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Nach Verletzung: Australien Open ohne Petkovic

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Andrea Petkovic muss erneut ein Grand-Slam-Turnier absagen. Foto: AFP
Das nächste Drama um Andrea Petkovic Für die 25-Jährige endet das Jahr 2012, wie es begonnen hat: mit einer Verletzung. Die Darmstädterin zieht sich beim Hopman Cup einen Meniskusriss zu und fällt erneut monatelang aus.
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Perth

Perth. Es war das Bild, das man in dieser ganzen Saison als letztes sehen wollte. Und das man nun schon im allerersten Spiel, nach einer knappen Stunde, sah – weit weg von der Heimat, am anderen Ende der Welt, im schönen Westen Australiens. In der Perth Arena, saß Andrea Petkovic am Samstagabend auf ihrem Pausenstuhl, das Gesicht verheult, gezeichnet von Ärger, Wut, tiefer Bitterkeit und dem Wissen, dass auch über diesem Anfang eines Tennis-Comebacks der Verletzungs-Fluch lag.

Elfeinhalb Monate nach ihrem Ermüdungsbruch im Kreuz-Darmbeingelenk in Brisbane, startet die neue Saison für die 25-jährige Südhessin noch im alten Jahr genau so wie auch die alte Saison: Der Riss im Innenmeniskus des rechten Knies, der Petkovic zur Aufgabe ihres Matchs gegen die Australierin Ashleigh Barty beim Hopman Cup zwang, war der jüngste Rückschlag in einer Karriere, die sich unter dem Eindruck immer neuer Verletzungen unfreiwillig verdüstert hat.

So geplagt von körperlicher Malaise schien Petkovic bereits, dass sie in der ersten ärztlichen Diagnose sogar noch einen Hoffnungsschimmer sehen konnte: „Wenigstens ist es nicht wieder ein Kreuzbandriss“, verkündete die Darmstädterin zunächst ihrem Internet-Freundeskreis und versuchte sich vor Journalisten dann im üblichen Galgenhumor: „Das Gute ist, dass ich schon an dieses Chaos und diese Verwirrung gewöhnt bin.“ Nicht „ganz ernst“ gemeint war auch ihre Spontan-Überlegung, nun bis zur gemeinsamen Heilung „die Hand von Rafael Nadal zu halten“, ihrem Idol, dem mallorquinischen Gladiator, der als erster Star die Teilnahme an den Australian Open abgesagt hatte.

Wie 2012 wird Petkovic beim Höhepunkt des australischen Tennis-Sommers in Melbourne fehlen, an jenem Ort, mit dem sie eine Art Hassliebe zu verbinden scheint. Vor fünf Jahren warf sie ein Kreuzbandriss im National Tennis Center erstmals aus der Bahn, nach nur zwei Minuten des Zweitrundenspiels gegen die Russin Anna Tschakwetadse war nicht nur der erste Auftritt auf einem der großen Showcourts, sondern fast die ganze Saison vorüber.

Mindestens sechs Wochen Tour-Aus

Jetzt sind Melbourne und Gastspiele im Grand-Slam-Rampenlicht wieder unerreichbar für Petkovic, die auffälliger Weise gleich auf den ersten Metern einer Saison aufs Neue schwere Verletzungsprobleme hat – allerdings wohl nicht so folgenreich wie in der vergangenen Saison, in der sie bis zum Stuttgarter Porsche Grand Prix Ende April pausieren musste.

Im besten Fall könnte das Tour-Aus nun auf rund sechs Wochen beschränkt bleiben, aber sicher ist das nicht: „Wenn sie den Meniskus zusammen nähen müssen, dauert es zwei bis drei Monate“, sagte Petkovic – nicht eingerechnet ist da allerdings die Trainingszeit, die bis zum ersten Match nötig ist. Gute Wünsche bekam die Pechmarie des Damentennis genug in den Stunden nach dem neuen Rückschlag, etwa von ihrer Freundin und Trainingspartnerin Angelique Kerber, die via Twitter erklärte: „Du weißt, in Gedanken bin ich bei Dir und es wird alles gut! Kopf hoch.“ Oder von Sabine Lisicki, der Kollegin aus dem Fedcup-Team, die mitteilte: „Fühl´ Dich gedrückt, Petko. Das wird alles wieder!“ Oder von Bundestrainerin Barbara Rittner, die aufmunternde Worte fand: „Andrea ist stark genug, um auch das zu überstehen.“

Beim brisanten Länderspielvergleich mit Frankreich Anfang Februar, der den Deutschen die Relegationschance für die Rückkehr in die Fedcup-Weltgruppe bringen soll, muss Rittner aber auf ihre ehemalige Frontfrau verzichten, auf die charismatische Leitfigur, die inzwischen zur Leidfigur geworden ist. Auch wenn sich die neue Verletzung in der Chronik der Tiefschläge als nicht so schwerwiegend herausstellen sollte, sind die psychologischen Konsequenzen nicht zu unterschätzen.

Es stellt sich die Frage, ob bei der einstmals so unverwüstlich wirkenden Darmstädterin nicht doch Hemmschwellen zurückbleiben – die Angst, sich mit allerletzter und vollster Konsequenz in die Zermürbungskämpfe zu stürzen. In Matches, die gerade im Damentennis in den letzten Jahren immer anspruchsvoller und physisch herausfordernder geworden sind.

Die Furcht abgehängt zu werden

Mit der Furcht, von der Weltspitze womöglich abgehängt worden zu sein, war Petkovic ohnehin schon in die Saison 2013 gegangen: „Es ist kein schönes Gefühl, wenn du die anderen über den Platz fliegen siehst – und selbst nur daheim vor dem Fernseher sitzt“, sagte die 25-jährige, die 2012 sieben Monate ausgesetzt hat. Von einem Platz knapp unterhalb der Top 200 kämpfte sie sich zwar noch im Herbst bis auf Platz 126 zurück, auch dank einer Tingeltour durch die Provinz. Doch bei den Australian Open hätte sie durchs harte Qualifikations-Turnier ins Hauptfeld schlagen müssen.

Vielleicht kann Petkovic Inspiration aus dem Tennisleben ihres Hopman Cup-Partners Tommy Haas ziehen. Den hatten sogar vier Schulter- und eine Hüftoperation nicht davon abhalten können, immer neue Comeback-Anläufe zu nehmen. In der letzten Saison wurde Haas nach seinem Sprung unter die Top 20 mit 34 Jahren sogar zum Rückkehrer des Jahres auf der ATP-Tour gewählt. Haas soll nun mit Tatjana Malek (Bad Saulgau) an seiner Seite in die Partien am 2. Januar gegen Italien und am 4. Januar gegen Serbien gehen. „Ich freue mich sehr, mein Land an der Seite von Tommy zu vertreten“, sagte die Ranglisten-112., die aus Miami nach Australien reist. (JA)

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