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NBA-Vertrag: Der nächste Nowitzki

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Tim Ohlbrecht (r.) hat einen NBA-Vertrag erhalten. Foto: dpa
Dirk Nowitzki bekommt deutsche Gesellschaft in der NBA. Die Houston Rockets haben den deutschen Nationalspieler Tim Ohlbrecht unter Vertrag genommen. Bereits am Sonntag könnte der 24-Jährige auf seine zwei Landsmänner treffen.  Von
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Houston

Wenn Träume wahr werden, bedarf es nicht mehr vieler Worte. Deshalb hat es Tim Ohlbrecht bei einem knappen Statement belassen: „Ich habe es geschafft!!! Ich kann es nicht glauben“, ließ der deutsche Basketballer über einen Internetdienst enthusiastisch mitteilen, nachdem er am Montag einen Vertrag in der amerikanischen Profiliga NBA bei den Houston Rockets unterzeichnet hatte.

Die Vereinbarung gilt zunächst bis zum Ende dieser Saison. Zudem haben sich die Texaner die Option gesichert, das Engagement auf die beiden darauffolgenden Spielzeiten auszudehnen. „Ich bin stolz, Deutschland auf dieser großen Bühne repräsentieren zu dürfen, und werde noch intensiver arbeiten, um diese Chance zu nutzen“, versprach Ohlbrecht.

Das ist ein mit handelsüblichem Pathos angereichertes Statement, wie es der US-Sport zu schätzen weiß: schöne Worte, wenig Brisanz. Möglicherweise verbirgt sich im Subtext aber doch ein trotziger Gruß an die ewigen Kritiker in der Heimat. Die Botschaft: Seht her, ich habe es allen gezeigt und spiele in der besten Liga der Welt – als Deutscher.

In exklusiver Gesellschaft

Das haben vor ihm tatsächlich nur wenige seiner Landsleute geschafft. Dirk Nowitzki, natürlich. Uwe Blab, Christian Welp und Detlef Schrempf. Die eingebürgerten Chris Kaman und Shawn Bradley sowie der nur bei beflissenen Historikern unvergessene Frido Frey (1946/47). Schon am Sonntag tritt Ohlbrecht mit Houston bei den Dallas Mavericks an, wo Nowitzki und Kaman spielen.

Es haben nicht mehr viele daran geglaubt, dass es einmal so weit kommen würde, nachdem es in der Bundesliga (BBL) keinen Klub mehr gab, mit dem sich der 2,10 Meter große Center einigen konnte. Im Sommer war der gebürtige Wuppertaler bei Alba Berlin im Gespräch, doch auch aus dieser Verbindung wurde nichts. Obwohl die BBL-Vereine sechs von zwölf Positionen auf dem Spielberichtsbogen mit Deutschen besetzen müssen und die Nachfrage hoch ist, gab es keinen Platz für den 84-maligen Nationalspieler, in dem viele aufgrund seines Talents den nächsten Nowitzki sahen. „Man ahnte ja, was aus ihm werden könnte“, sagt Achim Kuczmann, Trainer der Bayer Giants Leverkusen. Er kennt Ohlbrecht seit dessen Jugend. „Es gibt ja nicht viele, die seine Größe und Athletik haben und über einen guten Wurf verfügen. Das Gesamtpaket passte.“

Schlampiges Genie

Ohlbrecht schaffte es zu den renommierten Adressen der Branche: Nach Leverkusen, Bamberg, Bonn und Frankfurt, 2008 nahm er mit Nowitzki und Kaman an den Olympischen Spielen teil. Doch die beeindruckenden Referenzen halfen nicht weiter, sie wurden zum Teil des Problems. Der Hochqualifizierte wollte sich nicht unter Wert verkaufen, allerdings galt er inzwischen als schlampiges Genie, das sein Talent mit wenig Konstanz und viel Phlegma zu vergeuden drohte. „Es schwirren so viele negative Storys in Deutschland über mich herum. Dauernd wird mir etwas vorgeworfen“, klagte er.

Die Skeptiker sahen sich bestätigt, Ohlbrecht klang wie ein weinerlicher Junge, der sich unverstanden fühlt. Doch aus seiner Enttäuschung resultierte eine wertvolle Entscheidung: Er ging in die USA und spielte in der D-League, einer Entwicklungsliga für NBA-Kandidaten. Bei den Rio Grande Valley Vipers, einem Farmteam der Houston Rockets, erzielte Ohlbrecht im Schnitt 13,4 Punkte und holte 7,4 Rebounds. „Er hat allen gezeigt, dass sein Weg der richtige war“, meint Kuczmann. „Hut ab!“

Als er vor einigen Tagen einen Zehn-Tages-Vertrag bei den Boston Celtics ablehnte, konnte man ihm auch das als unangemessenes Verhalten eines Hochnäsigen auslegen. Doch man hätte Ohlbrecht Unrecht getan. Er hatte einfach ein besseres Angebot.

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