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Rugby-Nationalmannschaft: „Rio 2016 - da wollen wir hin“

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Dana Kleine-Grefe (in rot, 4.v.l.) beim Tackling. Foto: ASV Köln
In einem Interview erzählt die Kölner Rugby-Nationalspielerin Dana Kleine-Greife über die Frauen beim Rugby, ihre Leidenschaft zu Chips und die Wünsche ihrer Mannschaft 2016 zu Olympia nach Rio zu fahren.  Von
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Köln

Frau Kleine-Grefe, wieso entscheidet man sich als Mädchen im Alter von acht Jahren dazu, mit einem Rugbyball anstatt mit Barbies zu spielen?

Kleine-Grefe: Mein Vater hat früher gespielt, dadurch waren mein Bruder und ich öfters auf Turnieren dabei, auch beim Beachrugby – wo wir uns dann in den Sand getackelt haben und so weiter. Das hat halt Spaß gemacht und irgendwann hat mein Bruder angefangen, und ich dann eben auch, beim ASV Köln. Vorher habe ich Kunstturnen gemacht.

Aber nach dem ersten Ballkontakt war das Turnen Geschichte?

Kleine-Grefe: Ja, so in der Art. Ich war eh nicht mehr so motiviert und war dann vollkommen fasziniert vom Rugby – und wollte von Beginn an alles geben.

Dana Kleine-Grefe, geb. am 24. September 1990, spielt Rugby für den ASV Köln, seit sie acht Jahre alt ist. Mit der 7er-Frauenmannschaft des Klubs wurde sie kürzlich Deutscher Meister. Seit April 2012 ist Kleine-Grefe Nationalspielerin, mit der deutschen Auswahl nimmt sie derzeit an der Women Grand Prix Series 2013, der Europameisterschaft im olympischen 7er-Rugby, teil. Am Wochenende findet das abschließende Turnier in Marbella/Spanien statt.
Dana Kleine-Grefe, geb. am 24. September 1990, spielt Rugby für den ASV Köln, seit sie acht Jahre alt ist. Mit der 7er-Frauenmannschaft des Klubs wurde sie kürzlich Deutscher Meister. Seit April 2012 ist Kleine-Grefe Nationalspielerin, mit der deutschen Auswahl nimmt sie derzeit an der Women Grand Prix Series 2013, der Europameisterschaft im olympischen 7er-Rugby, teil. Am Wochenende findet das abschließende Turnier in Marbella/Spanien statt.
Foto: Rako

Pubertierende Jungs gehen doch bestimmt unterschiedlich damit um, dass ihre Mitschülerin Rugby spielt, oder?

Kleine-Grefe: Ach, die fanden das eigentlich immer cool. Die meisten haben immer gestaunt und waren eher interessiert als abgeneigt. Ich hab damit so gut wie nie schlechte Erfahrungen gemacht, wenn ich das jemandem erzählt habe – und ich habe es immer jedem erzählt. Wenn doch jemand ein Problem damit hatte, konnte ich gut darüber stehen.

Wie ist das Verhältnis zu den gegnerischen Spielerinnen? Es ist ja eher unüblich, dass sich Frauen in Tacklings zu Boden schleudern. Gibt es auf dem Platz auch Beleidigungen und versteckte Ellbogenchecks?

Kleine-Grefe: Rugby ist generell ein fairer Sport. Auf dem Feld kriegt man schon mal eine mit und denkt sich: das hat nichts mit Rugby zu tun. Aber das gehört eben dazu, es gibt keine Schlägereien oder Zickenkriege.

Entschuldigen Sie das Klischee, aber: Sie ziehen sich auch nicht an den Haaren?

Kleine-Grefe: Nicht absichtlich. Kann schon mal passieren, dass man in die Haare greift. Aber dann reißt man die Gegnerin nicht gleich zu Boden.

Was fasziniert Sie am Rugby?

Kleine-Grefe: Es ist ein wahnsinnig interessanter Sport. Es gibt keinen Prototypen für Spieler, nicht jeder muss groß und schwer oder klein und leicht sein. Beim Rugby ist jede Position, jeder Spieler individuell wichtig. In der Hintermannschaft spielen die schnellen, wendigen Spieler. Im Sturm stehen die Kräftigen und Robusten.

Man muss also keine expliziten körperlichen Voraussetzungen mitbringen, um eine gute Rugby-Spielerin zu sein?

Kleine-Grefe: Man muss einen gewissen Sinn für Sport und Athletik haben, aber ich bin mit einer Größe von 1,60 Meter das beste Beispiel dafür, dass man in dieser Sportart auch als zierliche Person erfolgreich sein kann.

Stimmen Sie zu, wenn wir die These wagen, dass Rugby ein komplizierter Sport ist?

Kleine-Grefe: Für Außenstehende definitiv. Meine Position nennt sich Verbinder, ich verbinde den Sturm mit der Hintermannschaft. Ich leite die Spielzüge ein und muss den Überblick behalten.

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Klingt nach der Rolle des Quarterbacks beim Football – Sie sind die zentrale Figur Ihrer Mannschaft.

Kleine-Grefe: Jeder ist auf seiner Position enorm wichtig, muss seinen Job machen und jeder muss sich auf jeden verlassen können.

Wo liegt der größte Unterschied zwischen 7er- und 15er Rugby?

Kleine-Grefe: Das Feld ist gleichgroß, das 7er-Spiel ist deshalb viel schneller, weil es einfach mehr Platz zum Bewegen gibt.

Wieso haben Sie sich für 7er-Rugby entschieden?

Kleine-Grefe: Ich spiele beides. Im Verein spielen wir sowohl 15er-Rugby – in der Bundesliga – als auch 7er-Rugby, in der Regionalliga. Mit der 7er-Mannschaft sind wir vor kurzem Deutscher Meister geworden – auch bei der Nationalmannschaft sind wir ein 7er-Team.

Wie wird man eine erfolgreiche Rugbyspielerin?

Kleine-Grefe: Es ist natürlich vorteilhaft, wenn man früh anfängt. Man muss natürlich Talent mitbringen, es ist nicht jedermanns Sache. Ich habe immer viel und leidenschaftlich trainiert und alles investiert. Rugby ist ein Outdoor-Sport und da wird immer trainiert, egal bei welchem Wetter. Man muss deshalb schon einen großen Ehrgeiz haben.

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Im Internet kann man lesen, dass Chips für Sie lebensnotwendig sind. Das klingt jetzt erst mal nicht nach einer Leistungssportlerin...

Kleine-Grefe (lacht): Stimmt, aber ich brauch’ das einfach. Meine Trainer sehen das natürlich nicht gern. Aber manchmal muss das einfach sein. Vor großen Wettkämpfen reiße ich mich auch mal zusammen, grundsätzlich gehen Chips aber immer. So wie andere Leute Schokolade oder Obst brauchen, brauche ich Chips.

Sie betreiben den Sport professionell, beim Rugby bedeutet das aber nicht, dass Sie Ernährungspläne haben oder die Bettruhe abends vom Trainer kontrolliert wird?

Kleine-Grefe: Nee. Bei uns ist das alles noch im Aufbau, der Olympia-Stützpunkt ist erst Dezember in Köln. Hochprofessionell ist es noch nicht, aber es wird sicherlich dahin gehen.

Sie sind 22 Jahre alt, spielen also schon einige Zeit in den Erwachsenen-Mannschaften – und sehen es trotzdem noch als Hobby?

Kleine-Grefe: Es ist schon mehr als ein Hobby. Mit der Nationalmannschaft trainieren wir auf dem Stützpunkt von Montag bis Donnerstag zweimal pro Tag. Man muss schon viel Freizeit opfern.

Die Spielerinnen wohnen also alle in Köln?

Kleine-Grefe: Die meisten sind mittlerweile hierher gezogen.

Nur für die Nationalmannschaft?

Kleine-Grefe: Genau. Vor Dezember gab es noch keinen zentralen Stützpunkt. Seitdem sind die Sportförder-Soldatinnen nach Köln gezogen und die anderen haben eben auch versucht, hierherzukommen. Für mich war es natürlich perfekt, dass ich schon in Köln gewohnt habe.

Bekommen Sie denn Geld?

Kleine-Grefe: Die Sportfördersoldatinnen bekommen ihr ganz normales Gehalt von der Bundeswehr. Die anderen Spieler der Nationalmannschaft bekommen derzeit kein Geld.

Wohnen Sie noch bei Ihren Eltern?

Kleine-Grefe: Ja, meine Familie steht zum Glück voll hinter mir. Es ist schwer, sich eine Wohnung zu leisten, wenn man nur in Teilzeit arbeiten kann. Vor allem in Köln – ist ja nicht gerade günstig hier.

Haben Sie sich denn mit dem Nischen-Dasein des Sports abgefunden – oder blickt man gelegentlich zur Seite und denkt sich: Hätte ich besser etwas anderes gemacht?

Kleine-Grefe: Nein. Wir wollen den Sport in Deutschland populärer machen und die Leute zum Rugby bringen. Vor allem in Köln ist es schwierig, wo es ein riesiges Angebot in allen möglichen Sportarten gibt. Aber solch ein Gedanke kommt mir nie. Rugby ist genau mein Sport.

Was war es denn für ein Gefühl, zum ersten Mal – sagen wir: Für Deutschland aufzulaufen?

Kleine-Grefe: Das war krass. In Amsterdam, meine Familie war da, meine Freunde und viele vom Verein. Alle waren total begeistert, und es waren viele Zuschauer da. Einfach ein tolles Erlebnis, das ich nie vergessen werde.

Viele? Was bedeutet das beim Frauen-Rugby? 1000? 5000? 10000?

Kleine-Grefe: Nein. Ich kann das immer schwer einschätzen, beim ASV hatten wir zuletzt während der Meisterschaft verhältnismäßig viele Zuschauer. Das waren dann vielleicht mal 300 oder so.

Haben Sie mit dem Nationalteam die Chance, sich für die Olympischen Spiele in Brasilien zu qualifizieren?

Kleine-Grefe: Das Projekt des neuen Stützpunkts nennt sich „Rio 2016“ – da wollen wir hin! Es wird aber schwierig, weil die Konkurrenz in Europa sehr stark ist.

Am Samstag steht das zweite der beiden EM-Turniere in Marbella an. Welche Ambitionen haben Sie?

Kleine-Grefe: Na ja, wir bauen hier seit Dezember das auf, was in anderen Nationen seit Jahren mit großer Professionalität praktiziert wird. Die Engländerinnen zum Beispiel sind nahezu unschlagbar, die sind unfassbar gut.

Das Gespräch führte
Philip Sagioglou

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