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Turner Philipp Boy: Ausgebremst von Angst und Frust

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Philipp Boy in Aktion. Foto: dpa
Er ist einer der drei deutschen Vorzeigeturner aus dem Spitzenjahrgang 1987: Jetzt beendet Vizeweltmeister Philipp Boy mit 25 Jahren seine Turnkarriere. Zwei Gründe führt Boy dafür an: Angst und Frust.  Von
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Köln

Sie mögen sich nicht, daraus haben Philipp Boy und Fabian Hambüchen nie ein Geheimnis gemacht. Umso erstaunlicher ist es, dass Hambüchen die Welt jetzt via Twitter an seinem "komischen Gefühl" teilhaben lässt, bald ohne den Cottbusser Boy mit dem Nationalteam der deutschen Turner antreten zu müssen. Und für seine Verhältnisse klingt es fast wie eine Liebeserklärung, wenn er sagt: "Ein Comeback wäre für das deutsche Turnen wünschenswert."

Ob diese Aussage Philipp Boy zum Umdenken bewegen kann, ist fraglich. Der 25-Jährige hatte schließlich seit seinem letzten Wettkampf bei den Olympischen Spielen im Sommer in London 124 Tage darüber nachgedacht, was zu tun ist, bevor er am Samstag im Rahmen des Turn-Weltcups in Stuttgart seinen Rücktritt bekanntgab. Er ist neben dem Reck-Olympiadritten Hambüchen und dem Mehrkampf-Olympiazweiten Marcel Nguyen einer der drei deutschen Vorzeigeturner aus dem Spitzenjahrgang 1987, seine Sammlung an Erfolgen ist beachtlich: Boy wurde 2010 und 2011 Vizeweltmeister im Mehrkampf; besser geht es nicht, denn der Japaner Kohei Uchimura, zuletzt dreimal in Folge Weltmeister sowie Olympiasieger 2012, gilt im Sechskampf als unschlagbar. Mit der deutschen Mannschaft gewann Boy zweimal WM-Bronze, zudem sammelte er EM-Gold im Mehrkampf und mit dem Team.

Philipp Boy reichts

Aber jetzt reicht es ihm. Zwei Gründe führt Boy dafür an: Angst und Frust. Es sind überzeugende Gründe. Ein Turner, der sich fürchtet, der seinem Körper nicht mehr zutraut, zu leisten, was er leisten soll, der ganz einfach Angst hat, sich zu verletzen, kann nicht länger diese Mischung aus Perfektion und Eleganz präsentieren, mit der Boy zu seinen besten Zeiten brillierte. Und ein frustrierter Turner, einer, der findet, dass Aufwand und Ertrag seiner täglichen Bemühung nicht im richtigen Verhältnis zueinanderstehen, der kann sich nicht länger quälen. Das jedoch muss man unbedingt tun, wer im Spitzensport erfolgreich sein will.

"Ich hatte eine Bremse im Kopf." So beschrieb Philipp Boy am Samstag seine letzten zwölf Monate als Turner. Ein Sturz vom Reck vor einem Jahr in Stuttgart war für ihn zwar körperlich glimpflich ausgegangen, hatte aber Spuren in Boys Seele hinterlassen. "Seitdem konnte ich die Stange einfach nicht mehr loslassen, ich habe mir zu viele Gedanken gemacht", sagte Boy. Auch über seinen ehemaligen Trainingskollegen Ronny Ziesmer, der seit einem schweren Trainingsunfall vor acht Jahren querschnittsgelähmt im Rollstuhl sitzt.

Dazu das Empfinden, für den erbrachten Aufwand und die gesammelten Triumphe nicht angemessen entschädigt zu werden - das hat Boy, der 2009 seine Ausbildung zum Bankkaufmann abbrach und sich als Sportsoldat voll und ganz dem Turnen widmete, nicht unbedingt geholfen, die Angst zu überwinden. In London laborierte er an allerlei Verletzungen und war weit von seiner Bestform entfernt. Am Samstag erklärte er zudem: "Trotz aller Erfolge reicht der Sport nicht, um sich eine Altersversorgung aufzubauen."

Philipp Boy war immer ein junger Mann mit großen Träumen. Bundestrainer Andreas Hirsch monierte lange, dass Boy Probleme habe, seine Ansprüche und seine Taten auf einen Nenner zu bringen. Sportlich ist dem Cottbusser das 2010 und 2011 gelungen. Doch der finanzielle Durchbruch, wie er Hambüchen gelungen war, der als Erster der 87er-Generation Erfolge gesammelt hatte, blieb aus. "Es ist schon sehr schade, wenn das nur bei einem einzigen von uns klappt", sagte Boy.

Für seine Zukunft hat der 25-Jährige noch keinen ausgefeilten Plan. Er ist Mitinhaber zweier Imbiss-Geschäfte in Cottbus, und er wolle "dem Turnsport verbunden bleiben". Wie, das ließ Boy offen. Nur so viel stellte er klar: Nicht als Trainer. Denn: "Ich habe schon genug Magnesia in der Lunge".

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