennen fortgesetzt wurde. Wie haben Sie das erlebt?

CIOLEK: Die Wetterverhältnisse waren ganz extrem, es war so kalt, dass ich halb erfroren bin. Es hat geschneit, es war unwirklich und richtig hart. Dann sind wir in den warmen Bus eingestiegen - und eigentlich wollte niemand mehr aus diesem gemütlichen Umfeld raus. Denn es war auch an der Küste immer noch kalt, außerdem hat es geregnet. Aber dann ging es doch weiter, und ich muss sagen, dass ich bei diesen widrigen Verhältnissen keine Probleme hatte.

Sie haben sich das Rennen klug eingeteilt und waren dabei, als an sich an der letzten Steigung des Tages, dem Poggio, die entscheidende Gruppe bildete. Spürten Sie da schon, dass Sie eine Rolle im Finale spielen würden?

CIOLEK: Ich wusste, ich musste mit den besten Fahrern den Poggio attackieren, und es klappte bestens. Da habe ich tatsächlich gemerkt, dass es klappen könnte. Die Gruppe, die sich gebildet hatte, war für mich von Vorteil - es war der Top-Favorit Peter Sagan dabei, und auf den haben alle geachtet. Das war eine komfortable Situation für mich. Tja - und dann habe ich den Endspurt angezogen und gewonnen. Vor Sagan. Bis zur Cipressa, dem vorletzten Anstieg, hat mein Teamkollege Andreas Stauff für mich gearbeitet, er lebt ja im Kölner Norden, ich wohne in der Kölner Südstadt, insofern haben wir da ein schönes kölsches Tandem abgegeben.

Sie fahren mit Beginn dieser Saison für das südafrikanische MTN-Qhubeka-Team, eine Formation aus der zweiten Liga des Radsports, was Ihren Erfolg nur noch bemerkenswerter macht. War der Wechsel von dem großen Quick-Step-Team der Schlüssel für Ihren Formanstieg?

CIOLEK: Ich würde sagen, ich war immer auf einem guten Niveau in den vergangenen Jahren. In diesem Jahr aber konnte ich die Rennplanung mitbestimmen, das ganze Team ist auf mich ausgerichtet, ich bin der Kapitän. Bei Mailand-San Remo sind sieben Mann für mich gefahren. Das gibt natürlich großes Selbstvertrauen. Wir haben perfektes Material, und ich arbeite mit Leuten zusammen, auf die ich mich verlassen kann, das alles macht mich sehr glücklich und zufrieden. Ich bin zudem später als sonst in die Saison gestartet, ich bin weniger Rennen gefahren, habe dafür aber deutlich mehr trainieren können. Es lief alles optimal. Es hat vielleicht viele Leute überrascht, dass ich zu diesem Team gewechselt bin, aber jetzt zeigt sich, dass es kein Fehler war, diesen Schritt zu tun.

Sie waren mit 18 bereits Deutscher Meister, mit 20 dann U-23-Weltmeister und in der Folge ein erfolgreicher Sprinter. Zuletzt, bei Quick-Step, wo Sie von 2011 bis 2012 beschäftigt waren, lief es allerdings nicht mehr wirklich gut für Sie. Was war da los?

CIOLEK: Das ist schwierig zu sagen. Ich hatte viele Erfolge am Anfang meiner Karriere, da haben viele Leute gedacht, ich würde nun durchstarten - und Klassiker gewinnen sowie eine Tour-Etappe. Aber es läuft eben nicht immer so wie geplant. Vor meiner Zeit bei Quick-Step bin ich ja 2009 und 2010 für das Milram-Team gefahren. Da war die Messlatte einfach zu hoch. Nun aber habe ich es mit einer ganz anderen Messlatte zu tun. Ich erfahre große Wertschätzung - und das tut mir gut.

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Was wird Ihr nächster Renneinsatz sein?

CIOLEK: Das sind die "Drei Tage von De Panne" in Belgien, die nächsten Dienstag beginnen. Diese Woche habe ich noch frei. Aber ich werde die Zeit zum Training nutzen. Groß gefeiert haben wir übrigens in San Remo auch nicht. Das kann ich mir nicht leisten. Das haben wir also nicht übertrieben.

Zu welchen anderen großen Rennen erhält Ihr Team nach Mailand-San Remo noch eine Wildcard?

CIOLEK: Bei der Tour de France werden wir nicht dabei sein, das ist zu früh. Auch bei den Klassikern im April sind wir nicht dabei. Wir hoffen auf eine Möglichkeit, Ende August bei der dreiwöchigen Spanien-Rundfahrt starten zu dürfen.

Werden Sie am 12. Mai bei "Rund um Köln" dabei sein?

CIOLEK: Ja. Für dieses Rennen sind wir vom Organisator Artur Tabat eingeladen worden.

Das Gespräch führte Stephan Klemm

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