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Skispringer Severin Freund: „Es ist eine Ehre, Favorit zu sein“

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Tournee-Favorit Severin Freund in der Luft ... Foto: dpa
Severin Freund spricht im Interview über seine Entwicklung, seinen Bandscheibenvorfall und seine Chancen bei der Vierschanzentournee, bei der er zu den Favoriten zählt. In der Weltcup-Gesamtwertung liegt der Niederbayer auf dem zweiten Platz.  Von
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Herr Freund, Sie haben die Weltcup-Saison in Lillehammer optimal begonnen: erstes Springen, erster Sieg. Ihre starke Form haben Sie bis zuletzt konserviert, in der Weltcup-Gesamtwertung sind Sie Zweiter. Wie erklären Sie sich Ihr Hoch?

Severin Freund: Dass die Saison so sensationell angefangen hat, hätte ich nicht gedacht, vollkommen überraschend kommt es aber nicht. Ich wusste schon, dass ich gut springe. Es steckt eine große Portion Arbeit aus den letzten Jahren drin, in denen ich konstant besser geworden bin, weil ich viel Mühe in meine Leistung investiert habe. Und es kam Glück hinzu, dass ich nach einer Operation so famos in die Wettkampf-Phase gefunden habe. Da ist immer eine kleine Unsicherheit drin – was passiert nach einer Operation? Wie hast du das verkraftet? Bei mir hat gleich der erste Sprung im Training auf der Schanze funktioniert. Da war sofort Selbstvertrauen da.

... nach der Landung ...
... nach der Landung ...
Foto: dpa

Was für eine Operation mussten Sie über sich ergehen lassen?

Freund: Ich hatte einen Bandscheibenvorfall. Der war schon einmal konservativ behandelt worden, ist dann aber nach dem Winter im Kraftaufbau-Training wieder aufgetreten. Dann habe ich mich beraten lassen, die Entscheidung fiel schnell: Operation, es war ja die wettkampffreie Zeit. Wir haben von Anfang an gesagt, wir lassen uns Zeit mit der Behandlung, bis es wirklich gut ist.

Wie lange hat es gedauert, bis Sie wieder voll belastbar waren?

Freund: Die Operation war am 16. April. Ich bin danach aufgewacht und die Schmerzen waren weg. Das war schon mal ein guter Start. Das richtige Training hat in einem fließenden Übergang begonnen. Gesprungen bin ich erstmals Mitte Juli wieder.

Sie sind gleich spektakulär zurückgekehrt. Bei den Sommer-Grand-Prix-Springen in Hinzenbach und Klingenthal Ende September und Anfang Oktober belegten Sie die Plätze zwei und eins. Wie war das möglich?

Freund: Damit habe ich mich selbst extrem verblüfft. Ich bin zwar gut im Training gesprungen, aber das heißt ja nichts für den Wettkampf. Diese Ergebnisse haben mich richtig gepusht. Dass es im Winter aber gleich so losgeht, war Wahnsinn. Andererseits ist es aber auch schön, dass Erfolg nicht immer nur Input gleich Output ist. Das ist ja das Faszinierende am Skispringen, dass sehr viele Faktoren eine Rolle spielen für die Gesamtleistung. Nur über Training geht das nicht, denn dann würde ja immer der gewinnen, der am meisten trainiert hat.

... und während der Siegerehrung nach einem seiner Erfolge.
... und während der Siegerehrung nach einem seiner Erfolge.
Foto: dpa

Was aber machen Sie gerade anders und so viel besser als die meisten Skispringer?

Freund: Ich war gezwungen, etwas anderes in der Vorbereitung zu machen. Ich hatte auch mehr Zeit, mich mit meinem Sprung zu befassen. Das hat sich im Kopf abgespielt. Ich schätze, ich war durch die Zwangspause auch viel motivierter als sonst. Manchmal tut ein bisschen weniger in jeder Hinsicht auch mal ganz gut. Vor allem im mentalen Bereich. Das stelle ich gerade fest.

Was bedeutet das alles aus deutscher Sicht für die Vierschanzentournee, die am Samstag mit der Qualifikation für das erste Springen in Oberstdorf am Sonntag beginnt?

Freund: Die Tournee ist ein großer Höhepunkt, wir freuen uns alle auf die Springen zu Hause. Wir sind ja ganz gut vorbereitet. Es ist einfach richtig schön und interessant vor 20 000 Zuschauern zu springen. Das ist extrem cool und zieht mich mit. Ich habe schon einmal in Willingen gewonnen und weiß deshalb, was bei einem deutschen Triumph für eine Party in einem heimischen Stadion losbricht.

Sie gehören zum Kreis der Tournee-Favoriten. Wie gehen Sie mit diesem Prädikat um?

Freund: Ich habe keine Wünsche an die Tournee. Meine Zielsetzungen hängen mit dem Sprung und der Technik zusammen. Ich möchte eine konstante Tournee springen. Und weiter vorne landen als im Vorjahr, als ich Siebter wurde. Mir ist klar, dass ich zu den Favoriten gehöre. Das interessiert mich aber nicht. Damit kann ich umgehen. Ich bin entspannt und fit nach Oberstdorf gereist. Ich denke auch nicht, dass ich der Top-Favorit bin, diese Rolle haben die Österreicher Gregor Schlierenzauer und Andreas Kofler, denke ich.

Im vergangenen Jahr gehörten Sie auch schon zu den Favoriten, konnten aber die Erwartungen nicht erfüllen. War der Druck zu groß?

Freund: Nein, ich glaube nicht, dass es daran gelegen hat. Ich empfinde es jetzt als Ehre, als Favorit gehandelt zu werden. Ich war zu Beginn der vergangenen Tournee besser als am Ende. Da hat sich leider etwas in meinem Sprung verändert, was nicht mehr funktionierte. Wenn ich in Topform bin so wie jetzt, dann sind die Abläufe automatisiert, dann läuft alles von alleine. Sollten sich aber Fehler einschleichen, ist es schwer, die schnell zu beheben. So eine Erfahrung gesammelt zu haben, das sehe ich als Vorteil. Im Moment bin ich auch mental gut drauf, weil ich einfach gut springe. Ich weiß aber, dass unsere Sportart sehr schnelllebig ist.

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Sie sind auch eine Zeit lang im Gelben Trikot gesprungen, das der Führende der Weltcup-Wertung tragen darf. Haben Sie sich damit einen Traum erfüllt?

Freund: Ja, das war ein sehr schönes Gefühl. Es ist der Traum von jedem Skispringer, es zu tragen. Eigentlich ein bisschen abenteuerlich, dass ich es nun mal hatte. Und die Abstände sind gering, es ist nicht ausgeschlossen, dass ich es noch mal anziehen darf.

Vor der Saison hat es eine Neuregelung bei den Anzügen gegeben, die nun enger am Körper anliegen als in der Vorsaison. Kommt Ihnen diese Entwicklung entgegen?

Freund: Dadurch ist der absprungstärkere Typ gefragt. Für ein Fazit ist es mir noch zu früh. Ich komme aber grundsätzlich sehr gut damit zurecht.

Bei den beiden Springen im russischen Sotschi haben Sie mit großen Weiten überzeugt, hatten aber jeweils Fehler in der Landung dabei. Ist das zurzeit die einzige Baustelle in Bezug auf Ihre Technik?

Freund: Das mit der Landung hängt auch mit dem Sprung zusammen, wie ich unten reinfliege. In Sotschi hat das mehrere betroffen. Allerdings kann meine Landung noch stabiler werden, daran werde ich arbeiten.

Zur Person
Severin Freund
Foto: dpa

Severin Freund, geboren am 11. Mai 1988 in Freyung in Niederbayern. Inzwischen drei Weltcup-Siege, davon zwei in dieser Saison. Aktuell Weltcup-Zweiter. Platz sieben bei der letzten Tournee. (ksta)

Neben Ihnen glänzt die gesamte deutsche Mannschaft: Der 17-jährige Andreas Wellinger überzeugt mit Podestplätzen, auch Richard Freitag gehört zur Weltklasse. Hinzu kommen neue, junge Springer, die es regelmäßig unter die Top Ten schaffen. Wie war das möglich?

Freund: Es ist das Resultat von jahrelanger Arbeit. Ein Stein hat den nächsten angestoßen, und dann ist die Sache ins Rollen gekommen. Es ist eine schöne Situation. Unser Team wird immer stärker, dafür haben wir die letzten Jahre hart gearbeitet.

Wer hat Sie am meisten überzeugt von den jungen Leuten?

Freund: Zwei Kerle – Andreas Wellinger und Karl Geiger. Faszinierend. Beide springen enorm stark, Wellinger hat bei allen sieben Weltcup-Springen dieses Winters gepunktet, Geiger bei sechs Stationen – das ist eine enorme Leistung, davor habe ich größten Respekt. Wellinger hat bei seinem allerersten Weltcup-Springen nach dem ersten Durchgang geführt, und er hat diesen Wettkampf als Fünfter beendet, das ist sehr ungewöhnlich. Das zeugt von sehr viel Können. Das gilt auch für Karl Geiger. So eine Situation, wie wir sie jetzt haben, wollten wir immer erreichen: Dass jüngere Athleten dazustoßen und einschlagen können. Das zeigt, dass der Weg nicht so wahnsinnig weit ist und dass es sehr schnell gehen kann.

Zuletzt hatte es dem Deutschen Ski-Verband allerdings gerade an Nachwuchsspringern und Talenten gefehlt. Woher kommen die vielversprechenden Neulinge auf einmal?

Freund: Man kann Nachwuchs nicht regelmäßig produzieren. Man braucht ein kluges Konzept, das hat unser Bundestrainer Werner Schuster eingeführt. Er hat Dinge im System und im Training umgestellt, das braucht Zeit. Jetzt ist es so weit. Jetzt ist etwas entstanden und es wird auch sichtbar.

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